Freimaurer-Symbolik und ein von erstarrten Prinzipien geprägtes Frauenbild sind heute die elementaren Herausforderungen an eine scharfsinnige Zauberflöten-Inszenierung. David McVicars Londoner Regie folgt - Einschränkung und Lob zugleich - dem traditionellen Erzählfaden, verstellt so nicht den Blick auf die Botschaft, eröffnet aber auch keine neuen Perspektiven. Dramaturgische Pluspunkte gewinnt die Inszenierung durch selten erlebte Spannkraft in den Dialogen, insbesondere durch die beiden Hauptrollen-Trägerinnen.
Sir Colin Davis' gut ausgeleuchtetes Dirigat bevorzugt durchweg breite, fast behäbige Tempi. Vorteilhaft kontrastieren gelegentliche dramatische Exzessivität (z.B. 2. Königin-Arie) und durchgängiger rhythmischer Feinschliff. Das ROH-Orchester spielt homogen auf hohem Niveau, brilliert auch mit solistischer (Bläser)Virtuosität.
Zu den Solisten: Als "Königin der Nächte" ist Diana Damrau bei ihrem Covent Garden-Debüt ein Ereignis. 1999 vom Fachmagazin Opernwelt zur "Nachwuchssängerin des Jahres" erkoren, löst die intelligente Künstlerin das Versprechen von damals konsequent ein. Die auch über ein facettenreiches Konzert- und Liedrepertoire verfügende Sängerdarstellerin avanciert zum internationalen Star. Hier ist zu erleben, warum. In ihrer Königin der Nach verschmelzen Gestik, Mimik und Gesang zu einem hoch expressiven Rollenprofil. Ihr koloraturgewandter, in allen Lagen substanzvoller Sopran wird eindrucksvoll flankiert von einer Dialog-Intensität auf ambitioniertem Sprechtheater-Niveau.
Dorothea Röschmanns farbenreich gesungene Pamina überzeugt durch hohe Legatokultur, beseeltes Spiel und ausgezeichnete Textverständlichkeit - ebenfalls ein Rollenporträt mit Modellcharakter. Auf gutem Niveau fallen die übrigen Protagonisten etwas ab. Der Sarastro von Franz-Josef Selig lässt bei aller Bass-Autorität und guten Deklamatorik optimale Balance zwischen dramatischer Wucht und Kantabilität vermissen. Die edlen vokalen Linien eines Kurt Moll sind hier immer noch das Maß der Dinge. Der etwas gleichförmige Tamino von Will Hartmann hat schöne lyrische Momente, stößt aber in den emphatischen Passagen seines Parts bisweilen an Grenzen. Intonationstrübungen und leicht kehliges Timbre schmälern den Gesamteindruck. An Fritz Wunderlich darf man nicht denken. Zwiespältig auch der Papageno von Simon Keenlyside. Vokal von exzellenter Qualität und großer Präsenz, gelingt es dem international gefragten Bariton nur selten, dem authentischen Charme der Partie auf die Spur zu kommen.
Tadellos ist auf der von ROH Covent Garden und BBC produzierten, von Opus Arte edierten DVD die akustische und optische Umsetzung gelungen. Das Klangbild ist präsent, weitgehend transparent und entfaltet ein breites Frequenzspektrum. Das Surround-Tonformat wird seinem Namen gerecht. Dem entspricht die visuelle Seite dieser DVD hinsichtlich Bildqualität und -dramaturgie. Die Modifizierungen zwischen Totaler, Halb-Totaler und Großaufnahmen sind durchweg schlüssig.
Die vier Sterne in differenzierender Punktbewertung: Musik 86 (von 100), Bühne 79,5, Audio 85, Video 85 = 335,5 (400)