An neuen Biographien über Wolfgang Amadeus Mozart, das Jubelkind des Jahres 2006, herrscht kein Mangel. Wirklich Neues war von ihnen nicht zu erwarten. Wirklich Neues haben sie bisher auch nicht geliefert. Und dem Wunder der Musik Mozarts sind wir keinen Zentimeter näher gekommen.
Das sind wir auch nicht nach Brigitte Hamanns Biographie.
Aber Frau Hamann hat mich in Mozarts Leben und in seine Zeit entführt und dabei verführt. Scheinbar nebensächlich fügt sie Begegnungen Mozarts mit einigen sehr berühmten Zeitgenossen ein: Kaiserin Maria Theresia, Franz Joseph Haydn, Marie Antoinette, Beethovens Mutter, Goethe (zumindest was er über Mozart einst dachte) u.v.m.. Das verleiht der Biografie Lebendigkeit. Vor dem geistigen Auge erwacht die Zeit Mozarts zu Leben, ebenso sein Werdegang, seine Sorgen. Davon hatte er genug, denn - wie Frau Hamann mit spielerischer Leichtigkeit erzählt - war es finanziell nicht sehr gut um Mozart bestellt. Auch war er nicht immer erfolgreich. Er musste hart kämpfen. Ebenso nahe bringt Frau Hamann dem Hörer sein Werk. Zu welcher Zeit er welche Kompositionen schrieb, wie er sich entwickelte, wo äußere Einflüsse seine Arbeit beeinflusst haben - all das ergibt ein stimmiges und imposantes Bild. Mir hat es sehr großen Spaß gemacht, den großen Musiker durch sein Leben zu begleiten und somit auch einen Ausflug in seine Zeit zu unternehmen, in der Krankheiten wie die Pest noch Thema waren, als Perücken gepudert wurden, das Reisen beschwerlich war und noch kein Urheberrecht dafür sorgte, dass der Komponist ein gerechtfertigtes Auskommen hatte - nicht zuletzt, um Zeit zu haben für seine Berufung. Wie gut, dass Mozart sich von so mancher Widrigkeit nicht abhalten ließ, sein großes Lebenswerk zu erfüllen. Meine Hochachtung für sein Genie. Und mein Kompliment an Frau Hamann, die es versteht, den Menschen und den Künstler Mozart nahe zu bringen!
Mit einem wahren und besinnlichen Schlusssatz lässt sie den völlig in Mozarts Welt versunkenen Hörer zurück - traurig, da Mozart einen so frühen Tod fand, aber auch glücklich, so viel über ihn erfahren zu haben. Und beinahe zwangsläufig stellt sich das Bedürfnis ein, sich näher mit seiner Musik zu befassen. Was will man mehr?
Man muss kein Wissenschaftler für dieses Buch, kein Historiker, nicht einmal Musiker sein. Man muss nur lesen können. Mehr Einführung, mehr Überblick gibt es kaum auf dem übervollen Markt der Mozartbücher. Diese Biographie ist für alle.
Fazit: Mozart ist für mich nicht mehr nur der Name eines der größten Musikgenies, sondern er ist prall mit Leben gefüllt - Dank Brigitte Hamann!