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Die Handlung: Auf den ersten Blick scheint kein Zusammenhang zu bestehen zwischen der literarischen Figur des Robinson Crusoe und den (damaligen) Machthabern in Südafrika. Doch in seinem Roman "Foe" gelingt es Coetzee, der archetypischen Konfrontation zwischen Crusoe, dem Herrscher der Insel, und Freitag, seinem Sklaven, nicht nur eine Bedeutung im Hinblick auf die südafrikanische Gesellschaft zu verleihen, sondern sie, indem er Freitags Geschichte weiterspinnt, noch um Aspekte von allgemeinerem Interesse zu erweitern. "Foe" besteht aus vier Teilen. Um 1720 tritt eine junge Frau namens Susan Barton an den Schriftsteller Daniel Foe heran mit der Bitte, er möge ihre außergewöhnlichen Erlebnisse in eine dem literarischen Publikum interessante Form bringen. Im 1. Romanteil erzählt sie, sie wäre, auf der Rückfahrt von Brasilien nach England von Meuterern auf See ausgesetzt, auf einer Insel gestrandet. Auf dieser lebten ein Weißer namens Crusoe und ein ihm offenbar untergebener Schwarzer namens Friday, der durch Gewalt seine Zunge verloren hatte, unter ärmlichsten Bedingungen. Während sie dort lebte, habe sich Crusoes Zustand ständig verschlechtert, so dass er, nachdem ein vorbeikommendes Schiff sie alle drei an Bord genommen hatte, drei Tage vom Hafen entfernt gestorben sei. Den ehemaligen Sklaven Friday habe sie selbst bei sich aufgenommen, in der Hoffnung, mit ihm eines Tages eine Art der Verständigung herstellen zu können. Mrs. Bartons Hoffnung auf ein sie berühmt und reich machendes Buch scheitert an dem Umstand, dass Foe vor seinen Gläubigern fliehen und untertauchen muss, worauf sie beschließt, Friday eine Anstellung auf einem Schiff zu verschaffen. Der 2. Teil schildert ihre gefahrvolle Reise von London nach Bristol und, nach herben Enttäuschungen, wieder zurück. Der 3. Teil beschreibt ihr Widersehen mit Foe und einem Mädchen, das sich ihre verlorene Tochter nennt, ihr aber unbekannt ist und das sie nun doch als Tochter aufnimmt. Im letzten Teil wird mehrmals aus verschiedener Perspektive die Szene beschrieben, wie Susan und Foe tot in ihrem Bett liegen, mit dem schlafenden Friday auf dem Boden daneben.
Fazit: In Coetzees Wieder- und Weitererzählung des Themas Herr bzw. Herrin und Sklave, Unterdrücker und Unterdrückter, wird nicht nur die (metaphysische) Rechtfertigung der Herrschaft des Weißen dekonstruiert, sondern gegenüber der in einem Teufelskreis gefangenen Beziehung Herr - Sklave eine positive Alternative erkundet: darin, wie Susan versucht, mit Friday zu kommunizieren und ihn, als "das Andere" (S. Freud), zu akzeptieren und zu verstehen. Doch während ihr und Foe und allen Weißen das Schrift-Reich der Symbole zu Gebote steht, hat Friday nichts: Ihm wurde die Zunge, d.h. die Sprache entfernt. Sein einziges Zeichensystem ist sein Körper, und nur auf dieser Ebene ist er verstehbar. Damit steht er mit den Weißen auf einer gemeinsamen Ebene menschlicher Beziehungen und Verständigung. Im Gegensatz zur Schrift ist diese Art Zeugnis jedoch vergänglich, seine Geschichte müssten seine Kinder bewahren, hätte er nur welche. Doch statt mit Susan Kinder zu haben, gibt diese sich Foe hin und nimmt das unbekannte Mädchen an Kindes Statt an. Rächte sich der enttäuschte Friday?
In Südafrika haben Fridays geistige Kinder ihre Geschichte in ihrer eigenen Tradition und Sprache, die sie sich erkämpften, niedergeschrieben. Coetzees Roman könnte uns Europäern vor Augen führen, wie notwendig und schwierig dieser Prozess gewesen ist. --Michael Matzer
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So war ich denn gespannt und meine Erwartungen nicht allzu niedrig angesetzt. Die Geschichte begann auch recht interessant, mit den Aufzeichnungen einer Frau, die durch einen unglücklichen Zufall auf Crusos Insel landet. Dort begegnet sie dem ältlichen, einsiedlerischen Herren und seinem Diener, dem stummen Freitag. Von Abenteuer und Exotik ist allerdings nichts zu spüren. Der immer gleiche Alltag ist öde und unspektulär. Nicht einmal wilde Raubtiere leben auf der Insel. Bis zur Rettung vergeht etwa ein Jahr. Auf der Rückreise nach England stirbt Cruso, sein Schicksal ist zu tief mit "seinem" Inselreich verbunden. Damit endet die sehr spezielle, einerseits fast väterliche, andererseits eindeutig sexuelle Beziehung zwischen Susan Barton und Cruso. Sie bleibt allein mit dem ihr mehr als suspekten und unheimlichen Freitag.
In England versucht sie ihre Geschichte dem Schriftsteller Foe (eindeutige Anspielung auf Daniel Defoe) zu vermitteln. Durch widrige Umstände kann sie ihm aber nur Briefe schreiben, die am Schluss unbeantwortet bleiben. Hier wird die Geschichte wesentlich schleppender, teilweise langweilig. Thematisiert wird zum einen die Rolle der Frau, es ist also ein beinahe feministisches Buch, zum anderen steht der stumme Freitag im Mittelpunkt, Symbol für das seiner Stimme beraubte schwarze Afrika, unergründlich, mysteriös, unheimlich, und ständig schwebt die Frage im Raum: Wer schnitt ihm die Zunge ab? Waren es Sklavenhändler oder doch der alte Cruso?
Nebenbei taucht Bartons verschollene Tochter (ist sie es wirklich, oder nicht?) auf und es wird über das Schreiben von Romanen philosophiert.
Zum Schluss triff sie Foe und die Geschichte wird immer merkwürdiger. Das Ende lässt einen dann irgendwo im Raum hängen, voll mit metaphorischen Bildern. Wahrscheinlich habe ich es einfach nicht verstanden.
So hat mir das Buch letztendlich nicht viel gegeben. Der Anfang war gut, der Aufbau interessant, die Sprache stilsicher und die Themen vielschichtig. Aber es hat nicht für ein wirklich gutes Buch gereicht.
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