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Mr. Cruso, Mrs. Barton und Mr. Foe
 
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Mr. Cruso, Mrs. Barton und Mr. Foe [Taschenbuch]

J. M. Coetzee , Wulf Teichmann
3.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 190 Seiten
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 2., Aufl. (Oktober 2003)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596132517
  • ISBN-13: 978-3596132515
  • Größe und/oder Gewicht: 19,2 x 12,1 x 1,5 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 129.357 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

John M. Coetzee
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Coetzee, 1940 in Kapstadt geboren, ist Booker-Preisträger und einer der besten Schriftsteller Südafrikas. Nach langen Studienjahren in England und den USA lehrt er als Linguistik- und Literaturprofessor in seiner Heimatstadt. Nach seinem Roman Warten auf die Barbaren (1985) veröffentlichte er im Hanser Verlag Leben und Zeit des Michael K. (1986) und Im Herzen des Landes (1987).

Die Handlung: Auf den ersten Blick scheint kein Zusammenhang zu bestehen zwischen der literarischen Figur des Robinson Crusoe und den (damaligen) Machthabern in Südafrika. Doch in seinem Roman "Foe" gelingt es Coetzee, der archetypischen Konfrontation zwischen Crusoe, dem Herrscher der Insel, und Freitag, seinem Sklaven, nicht nur eine Bedeutung im Hinblick auf die südafrikanische Gesellschaft zu verleihen, sondern sie, indem er Freitags Geschichte weiterspinnt, noch um Aspekte von allgemeinerem Interesse zu erweitern. "Foe" besteht aus vier Teilen. Um 1720 tritt eine junge Frau namens Susan Barton an den Schriftsteller Daniel Foe heran mit der Bitte, er möge ihre außergewöhnlichen Erlebnisse in eine dem literarischen Publikum interessante Form bringen. Im 1. Romanteil erzählt sie, sie wäre, auf der Rückfahrt von Brasilien nach England von Meuterern auf See ausgesetzt, auf einer Insel gestrandet. Auf dieser lebten ein Weißer namens Crusoe und ein ihm offenbar untergebener Schwarzer namens Friday, der durch Gewalt seine Zunge verloren hatte, unter ärmlichsten Bedingungen. Während sie dort lebte, habe sich Crusoes Zustand ständig verschlechtert, so dass er, nachdem ein vorbeikommendes Schiff sie alle drei an Bord genommen hatte, drei Tage vom Hafen entfernt gestorben sei. Den ehemaligen Sklaven Friday habe sie selbst bei sich aufgenommen, in der Hoffnung, mit ihm eines Tages eine Art der Verständigung herstellen zu können. Mrs. Bartons Hoffnung auf ein sie berühmt und reich machendes Buch scheitert an dem Umstand, dass Foe vor seinen Gläubigern fliehen und untertauchen muss, worauf sie beschließt, Friday eine Anstellung auf einem Schiff zu verschaffen. Der 2. Teil schildert ihre gefahrvolle Reise von London nach Bristol und, nach herben Enttäuschungen, wieder zurück. Der 3. Teil beschreibt ihr Widersehen mit Foe und einem Mädchen, das sich ihre verlorene Tochter nennt, ihr aber unbekannt ist und das sie nun doch als Tochter aufnimmt. Im letzten Teil wird mehrmals aus verschiedener Perspektive die Szene beschrieben, wie Susan und Foe tot in ihrem Bett liegen, mit dem schlafenden Friday auf dem Boden daneben.

Fazit: In Coetzees Wieder- und Weitererzählung des Themas Herr bzw. Herrin und Sklave, Unterdrücker und Unterdrückter, wird nicht nur die (metaphysische) Rechtfertigung der Herrschaft des Weißen dekonstruiert, sondern gegenüber der in einem Teufelskreis gefangenen Beziehung Herr - Sklave eine positive Alternative erkundet: darin, wie Susan versucht, mit Friday zu kommunizieren und ihn, als "das Andere" (S. Freud), zu akzeptieren und zu verstehen. Doch während ihr und Foe und allen Weißen das Schrift-Reich der Symbole zu Gebote steht, hat Friday nichts: Ihm wurde die Zunge, d.h. die Sprache entfernt. Sein einziges Zeichensystem ist sein Körper, und nur auf dieser Ebene ist er verstehbar. Damit steht er mit den Weißen auf einer gemeinsamen Ebene menschlicher Beziehungen und Verständigung. Im Gegensatz zur Schrift ist diese Art Zeugnis jedoch vergänglich, seine Geschichte müssten seine Kinder bewahren, hätte er nur welche. Doch statt mit Susan Kinder zu haben, gibt diese sich Foe hin und nimmt das unbekannte Mädchen an Kindes Statt an. Rächte sich der enttäuschte Friday?

