Vorneweg die Top-Momente dieser "Le Nozze di Figaro": Wenn man bis jetzt an den Figaro des 21. Jahrhunderts gedacht hat schoss einem sofort der Name Bryn Terfel in den Kopf. Doch aufgepasst, hier ist die Konkurrenz: Rene Pape hat genau das, was einen perfekten Sänger ausmacht. Er schlüpft in die Rolle des Figaro wie fast kein anderer. Er versprüht Charme und Witz und klingt dabei auch noch so grandios, wie man es nur von einem Weltstar erwarten kann. Ein Volltreffer ist auch mit der Besetzung der Susanna gelungen. Dorothea Röschmann gilt nicht umsonst inzwischen zu den ganz grossen deutschen Sängerinnen ihrer Generation. Stimmlich einwandfrei harmoniert sie mit Pape hervorragend. Ein Augen- und Ohrenschmauss.
Diesen Sommer (2003) erst als "Rettung von Bayreuth" (Wolfram in Tannhöuser) betitelt, konnte mich Rainer Trekel überhaupt nicht überzeugen. Viel zu brav, stimmlich nicht eines Contes würdig. Der Kontrast mit Pape fällt leider zu gross auf. Hier wünscht man sich eine Stimme wie einst Jorma Hyninnen, aber man bekommt einen schlanken Bariton vorgesetzt, der sich stimmlich nicht wirklich durchsetzen kann. Emily Magee als Gräfin gibt sich ordentlich geschlagen und Patricia Risley als Cherubino sieht nicht nur aus wie ein junger Mann, sie klingt auch fantastisch in ihrer Rolle - Ein Geheimtip.
Souverän ist Daniel Barenboim am Pult, der mit viel Gefühl und Gespür die Staatskapelle Berlin leitet und lenkt.
Ein Tip für jeden der ein perfekt aufeinander abgestimmtes Paar Susanna-Figaro sehen möchte.