New York in den Sechzigern, die Landung des Menschen auf dem Mond steht bevor, als Bellow diesen Roman schreibt. Der Mond ist Mr Sammlers Planet, beschäftigt seine Fantasie, löst seine vielfältigen philosophischen Gedanken über den Zustand der Menschheit aus, der ihm zwischen "Heiligkeit und Wahnsinn" (102) zu schwanken scheint - insofern bezieht sich der Titel auch auf diesen Planeten.
Elya Gruner, sein vermögender Verwandter, scheint ihm nahe an der "Heiligkeit" zu sein, folgt er doch seinem inneren Gesetz und erfüllt seine Pflichten den Menschen gegenüber. Überwiegend verrückt scheint ihm dagegen der Zustand der Menschheit auf diesem Planeten. Gruners erwachsene Kinder etwa, Angela und Wallace, reich, verwöhnt, demonstrieren das durch ihren fragwürdigen Lebenswandel. Angela ist ein Beispiel für die sexuelle Libertinage jener Zeit, Wallace verfolgt allerlei bizarre Projekte und zeigt ein um das andere Mal seine Verantwortungslosigkeit und Unreife. Aber auch Sammlers eigene Tochter, Shula, gibt Anlass zur Sorge. Sie hält ihren Vater für ein Genie und stiehlt deswegen für ihn das Manuskript eines indischen Professors, der ein Buch über den Mond veröffentlichen will. Oder Sammler beobachtet wiederholt einen schwarzen Taschendieb bei der Arbeit, einen skrupellosen Prototyp der Zeit, der ihn später mit seiner physischen und psychischen Überlegenheit bedroht.
Sammler, Überlebender des Holocaust, über 70, will eigentlich nur Zuschauer des Lebens sein, er will nicht verurteilen, begreift sich als Mensch mit Schwächen unter seinen Mitmenschen, sieht die Dinge mit der nötigen Abgeklärtheit und analytisch mit Hilfe seines philosophisch geübten Verstandes. Am Schluss erleben wir jedoch einen Sammler, der eindeutig moralisch Partei ergreift. Und zwar wird er von seinem Mitgefühl für Gruner überwältigt, als dieser zwar schwache, aber nach Sammlers Meinung gute Mensch, der stets für seine Familie und die Mitmenschen da war, im Sterben liegt. Sammler drängt Gruners Tochter Angela, sich bei ihrem Vater für ihre sexuellen Exzesse zu entschuldigen, was diese ziemlich erbost. Aber hier lässt der Autor den Roman abrupt enden: mit einem leidenschaftlichen Appell an den Zeitgenossen, " die Satzungen seines Vertrages" (im Original: "the terms of his contract) zu erfüllen, von dem "im innersten Herzen jeder Mensch weiß".
Bellow balanciert ein gewisses Katastrophengefühl angesichts des von ihm so empfundenen Zeitenbruchs durch seine distanzierte Darstellung, seinen urbanen Stil und eine immer wieder aufblitzende Komik aus. Mag uns dieses Zeitgefühl durch die weitere Entwicklung schon etwas fremd geworden sein, so bleibt das Buch doch ein großer gedanklicher und schriftstellerischer Wurf.