Nach dem Schweden Arnold Östman (nur die da Ponte-Opern und die Zauberflöte) war John Eliot Gardiner der zweite Dirigent, der sich auf einen Zyklus der "großen" Mozart-Opern auf historischen Instrumente einließ. Dabei setzte er von Anfang an auf Live-Mitschnitte, die teilweise auch als DVD erschienen sind. Im Vergleich zu Östman war Gardiners Ansatz weniger radikal, er wählte nicht ganz so schnelle Tempi, größere Chor- und Orchesterbesetzungen. Damit erregter er weniger Aufsehen, seine Ergebnisse sind aber nicht weniger schlüssig und spannend.
Basis des Unternehmens waren der Monteverdi Choir und die English Baroque Soloists. Die beiden von Gardiner gegründeten Ensembles zeichneten sich schon damals durch eine nicht nur unter Originalklangensembles einzigartige Homogenität und Präzision aus.
In den ersten Aufnahmen setzte Gardiner auf etablierte Stars, später mehr auf eingespielte Ensembles und teilweise sehr junge, durchgehend gute Sänger, ohne ganz wieder das überragende Niveau der Ensembles des Titus und Idomeneo zu erreichen - Anthony Rolfe Johnson, Anne-Sofie von Otter und Julia Varady sind bis heute unerreicht. Aber auch spätere Aufnahmen bieten großartige Einzelleistungen - z. B. Bryn Terfels Figaro, Michael Schades Tamino, Rodney Gilfrys Guglielmo und Graf Almaviva (für den Don Giovanni ist er mir etwas zu brav) und Eiran James Despina. Überhaupt ist Così fan tutte die gelungenste der neueren Aufnahmen.
Die Box enthält folgende Aufnahmen:
- Idomeneo (1990): Rolfe Johnson, von Otter, McNair, Martinpelto, Robson, Hauptmann
- Die Entführung aus dem Serail (1991): Orgonasova, Sieden, Olsen, Peper, Hauptmann, Minetti
- Le Nozze di Figaro (1993): Gilfry, Martinpelto, Hagley, Terfel, Stephen
- Don Giovanni (1993): Gilfry, Orgonasova, Margiono, Prégardien, d'Arcangelo, Clarkson, James
- Così fan tutte (1992): Roocroft, Mannion, James, Trost, Gilfry, Feller
- Die Zauberflöte (1995): Peeters, Sieden, Oelze, Schade, Finley, Peper
- La clemenza di Tito (1990): Rolfe Johnson, Varady, von Otter, Robbin, McNair, Hauptmann
Bis zu René Jacobs' neuem Zyklus - der inzwischen noch freier mit den musikhistorischen Erkenntnissen der letzten Jahrzehnte umgehen kann als Vorreiter Gardiner - waren die hier versammelten Aufnahmen das Nonplusultra, heute gilt das noch für Titus und Idomeneo, v. a. wegen der Sänger. Auch der Rest der Aufnahmen bleibt frisch und hörenswert.