Es wundert, daß ein Konzern wie Sony für ein solches Produkt seinen eigenen Namen zu verschleißen bereit ist. Keinesfalls reicht es zu behaupten, es fehle an Bildschärfe. Das wäre purer Euphemismus. Ich habe selten eine technisch so schlecht umgesetzte DVD gesehen. Das Bild ist so unscharf, als sei die Brille beschlagen, der Ton ist besser, aber nicht state of the art - selbst wenn man das Produktionsjahr 1987 berücksichtigt. Was haben die Techniker der Deutschen Grammophon nicht noch aus der wesentlich älteren Barbier-Einspielung aus der Scala von 1974 herausgeholt?!
Künstlerisch allerdings ist es eine der besten Inszenierungen des Don Giovanni überhaupt, unter der musikalischen Leitung eines überragenden Karajan; die Besetzung ist absolute Spitzenklasse, besonders seien Samuel Ramey in der Titelrolle, Feruccio Furlanetto als Leporello und eine bezaubernde Kathleen Battle als Zerlina hervorgehoben, aber auch Anna Tomowa-Sintow als Donna Anna, Julia Varady als Donna Elvira und - meiner Meinung nach mit geschmacksbedingter Einschränkung - Gösta Winbergh als Don Ottavio liefern erstklassige Leistungen. Das Duo Michael Hampe (Regie) und Mauro Pagano (Bühnenbild und Kostüme) hat mit seinem Salzburger "Giovanni" der Nachwelt eines seiner schönsten Werke hinterlassen. Insofern muß man die DVD als historisches Dokument begreifen, die unfaßbaren technischen Verfehlungen schlucken und kann sich dann bemühen, möglichst unbeschwert einen großen Mozart-Abend zu genießen. Die Aufführung selbst verdient fünf Sterne, unter Einbeziehung der technischen Umsetzung bleiben davon aber leider nur noch drei übrig, wovon der dritte auch nur eine Verneigung vor dem Spätwerk Herbert von Karajans ist.