Wolfgang Hildesheimer hat mit diesem Buch auf eine dem Gebiet der Biographik eigentümliche Tendenz reagiert: auf die Angewohnheit so vieler Autoren, Komponisten für eigene Ideen zu vereinnahmen und den geschilderten Lebensweg entsprechend zurechtzubiegen. Das Resultat eines jeden solchen Bemühens bestand darin, daß man in den Büchern mehr über den Autor als über den Komponisten lernte (wenn man nur genau genug hinliest...). Hildesheimer versucht, dieser Falle auszuweichen, und es gelingt ihm über weite Strecken. Sein Mozart-Buch zeigt vor allem eines: Jeder Versuch, einen Zugriff zu Mozarts Genie zu bekommen, muß scheitern; nicht umsonst sind schon so viele Biographien gerade daran gescheitert. Das heißt: Wir können die Person Mozart nicht verstehen. Das ist immer wieder das Ergebnis der eindrucksvollen psychologischen Studien Hildesheimers, und er hat damit - so paradox es klingen mag - das wohl vielsagendste Mozart-Buch geschrieben.