Diese DVD gibt eine live-Version aus Zürich wieder:Zitat:"Zürich war in Sachen Mozart über viele Jahre hin eine Pilgerstätte für Musikfreunde, die an neuen Interpretations-Perspektiven interessiert waren. .. nun studierte Franz Welser-Möst eine der Da-Ponte-Opern ein. Und neuerlich darf man von einer Umwertung aller Mozart-Werte sprechen. Das klingt gleich wieder anders, frischer, lebendiger, doch auch gewichtiger als gewohnt...In seinem 450. Dirigat an der Zürcher Oper leistet der Generalmusikdirektor Bedeutendes, hinterfragt die Partitur unmodisch und beschert dem Publikum mit seinen Musikern einen grossen Abend. Fantastisch ist, welche musikalische Spannung und Dramatik er in die handlungstragenden Szenen hineinlegt, berückend empfindsam sind seine piano-Stellen, und überraschend moderat seine Tempi... Stürmischer Beifall deshalb auch am Ende für die Musik, Bravos für die Regie, aber auch ein paar Buhs......
Es ist eine Inscenierung eines Schauspielers und Regisseurs Sven-Eric Bechtolf . Don Giovanni steht nicht für ein Individuum, sondern als Chiffre für die unermüdliche Jagd nach erotischer Lust. Ein Männertraum, dem Mann selbst um den Preis dieses Endes wohl nur allzu gerne nachleben würde. Wie im Kaleidoskop splittert Bechtolf die Figuren auf in ein gutes Dutzend Tänzerinnen und Tänzer, lässt den Reigen erotischen Begehrens in vielen Variationen tanzen. Und dennoch: Selten stand ein Don Giovanni so sehr im Zentrum, selten hatte er so viel reale Verführungskraft wie bei Keenlyside/Bechtolf. Anton Scharinger als Leporello war diesem dominanten Don Giovanni darstellerisch wie sängerisch ein Widerpart von beeindruckender Präsenz und rollendeckender Prägnanz. "
So weit Auszüge aus der Kritik. Wenn ich diese Aufnahme mit derjenigen von Karajan aus dem Jahre 1987 vergleiche, fällt neben dem Unterschied zwischen konventionellen und Regietheater vor allem der Qualitätsabstand zwischen den Sängern auf. Um mit einer Nebenrolle zu beginnen. Kathleen Battle als Zerlina ist überhaupt nicht zu toppen. Aber auch Tomova-Sintov und Varady sind einfach besser als Mei und Hartelius. Keenlyside ist heute ein anerkannter Giovanni und gibt seine Partie sehr körperbetont. Aber gegenüber den mächtigen Baßbaritonen wie Siepi oder Ghiaurov oder Ramey bei Karajan fällt er doch ab.
Die Kritik machte bereits deutlich, dass vor allem der Orchesterpart das Anhören dieses Giovanni lohnt. Wenn man dann wieder Rene Jacobs hört mit dem Giovanni hört, relativiert sich auch dieser Eindruck.
Eine sicher gute Aufführung dieser Oper- aber mehr nicht.