Hoch und Tief wechseln bei Mr. Jones (Richard Gere) sehr schnell - zu schnell. Gerade hat er nach längerer Arbeitslosigkeit wieder einen Job auf einer Baustelle bekommen, da überkommt ihn auch schon ein derartiges Hochgefühl, daß er auf den höchsten Bauträger des Rohbaus klettert und über dem Abgrund balanciert, als könne er fliegen. Das kostet ihn nicht nur den Job, sondern verschafft ihm auch eine Zwangseinweisung in die geschlossene Psychiatrie wegen akuter Suizidgefahr.
Dort wird von der behandelnden Psychiaterin Dr. Elizabeth Bowen (Lena Olin) eine bipolare Störung im Sinne einer manischen Depression diagnostiziert. Die Gerichtsverhandlung um seine Aufenthaltsbestimmung gewinnt Jones. So verlässt er die Klinik wieder, ohne sich einer ausreichenden Behandlung unterzogen zu haben. Die Tabletten wirft er in den Gulli. Erfüllt vom manischen High räumt Jones seine Konten ab, verführt eine Bankangestellte, verprasst sein Geld und mimt auf einem feierlichen klassischen Konzert den Dirigenten. Das führt zur nächsten Krankenhaus-einweisung des psychisch Kranken. Unter medikamentöser sowie verhaltenstherapeutischer Therapie bessert sich sein klinischer Zustand allmählich wieder. Die gesprächstherapeutischen Sitzungen führt Dr. Bowen. Diese entdeckt bald, daß hinter dem psychisch kranken Menschen ein hochsensibler Mann mit einer außergewöhnlichen musikalischen und mathematische Begabung steckt. Sie verliebt sich in ihn. Gepeinigt vom Verantwortungsgefühl ihrem Patienten gegenüber, zeigt sie sich selbst bei ihrer Chefärztin Dr. Holland (Anna Bancroft) an und kündigt. Die Beziehung mit Jones läßt sie durch einen Kollegen beenden. Zutiefst verletzt flieht der unberechenbare Mr. Jones aus der Klinik ...
Richard Gere brilliert hier in einer für ihn außergewöhnlichen Rolle. Mit viel Einfühlungsvermögen und ohne ihn der Lächerlichkeit preis zu geben spielt er einen charismatischen Menschen mit einer bipolaren Störung. Gut dargestellt ist sowohl die Phase der Depression, in der sich alles um Mr. Jones herum dunkel färbt und die Traurigkeit nicht mehr weichen will, als auch die Phase der Manie, in der Jones mit Charme und Esprit nahezu alles erreichen kann, was er will (den Job auf dem Bau bekommen, die Bankangestellte verführen, ein Symphonieorchester dirigieren ...) und sich ruiniert, in dem er sein ganzes Geld verprasst. Die fehlende Einsicht des Kranken in seine Krankheit (sogenannte Non-Compliance) wird ebenso typisch dargestellt, wie die Unberechenbarkeit und die hemmungslose Risikobereitschaft, von seiner Umwelt falsch interpretiert als Suizidalität. Immer, wenn die Stimmung Richtung Manie ausschlägt kommt auch aggressives Verhalten hinzu, was Richard Gere ausgezeichnet dargestellt hat.
Die vielen Stimmen, die Langeweile bei diesem Film empfunden haben, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Will man menschliche Stimmungen nachvollziehen, so kann ich auf Aktion geladene Spannung gut verzichten. Die Liebesgeschichte zwischen behandelnder Ärztin und Patient scheint mir eher unwahrscheinlich, dient aber sicher der Attraktivität des Films und tut der Thematik keinen Abbruch. Für die Wahrscheinlichkeit der emotianalen Bindung der beiden spricht allerdings die Tatsache, daß Elizabeth Bowen aufgrund ihrer privaten Lebenssituation (schmerzhafte Trennung vom Mann, der bereits wieder eine Neue hat) in einer vulnerablen seelischen Verfassung ist, die sie empfänglich macht für die männlichen Annäherungsversuche eines Seelenverwandten.
Zusammenfassend möchte ich sagen, daß "Mr. Jones" leise Unterhaltung und eine außergewöhnliche Liebesgeschichte bietet und zugleich eine Krankengeschichte über eine bipolare Störung und einen Psychiatrieaufenthalt erzählt, ohne sich zu sehr in Details zu verlieren. Wer Näheres über eine monopolare Depressionserkrankung erfahren möchte, dem sei der Film
Helen mit einer grandios spielenden Ashley Judd sehr ans Herz gelegt. Im Gegensatz zu Mr. Jones kennt Helen nur die dunkle Seite der Stimmungsschwankungen, die Depression. Filme dieser Art tragen zudem zum Verständnis für psychisch kranke Menschen bei. Zeigen sie neben Krankheitssymptomen immer auch den hochsensiblen besonderen Menschen mit seinem außerordentlichen Charme, Charisma und Talent. Vielleicht ist dies wieder ein kleines Puzzle zur Entstigmatisierung der Betroffenen aus gesellschaftspolitischer Sicht.