Mozart, der Spieler von Clemens Prokop
Kann man im Jahr 2005 etwas neues über Mozart schreiben? Offensichtlich ja, man kann. Die Forschungsergebnisse sind so zahlreich und unterschiedlich, dass ein schlankes Büchlein fehlte, dass einem das Genie nahe bringt, dabei die heutige, aktuelle Sprache verwendet. Den Titel kann man getrost als reine Marketing-Psychologie sehen.
Prokop gelingt, das Wunderkind, Teenager, jungen Mann, Familienvater zu dem zu machen, was er offensichtlich war, ein Genie in seinem Fache, aber ein normaler, durchschnittlicher Nachbar von nebenan, was alle anderen Bereiche des Lebens angeht. Ein Mensch, der die Freuden und Leiden eines Freelancers durchsteht, der primär und meistens das produziert, was gemocht, was gebraucht wird - der ewig lernt.
Als Familienmensch kann man erkennen, wie heftig der Einfluss und die Führung durch die Eltern ist. Es kann bezweifelt werden, ob Mozart musikalisch irgendwo gelandet wäre, wenn er in einem Waisenhaus aufgewachsen wäre.
Prokop macht die Biographie leicht lesbar durch seine Sprache, die im hier und heute liegt. Er gibt dann aber immer wieder dem Leser den Originalgeschmack in Form von Briefausschnitten in der damaligen Sprache und Schreibweise. Wer daran Geschmack findet wird womöglich auf das umfangreiche Quellenmaterial, dass im Anhang aufgelistet ist, hingeführt. Folgende Elemente sind bei der Gestaltung des Buchs auffällig. Prokop gibt sich nicht damit zufrieden seinen Content runter zu schreiben, sondern er möchte, dass man die Essenz mitnimmt. Darum hat er auf jeder Seite die Schlüsselwörter dick hervor gehoben. Wie in einem Magazin oder Schulbuch hat er immer wieder kleine Einzeltexte als Unterbrecher des Gesamt-Textflußes dazwischen geschoben, die einen davor schützen, dass man womöglich zwei Seiten als langweilig empfindet.
Mozart wurde mir menschlich sehr zugänglich, als ich las, dass auch er einen äußeren Druck brauchte um in die Gänge zu kommen.
Prokop gelingt es die Verknüpfung Mozarts mit Haydn und Beethoven darzustellen und damit Fundament und Gerüst für das klassische Orchesterleben zu skizzieren.
Leicht und schnell gelesen, viel gelernt.