Anmerkung am Anfang: Zwei der Rezensionen hier beziehen sich auf eine andere DVD und wurden irrtümlich hier "fehlgeleitet" (siehe die Kommentare am Ende der beiden Rezensionen.)
Noch nicht 15 Jahre alt, komponierte Mozart für Mailand die Opera seria "Mitridate".
Seltsamerweise fand Alfred Einstein in seinem Standard-Mozartbuch kaum lobende Worte zu dieser Komposition.
Das Libretto jedoch lobte er zu Recht: dieses ist recht spannend und entwicklungsreich, ohne jedoch verworren zu sein.
Zur Musik muss gesagt werden, dass Mozart Kantabilität, Expressivität und virtuose Koloratur ausgewogen zu vereinen weiß und das junge Alter des Komponisten nicht verrät.
Außer dem ultravirtuose Sangeskünste fordernden "Lucio Silla" ist "Mitridate" die großartigste Oper des "frühen Mozart" (bis zum Zeitpunkt der Komposition des "Idomeneo").
Die Inszenierung Günter Krämers ist sehenswert, scharfsinnig, originell und nicht so betont modern und verquer wie manch andere innerhalb der "Mozart 22"-Reihe.
Auf jeden Fall eine der besten im Rahmen dieser Reihe.
Obgleich 7 Arien gestrichen wurden, hat die Handlung vollkommene Stringenz.
Sängerisch hervorhebenswert ist Miah Persson als Sifare: sehr lyrisch und berührend und ebenso koloraturgewandt und intonatorisch überragend.
Netta Or singt eine äußerst dramatische Aspasia mit einer sehr schönen "pastosen" Stimme.
Richard Croft in der namensgebenden Titelrolle mimt einen widerlichen und intriganten Tyrannen und singt den Part, der einen extremem Stimmumfang besitzt, klangschön und packend-involvierend zugleich.
Bejun Mehta ( neben dem hier ebenfalls singenden Pascal Bertin der einzige Countertenor im Rahmen der "Mozart 22"-Reihe) singt den bösen Buben Farnace und brilliert mit virtuosen (und in seiner letzten Arie sehr fein und leise gesungenen) Arien.
Ismene wird von Ingela Bohlin verkörpert, die gekonnt agiert, über ein schönes Timbre verfügt, in ihrer dritten Arie jedoch auch Koloraturfertigkeit unter Beweis stellt.
Bis in die kleinste Nebenrolle sängerisch hervorragend: Colin als Marzio.
Eine erstaunlich gut besetzte und sehenswerte Inszenierung eines frühen Mozart-Meisterwerks!