Mit der Screwball Comedy "Mr. & Mrs. Smith" aus dem Jahre 1941 entschloß sich Alfred Hitchcock - der Sage nach auf Betreiben der umwerfenden Carole Lombard allzumal -, sein angestammtes Thriller-Genre zu verlassen und sich einer reinen Komödie zuzuwenden. Das Ergebnis ist, so finde ich, ein unterhaltsamer und mit Wortwitz und Situationskomik gesegneter Film, der allerdings nicht ganz ohne Längen bleibt.
Mr. David Smith (Robert Montgomery) und seine Gattin Ann (Carole Lombard) sind seit etwa drei Jahren verheirat - jedenfalls glauben sie das. Um ihrer Ehe Dauerhaftigkeit zu verleihen, sind sie übereingekommen, gewisse Regeln einzuhalten, wie etwa die, daß nach einem Streit das Schlafzimmer nicht ohne Versöhnung verlassen werden darf. Eine weitere Regel besagt, daß jeder der beiden auf eine Frage seines Partners eine ehrliche Antwort zu geben hat. In seiner Unbekümmertheit beantwortet David nun ausgerechnet Anns Frage, ob er sie nochmals heiraten würde, wahrheitsgemäß, indem er eingangs darauf hinweist, wie viele Freiheiten er durch seine Ehe eingebüßt habe, und diese Frage dann verneint. Im Laufe des Tages erfahren dann beide Smiths unabhängig voneinander, daß sie infolge eines juristischen Formfehlers vor dem Gesetz eigentlich nicht verheiratet sind.
Nachdem David, der - anders als seine Frau - n i c h t weiß, daß sie weiß, daß er weiß, nach einem als romantisch geplanten Abendessen keinerlei Anstalten gemacht hat, die Heirat nachzuholen, setzt ihn Ann kurzerhand vor die Tür. In der Folge nun versucht David, sich Anns Jawort zu erkämpfen, was indes dadurch erschwert wird, daß sein bester Freund Jeff (Gene Raymond) auf die Nachricht hin, daß Ann technisch gesehen ledig ist, die Lage ausnutzt und sich zu seinem Rivalen aufschwingt.
Kommt die Komödie anfangs auch recht schleppend in Gang, so kann sie doch nach den ersten Minuten mit vielen glanzvollen Dialogen und einem großen Maß an Situationskomik aufwarten. Wer jemals in einem nicht ganz so sauberen Restaurant hat essen müssen, wird beispielsweise nachvollziehen können, warum die Tatsache, daß die lokalansässige Katze um keinen Preis von der Suppe essen will, David so viel Kopfzerbrechen bereitet, daß er sich kaum noch auf seine Ehefrau konzentrieren kann. Auch die Szene, in der David seine Frau, die mit Jeff in einen Club ausgeht, eifersüchtig machen will, in dem er scheinbar mit einer jungen und hübschen Sitznachbarin plaudert, welche allerdings nichts von seiner Existenz bemerken darf, gehört für mich zu den absoluten Glanzlichtern des Filmes. Aber Hitch hat ja eigentlich in vielen Filmen bewiesen, daß er einen Hang zum besonderen Humor hat. Was meiner Meinung nach jedoch nicht mehr so überzeugt, ist die abrupte Auflösung, mit der der Film seinen Zuschauer entläßt. Dies geht alles ein wenig schnell und wirkt zurechtgebogen wie ein Gellerscher Löffel.
Für den Zuschauer unserer Tage dürfte "Mr. & Mrs. Smith" darüber hinaus an manchen Stellen ziemlich aufschlußreich im Hinblick auf die Errungenschaften der Emanzipation sein. Da verbietet David seiner Frau kurzerhand kategorisch den Umgang mit einer ihrer Freundinnen, die er für einen schlechten Umgang hält, oder er droht, ihr ganz einfach den Geldhahn zuzudrehen - oder, wie er es ausdrückt, seine Hand von ihr zu ziehen -, wenn sie sich nicht füge und ihn wieder in der gemeinsamen Wohnung aufnehme. Szenen wie diese zeigen recht deutlich, in welch krassem Abhängigkeitsverhältnis eine verheiratete Frau zu jener Zeit stand. Aber es kommt noch dicker: Um gerade nicht mehr finanziell von David abhängig zu sein, hat sich Ann einen Job besorgt - als Verkäuferin in einem Kaufhaus. Lassen wir einmal die Frage, ob sie sich mit dem Verdienst überhaupt den gewohnten Lebensstil würde leisten können, beiseite. Das Kaufhaus verfolgt die Linie - zur Entschärfung der angespannten Situation auf dem Arbeitsmarkt, wie man sagt -, Frauen nur dann anzustellen, wenn sie ledig sind. Vergegenwärtigt man sich aber die plumpen Annäherungsversuche des in die Jahre gekommenen Managers, dann fällt einem mindestens noch ein zweiter Grund ein, der die Verantwortlichen zu dieser Politik bewogen haben konnte.
Wie so oft in den Screwball Comedys jener Jahre geht der Geschlechterkampf auf eine Weise aus, der althergebrachte Geschlechtervorstellungen eher bekräftigt als kritisiert. Zwar ist Mrs. Smith - nicht zuletzt dem Image der leider so früh verstorbenen Carole Lombard geschuldet - eine temperamentvolle Frau mit eigenem Willen, aber in der letzten Szene, die in ihrer Botschaft fast ein wenig an Shakespeares "The Taming of the Shrew" erinnert, unterwirft sie sich gerne wieder ihrem Mann. Aus eigenem Willen, und nicht etwa aus Zwang, aber doch wohl bewogen von der Anziehungskraft eines durch Aggressivität und Zielstrebigkeit geprägten männlichen Rollenmodells. Der Film läßt keinen Zweifel daran: Jeff mag ein rücksichtsvoller und ehrenwerter Frauenversteher sein - in vielem ungleich empathischer, geduldiger und zärtlicher als David, aber dabei eben auch eine lächerliche Figur* -, doch da er Gewalt aus Prinzip ablehnt, ist er auch nicht bereit, sich für Ann zu prügeln, und dieser letzte Punkt gibt bei der Dame den Ausschlag zugunsten des virilen, zupackenden Davids, der sich am Ende entschlossen die Frau nimmt, die gerade wegen dieser Entschlossenheit genommen werden möchte.
Alles in allem ist "Mr. & Mrs. Smith" eine unterhaltsame Komödie, die sich auch heute noch sehen lassen kann - vor allem wegen Carole Lombard und Robert Montgomery -, ohne jedoch, wie ich finde, zu den ganz großen Glanzlichtern Hitchcocks oder der Komödie zu gehören.
Leider enthält die Neuauflage in der Reihe Arthaus Retrospektive keine wirklich nennenswerten Extras, wie sie einem Hitchcockfilm zukämen.
* Sowohl Jeff als auch David sind Figuren, über die der Zuschauer lachen kann. Allerdings scheint der Film doch ein wenig umbarmherziger mit Jeff umzugehen, der keinen Alkohol vertragen kann, in einer Szene bis auf die Knochen durchnäßt wird, anders als die euphorische Ann in mehreren hundert Metern Höhe ängstlich und passiv wirkt, und auch gern seine Eltern im Gefolge hat. Auch David ist eine lächerliche Figur, dabei jedoch immer Herr der Lage oder zumindest bemüht, es zu bleiben oder werden, und der Zuschauer wird deutlich eingeladen, sich mit den Bemühungen, die David anstellt, Ann zurückzugewinnen, zu identifizieren.