Larry Singh, ein leicht neurotischer Verlagslektor, ist so über das Verschwinden des Kellners in seinem indischen Stammrestaurant verstört, dass er sich auf die Suche nach diesem begibt - ein großer Fehler, wie sich herausstellen wird, denn kaum hat er eine erste Spur gefunden, sieht er sich in ein undurchsichtiges Gewirr von Verbrechen und Intrigen verstrickt. Er erhält Drohbriefe, wird von Bösewichten verfolgt, die Geld von ihm haben wollen, und findet sich plötzlich am Grund eines düsteren Brunnenschachtes wieder. Zwischendurch verliert er auch noch sein Gedächtnis, was weder bei der Suche nach dem Kellner, noch bei der Sache mit dem Geld sehr hilfreich ist, und dann nennen ihn auch noch auffällig viele Leute "Harry"...
Horst Prillinger erzählt die Geschichte von Larry als "concussed novel" (=gehirnerschütterten Roman) - Larrys Verwirrung und Gedächtnisverlust wird dadurch wiedergegeben, dass die Handlung in 150 kurzen Bruchstücken in durcheinandergeschüttelter Reihenfolge erzählt wird. Der Leser hat daher das selbe Problem wie Larry, dass viele Dinge fürs erste keinen Sinn zu machen scheinen. Daraus entwickelt sich allerdings das wichtigste Spannungsmoment des Buches, denn abgesehen vom Geheimnis, was denn nun mit dem Kellner geschehen ist, gibt es noch hunderte andere Fragen: Wer ist Mr Smith? Wie kommt Larry wieder aus dem Brunnenschacht raus? Wird der Aktenkoffer explodieren? Wie hat Larry sein Gedächtnis verloren? Ist Larry wirklich Larry oder vielleicht doch Harry? Wie bei einem Puzzle vervollständigt sich das anfangs rätselhafte Bild bei der Lektüre, und immer mehr wird klar, was denn nun wirklich geschehen ist, bis Larry schließlich das letzte Rätsel löst...
Die Spannung bricht bis zum Schluss nie ab, das Tempo bleibt hoch, und die Tatsache, dass einige Zeit unklar ist, welches Verbrechen überhaupt begangen wurde, macht die Sache nur noch interessanter. Als besonderes Extra erzählt Larry, wenn er zwischendurch vorübergehend mal vom Thema abschweift, interessante kulinarische Details über indisches Essen. Wussten Sie z.B., welche Zutaten für ein Vindaloo unumgänglich sind, wie die schärfste Chilisorte der Welt heißt, warum man in Restaurants kaum jemals gute Biryanis bekommt und wo das Huhn Tikka Masala erfunden wurde? Auch diese Fragen beantwortet das Buch quasi nebenbei, während Larry dem verschwundenen Kellner näher rückt.
Fazit: lockeres, spannendes, amüsantes Lesevergnügen, das fast zu schnell vorbei ist (wenn es nach mir ginge, könnte Larry zu den 150 Kapiteln noch 100 weitere erzählen), und bei dem man noch dazu sein Wissen über indische Küche erweitern kann. Definitiv eine Empfehlung.