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Mozart auf der Reise nach Prag: Stuttgart und Augsburg 1856
 
 
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Mozart auf der Reise nach Prag: Stuttgart und Augsburg 1856 [Taschenbuch]

Eduard Mörike , Joseph Kiermeier-Debre
4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 112 Seiten
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. Juni 1997)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423026162
  • ISBN-13: 978-3423026161
  • Größe und/oder Gewicht: 17,3 x 11,4 x 0,9 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Mozart auf der Reise nach Prag
OA 1856 (Vorabdruck 1855 in Morgenblatt für gebildete Stände) Form Novelle Epoche Spätromantik/Realismus
Die Künstlernovelle ist die bekannteste und beliebteste Erzählung von Eduard Mörike, die einen Tag im Leben des Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart (1756–91) schildert. Das Werk ist eine zu jener Zeit durchaus übliche kulturhistorische Erzählung
Entstehung: Mozarts Oper Don Giovanni (1787) war das Schlüsselerlebnis, was Mörike zu dem Werk veranlasste. Da sein Lieblingsbruder August einige Tage nach dem Besuch der Oper 1824 gestorben war, verband er das Werk immer mit dem Gedanken an den Tod. Seit 1852 arbeitete Mörike an seiner schon lange geplanten Mozart-Novelle, die er Mitte des Jahres 1855 abschloss.
Inhalt: Mozart ist gemeinsam mit seiner Frau Konstanze im Herbst 1787 auf dem Weg nach Prag, weil dort seine Oper Don Giovanni uraufgeführt werden soll. Aus den Plaudereien der beiden erfährt der Leser von Mozarts extremer Arbeitsbelastung, von seiner mangelnden Zeit für Frau und Kinder, seiner großen Hoffnung auf die Prager Aufführung. Bei einer Zwischenstation gerät Mozart in den Garten eines gräflichen Schlosses. Dort pflückt er, ganz in Gedanken versunken, eine Frucht vom Pomeranzenbaum und zerteilt sie mit einem Taschenmesser. Damit hat er das vom Grafen sinnreich ersonnene Verlobungsgeschenk für seine Nichte zerstört. Als die Bewohner des Schlosses erfahren, wer der Frevler war, ist die Freude groß. Alle Mitglieder der Familie sind Musikliebhaber und besonders Eugenie, die Nichte, ist im Gesang geschult.
Das Ehepaar Mozart wird zur Verlobung der Nichte geladen. Der Komponist erklärt den Raub der Pomeranze mit einer Erinnerung an seinen Aufenthalt in Neapel. Dort hatte er als Junge gemeinsam mit seinem Vater eine inszenierte Bootsfahrt erlebt, bei der Mädchen und junge Männer sich Orangen zuwarfen und das erotische Spiel mit dem Raub der Mädchen endete. Diese Szenen inspirierten Mozart zur Komposition des Wechselgesangs Zerlina, Masetto und Bauernchor (Giovinette, che fatte all’amore). Zum Entzücken der Zuhörer spielt der Komponist diese Melodie den Gästen vor.
Den Höhepunkt des Geschehens bildet Mozarts konzertante Aufführung des dämonischen Schlusses seiner Oper. Alle Zuhörer sind ergriffen, doch einzig Eugenie ahnt in der Musik seinen frühen Tod.
Struktur: Das Geschehen ereignet sich an einem einzigen Tag, der allwissende Erzähler kann mithilfe der im Schloss versammelten Menschen verschiedene Perspektiven aufzeigen, die ein mal melancholisches, mal heiteres Bild des Genius Mozart entwerfen. Vor dem Hintergrund der bevorstehenden Vernichtung des Ancien Régime und der Warnung Mozarts vor den falschen Propheten nach seinem Tod entwirft Mörike auch ein historisches Szenario: ein höchst gefährdeter Mensch in einer äußerst fragilen Zeit.
Wirkung: Die Novelle stieß auf große Resonanz bei zeitgenössischen Autoren; Kritiker schrieben lobende Besprechungen. Vermittelt durch den Lyriker Emanuel Geibel (1815–84) erhielt der bayerische König Maximilian II. (1811–64) ein Exemplar des Werks und zeigte sich entzückt. 1939 wurde die Novelle unter dem Titel Eine kleine Nachtmusik verfilmt. D. Ma.

Kurzbeschreibung

»Im Herbst des Jahres 1787 unternahm Mozart in Begleitung seiner Frau eine Reise nach Prag, um Don Juan daselbst zur Aufführung zu bringen.« Was Mörike wie einen nüchternen Bericht über Mozarts zweite Reise nach Prag beginnt, entwickelt sich zu einem literarischen Spiel mit Mozarts Oper ›Don Giovanni‹, die Mörike ganz besonders schätzte. Dabei durchbricht er die konventionellen Gattungsgrenzen der Novelle und erschafft vielmehr eine Kontrafaktur, die Umdichtung eines Textes unter Beibehaltung der ursprünglichen Melodie. Leitmotivisch setzt der Autor die Ahnung des frühen Todes des großen Komponisten ein und schafft so eine atmosphärische Schwere, die sich über alle, mit Leichtigkeit erzählten Ereignisse legt. Es ist die formale Einzigartigkeit dieses 1855 gedruckten Werks, die Mörikes meisterhafte Prosa über die romantische Novellistik und die historisierende Künstlerbiographie des 19. Jahrhunderts hinaushebt.