In Südafrika haben Fridays geistige Kinder ihre Geschichte in ihrer eigenen Tradition und Sprache, die sie sich erkämpften, niedergeschrieben. Coetzees Roman könnte uns Europäern vor Augen führen, wie notwendig und schwierig dieser Prozess gewesen ist. --Michael Matzer

Kurzbeschreibung

Auf den ersten Blick scheint dieser Roman nichts mit Schwarzafrika zu tun zu haben. Susan Barton, von meuternden Matrosen auf einer Insel irgendwo im Atlantik ausgesetzt, trifft auf Robinson und Freitag. Doch anders als in dem berühmten Roman von Defoe gibt es auf der Insel keine Abenteuer zu bestehen, gibt es keine wilden Tiere und keine Kannibalen. Robinson, bei Coetzee ein alter Mann, ist nicht sonderlich erfolgreich bei der Feldbestellung. Er konnte Freitag auch nichts beibringen, denn Freitag war stumm. Schließlich wird das Trio gerettet (Robinson hat gar keine Lust mehr, in die Zivilisation zurückzukehren und stirbt auf der Rückreise nach London). Susan Barton, in Begleitung von Freitag, will jetzt vom Schriftsteller Foe ihre Geschichte aufschreiben lassen, die Geschichte der »ersten englischen Schiffbrüchigen«. Mr. Foe hat als professioneller Schreiber freilich ganz andere Vorstellungen von der (Aus-)Gestaltung der Geschichte als die Erzählerin. Eigentliche Hauptperson ist Freitag, der wichtigste Zeuge, der steht aber nicht zur Verfügung, er kann nicht sprechen. Ihm hatte man - wie den Schwarzen in Südafrika - die Sprache gestohlen.

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0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Minnhera
Format:Taschenbuch
Eigentlich eine geniale Idee: Die Geschichte um den schiffbrüchigen Robinson Crusoe noch einmal von einem außenstehenden Charakter erzählen zu lassen, von jemandem, der in der Geschichte selbst nicht vorkommt, der die Geschichte für lahm und dennoch erzählenswert hält und genauso sehr damit Geld verdienen will und muß, wie er (bzw. sie) ein Interesse daran hat, daß das Erlebte sich verbreitet.
Susan Barton, eine ruhige, keinesfalls im Ensemble störende Figur, bildet die Brücke zwischen Robinson und dem Autor Daniel Defoe: Sie strandet spät auf der Insel, als Robinson und Freitag sich dort schon eingerichtet haben, sie wird Zeugin ihres Lebens dort und wird mit ihnen gerettet. Da Robinson auf der Heimfahrt verstirbt, übernimmt sie es, sich um den stummen Freitag zu kümmern, für den sie auch nach der Rückkehr nach England sorgt. Für ihn und für sich setzt sie alles daran, die Geschichte ihres Schiffbruchs - Robinsons Geschichte - in ein Buch zu verwandeln. Während sie die Ereignisse zusammenfaßt und ohnmächtig darauf wartet, daß Mr. Defoe (bzw. Mr. Foe) sich endlich entschließt, mit der Arbeit zu beginnen, läßt sie ihren Gedanken freien Lauf.
Diese Rekapitulation und Interpretation der Geschichte führt den Leser tiefer in den Sumpf möglicher Ereignisse, von Fiktion und Realität und in eine Nebenhandlung, in der auch die Erzählerin Mrs. Barton ein eigenes Leben besitzt, das nur im Zusammenhang mit Robinson überhaupt nicht wichtig erscheint. Coetzees Philosophieren über den Text und mit dem Text, das aus Mrs. Bartons Überlegungen spricht, ist interessant und wichtig, ohne dabei aufgesetzt oder wichtigtuerisch zu werden. Dennoch muß ich das Ergebnis dieser Taktik kritisieren: Bei aller Liebe, aber die Geschichte versandet am Ende leider in Worten. Einen ordentlichen Schluß gibt es nicht. Ich weiß: Das Leben hat auch keinen Schluß und Mrs. Bartons Erzählung soll ja authentisch wirken. Dennoch: Wir sprechen hier von einem Buch und ich hätte mir ein klareres Ende gewünscht.
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Robinson Crusoe ganz neu 14. Juli 2007
Format:Taschenbuch
Eine Frau erzählt uns, wie es wirklich war: "'Die Insel ist keine eigenständige Geschichte'', sagte Foe sanft, 'eine Hand auf mein Knie legend. 'Wir können ihr nur dadurch Leben verleihen, dass wir sie in einer größeren Geschichte unterbringen. Für sich allein ist sie nichts besser als ein undichtes Boot, das Tag für Tag auf einem leeren Ozean triebt, bis es eines Tages sinkt, unauffällig und ohne Wirbel zu machen". Hier wird gleich von Anfang an in die bekannte Geschichte von Robinson Crusoe (Mr. Cruso) eine Frau (Mrs. Barton) als Hauptperson eingeführt; sie macht die Umstände erst zu einer Geschichte, indem sie ihre Aufzeichnungen an Daniel Defoe (Mr. Foe) verkauft, der seinerseits daraus das bekannte Stück Weltliteratur macht. Ja, gut. Man merkt als Leser, dass man sich da vertrauensvoll in die Hände eines großen Schriftsteller begeben hat ' dennoch: So eindrucksvoll wie 'Schande' ist das Buch nicht, auch wenn es durchaus nicht nur für Seebären geeignet ist. Es kommt außerdem ein bisschen zu oft das Wort "substantiell" vor.
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6 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Ich stieß auf dieses Buch durch Zufall. Ich fand es, wie so einige Gegenstände mehr, auf dem Fensterbrett meines Hausflures, denn es ist seit geraumer Zeit zu einer festen Institution einiger meiner Hausmitbewohner geworden, ausrangierte Gegenstände (Bücher, Cds etc.) zur weiteren Nutzung und Freude anderer Hausbewohner dort zu hinterlegen. So fiel mir auch dieses in die Hände. Zunächst konnte ich weder mit Autor noch mit Titel des Werkes etwas anfangen. Doch durch sorgfältige Klappentextlektüre fand ich heraus, dass es sich hierbei um den Nobelpreisträger für Literatur aus dem Jahr 2003 handelte, und langsam kehrten Bruchstücke aus letztjährigen Berichterstattungen in meine Erinnerung zurück.

