Emilie Richards, die bisher durch ihre gefühlsbetonten Romane Aufmerksamkeit erlangte, hat mit Mrs Wilcox eine neue Ermittlerin zum Leben erweckt. Diese Art von Cosy-Crimes, bei denen die Klärung des kriminellen Vergehens, meist in amerikanischen Kleinstädten, ausschließlich durch Privatpersonen erfolgt, gibt es in den letzten Jahren zuhauf. Geübte Krimileser wissen meist schon nach der Vorstellung der Charaktere, wer der Böse ist und finden nur sparsame Spannung in den meist nicht einmal 300 Seiten umfassenden Büchern. Mit dieser Einstellung bin auch ich an dieses Buch herangegangen und wurde glücklicherweise eines Besseren belehrt.
Die pragmatisch veranlagte Pfarrersgattin Aggie Wilcox kam nicht nur unfreiwillig nach Emerald Springs, sondern wird auch nur äußerst widerwillig in den Mordfall verwickelt. Fast schon peinlich ist es ihr, dass ausgerechnet beim Besuch des kirchentreuen Frauenvereins eine unbekleidete Tote auf ihrer eigenen Terrasse aufgefunden wird. Zu allem Überfluss ist das genau die Dame, mit der sich ihr eigener Ehemann tags zuvor gestritten hat. Vielleicht wäre es auch nicht so schlimm, wenn Ed nicht der ansässige Pfarrer wäre. Schon allein deshalb muss Aggie möglichst schnell den wahren Täter finden, um wenigstens ihren Mann vor einem unrühmlichen Abgang zu bewahren.
Der Krimi liest sich flüssig und bietet durch die unvorhersehbaren Wendungen genügend Unterhaltung. Er kommt ohne blutige Schilderung der Tat aus. Die Freizeitdetektivin ist sich beim Zusammentragen der nötigen Informationen durchaus auch ihrer familiären Verpflichtungen bewusst, sodass ihr Charakter lebensnah und plastisch erscheint. Mit Mut, Intelligenz und einer Prise Humor passt sie die Puzzleteile ins rechte Bild. Atemraubende Spannung sucht man hier allerdings vergeblich. Dennoch ist die Neugier beim Leser immer geweckt und lässt einen das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Wollte die Familie eigentlich von der Kleinstadt in Ohio bald nach Chicago weiterziehen, wird sie zunächst noch drei weitere Fälle bleiben. Mrs Wilcox und die mörderische Bescherung ist der zweite Fall für die engagierte Pfarrersfrau.