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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Rolf Dobelli HALL OF FAME REZENSENT TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch
14. September 1787, elf Uhr morgens: Wolfgang Amadeus Mozart ist zusammen mit seiner Frau Konstanze von Wien nach Prag unterwegs, wo die Uraufführung seiner neuen Oper "Don Giovanni" stattfinden soll. Bei einer Rast in einem kleinen Dorf machen die beiden zufällig die Bekanntschaft eines Grafen und feiern mit der Familie die Verlobung der Nichte Eugenie, ehe sie am nächsten Tag wieder aufbrechen. Was ist hier historische Wahrheit, was ist Fiktion? Mozart und seine Frau reisten 1787 tatsächlich nach Prag, allerdings erst im Oktober. Schon dieses Detail zeigt, wie Eduard Mörike - ein Schriftsteller, der zeitlebens mit der Wahrheit spielte, der eigene Gedichte als fremde ausgab und der selbst im Nachahmen von Handschriften so geübt war, dass er irgendwann als Schriftexperte galt - bewusst die Grenzen zwischen verbürgter Wahrheit und schriftstellerischer Erfindung verwischt. Er schafft Begebenheiten, die mit den historischen Fakten nichts zu tun haben und doch Wahres über den Menschen Mozart aussagen sollen. Denn darum geht es Mörike in seinem erfolgreichsten Werk vor allem: den Charakter des Komponisten nachzuzeichnen und dessen Persönlichkeit den Lesern näher zu bringen. Das liest sich auch heute noch ganz locker und leicht, wenn auch stellenweise etwas harmlos und fast ein wenig langweilig.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Sondereinband
Das Mörikejahr liegt gerade hinter uns, das Mozartjahr steht vor der Tür, vielleicht eine gute Gelegenheit, sich (wieder) einmal auf diesen Klassiker der deutschen Novellendichtung einzulassen. Mörikes Novelle erzählt eine fiktive Episode aus Mozarts Leben, angesiedelt während dessen Reise nach Prag, wo er 1787 die Uraufführung seiner Oper "Don Giovanni" dirigierte. Obwohl Mörike im Detail auf historische Fakten großen Wert legte, sollte der Leser nicht erwarten, einen authentischen Bericht vorzufinden. Mörikes Intention war es, "ein kleines Charaktergemälde" Mozarts aufzustellen und dies gelingt ihm in Perfektion. Die Stimmigkeit der einzelnen Szenen fasziniert auch noch 150 Jahre nach der Entstehung des Textes, auch wenn die Mozartforschung inzwischen eine wesentlich genauere Vorstellung vom Wesen des Komponisten zu haben glaubt. Wer allerdings einen dramatischen Höhepunkt erwartet, wird enttäuscht sein, denn der Text besteht aus vielen kleinen, eher unspektakulären Episoden, die als Ganzes ein facettenreiches Bild der Persönlichkeit Mozarts aus der Sicht eines Dichter ergeben, der in mancher Hinsicht mit dem Komponisten seelenverwandt war. Wie bei den meisten Werken Mörikes ist es auch hier schwierig, den Text eindeutig einer literarischen Epoche bzw. Textgattung zuzuordnen. Mörikes grundsätzlich sehr komplexe Textstrukturen entziehen sich solchen Einordnungen. Man kann daher weder eindeutig von einem Werk des Biedermeier noch des bürgerlichen Realismus sprechen, ebenso wenig ist die Novellenform hier gänzlich gemäß ihrer gängigen Theorie ausgeführt. Zeitlos schön bleibt Mörikes meisterhaftes Gespür für die Poesie des Augenblicks und die Auslotung seelischer Untiefen vor einem vermeintlich heiteren Hintergrund. Hierin erweist er sich als kongenialer Gewährsmann Mozarts und als einer der bedeutendsten Vertreter deutschsprachiger Dichtung. Wer keine Berührungsängste mit dem Sprachduktus einer vergangenen Epoche hat und für ca. hundert Seiten auf atemlose Spannung verzichten kann, sollte sich diese Novelle nicht entgehen lassen!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Kankin Gawain TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Taschenbuch
Ich weiß nicht, ob es anderen Menschen in ihren Dreißigern auch so geht, aber mir, uns, haben unsere 68er-Lehrer, welche beim Marsch durch die Institutionen beim Oberstudienrat hängengeblieben waren, stets alles nur Mögliche getan, um uns die Freude an der Literatur des Biedermeier zu vergällen. Der Biedermeier galt als verschnarcht und langweilig, eine Epoche aus der kein weltverbessernder Impuls kam. Und schon der Name "Mörike", etwa, klingt doch nach schwäbischer Verschlafenheit, oder?
Wer also, wie ich, Angst hat vor dem Lethe-Trank der kleinstädtischen Schlafmützigkeit der restaurativen Epoche, mag zu dieser kurzen Novelle greifen - dann ist er der biedermeierlichen Gravitation für weniger als drei Stunden ausgesetzt. Und was ihn, bis in alle Glieder entspannend erwartet, ist - eine Idylle. Hier sind wahre Menschen, die sich menschlich benehmen, die bescheiden sind und zufrieden, mit dem, was der Tag bringt. Hier sitzt der Bürger bei dem Fürsten, und niemand trägt revolutionäre Pamphlete vor. Ein wenig nur schielt das schwere Schicksal - wir wissen ja auch von Mozarts frühem Tod - in das traute (hier passt das bereits ausgestorbene Wort) Beisammensein.
Eine Idylle - so etwas darf es geben, so etwas darf sein, weil es, zwar fiktional, auch dem echten Leben entnommen ist. Und, so mag man beim Lesen denken, das Idyllische, ohne abgeschmackt oder süßlich zu wirken, wirklich als solches schildern zu können, ist vielleicht eine größere Kunst, als im Menschen einen brausenden "Sturm und Drang" zu erwecken.
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