So war ich denn gespannt und meine Erwartungen nicht allzu niedrig angesetzt. Die Geschichte begann auch recht interessant, mit den Aufzeichnungen einer Frau, die durch einen unglücklichen Zufall auf Crusos Insel landet. Dort begegnet sie dem ältlichen, einsiedlerischen Herren und seinem Diener, dem stummen Freitag. Von Abenteuer und Exotik ist allerdings nichts zu spüren. Der immer gleiche Alltag ist öde und unspektulär. Nicht einmal wilde Raubtiere leben auf der Insel. Bis zur Rettung vergeht etwa ein Jahr. Auf der Rückreise nach England stirbt Cruso, sein Schicksal ist zu tief mit "seinem" Inselreich verbunden. Damit endet die sehr spezielle, einerseits fast väterliche, andererseits eindeutig sexuelle Beziehung zwischen Susan Barton und Cruso. Sie bleibt allein mit dem ihr mehr als suspekten und unheimlichen Freitag.

In England versucht sie ihre Geschichte dem Schriftsteller Foe (eindeutige Anspielung auf Daniel Defoe) zu vermitteln. Durch widrige Umstände kann sie ihm aber nur Briefe schreiben, die am Schluss unbeantwortet bleiben. Hier wird die Geschichte wesentlich schleppender, teilweise langweilig. Thematisiert wird zum einen die Rolle der Frau, es ist also ein beinahe feministisches Buch, zum anderen steht der stumme Freitag im Mittelpunkt, Symbol für das seiner Stimme beraubte schwarze Afrika, unergründlich, mysteriös, unheimlich, und ständig schwebt die Frage im Raum: Wer schnitt ihm die Zunge ab? Waren es Sklavenhändler oder doch der alte Cruso?
Nebenbei taucht Bartons verschollene Tochter (ist sie es wirklich, oder nicht?) auf und es wird über das Schreiben von Romanen philosophiert.

Zum Schluss triff sie Foe und die Geschichte wird immer merkwürdiger. Das Ende lässt einen dann irgendwo im Raum hängen, voll mit metaphorischen Bildern. Wahrscheinlich habe ich es einfach nicht verstanden.

So hat mir das Buch letztendlich nicht viel gegeben. Der Anfang war gut, der Aufbau interessant, die Sprache stilsicher und die Themen vielschichtig. Aber es hat nicht für ein wirklich gutes Buch gereicht.

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