Leider gibt es nicht gerade zahlreiche DVD-Veröffentlichungen dieser nicht vollständig komplettierten Mozart-Oper.
Eine Besonderheit sind die Parts der "Zaide" in Form sogenannter Melologe: keine Arie und auch kein Rezitativ, sondern unbegleiteter gesprochener Text wie eben beim Singspiel, aber in wechselnder Alternierung mit "illustrierendem" Orchester.
In der vorliegenden Fassung alterniert allerdings vor allem eins: die unterschätzte Mozartoper mit vielen wahren Juwelen und ein Stück "neuer Musik" mit dem Titel "Adama" mit all den üblichen Versatzstücken, die seit Jahrzehnten doch schon veraltet sind und dennoch so wahnsinnig avantgardistisch sein sollen.
Allerdings muss man zugute halten, dass das ganze auch als Transformator und Übersetzer in die Klang- und Bildersprache der heutigen Zeit wirkt.
Denn dem unterdrückten Paar Zaide/Gomatz enspricht ein Paar Mann/Frau (Liebespaar israelitischer und palästinensischer Herkunft; was für ein Klischee!) in dem im Grunde gleichzeitig (!) ablaufenden zweiten Stück, was - wie gesagt - große Parallelen aufweist.
Mozarts Arien wirken durch die "neutönerischen Unterbrechungen" noch reiner und schöner und gewinnen dadurch kurioserweise an Spannung - mehr als wenn die Arien nach oft enervierend langen und formelhaften Secco-Rezitativen einsetzen.
(Die gibt es hier aber eh nicht, weil es sich bei der Zaide um ein Singspiel handelt.)
Vielleicht ist dieser Effekt ungewollt, aber er stellt sich unfreiwillig ein.
An Überzuckerung weit und breit jedenfalls keine Spur, vorsichtig formuliert.
Leider wird hin und wieder auch in die Mozartarien direkt hineinkomponiert" und -gesungen.
Mir ist schnuppe, ob das verfremdend oder erweiternd sein soll, aber für meinen Geschmack wird der Bogen da überspannt.
Das wagt man sich immer noch am ehesten an einer unbekannteren Oper als an der Zauberflöte", bei der man ausgebuht werden würde.
Teilweise nerven die skurrilen Regieanweisungen auch.
Gewisse Ideen sind allerdings gut nachvollziehbar: etwa die gigantische Wohnungseinrichtung (u.a. überdimensionierter Tisch, Zimmertür) gegenüber der alle Darsteller winzig sind (Parallele zu Staatsvernunft und dem Menschen als lediglich funktionierendes Rädchen im Getriebe?).
Jedoch, was nützt Sensibilität und feinste Vorbereitung, wenn der Durchschnittsmensch null Chance hat, mitgenommen zu werden?
Ist das dann die Hybris vermeintlicher Überlegenheit der großen, "an der Welt leidenden" "Künstler" oder Betriebsblindheit?
Ich frage mich, ob die Komponistin des Stücks "neuer Musik" Mozart mag oder ob er nur dienstbares Vehikel ist, während der Salzburger Festspiele (noch dazu im Jubiläumsjahr 2006) die eigene Arbeit in den Vordergrund treten zu lassen.
ANDERERSEITS, wozu eine ewig gleiche Beweihräucherung (die allerdings bei Inszenierungen im Zeichen des modernen Regietheaters ohnehin kaum noch stattfindet)?
Muss es Demut vor einem Denkmal sein und wie weit darf interpretiert und eingegriffen werden?
Grundsatzdiskussionen, die altbekannt sind.
Besser so, als Eiapopeia ohne Ideen.
Wie auch immer, war ich insgesamt recht gut unterhalten.
Der Beginn des zweiten Akts ist grandios in der szenischen Umsetzung.
An anderen Stellen gibt es wieder gewisse Längen.
Dass die geschaffene Parallelität von 2 Werken zumindest ein interessanter Ansatz ist, will ich nicht bestreiten.
Die Mozartoper allein" wäre mir jedoch lieber gewesen.
Hervorzuheben ist eine tolle Mojca Erdmann in der Titelrolle der Zaide hier sängerisch zu bezaubern weiß.
Dass sie ein Mozartrecitalalbum veröffentlicht hat, ist bezeichnend.
Hut ab auch vor Noa Frenkel und Yaron Winkmüllers Bewältigung der beiden darstellerisch und vor allem auch sängerisch sehr schwer zu bewältigenden Parts (Notenwerte; in einem Duett" gegen Ende der ersten DVD komplementär schwierige Teile; Intonation!) im modernen Teil".
In der Summe ein sehr zwiespältiger Gesamteindruck mit bösem Nachgeschmack, der mir jedoch lieber ist als Operettentrallala.