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Mozart: Genius und Eros
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 15. Juli 2015
Den durchweg unsachlichen Tonfall der Rezension mag jeder Leser für sich beurteilen. Dr. Lorenz schreibt immer so (wenn man bei seiner Rezension auf seinen Namen klickt, kommen seine anderen Rezensionen. Es sind, bis auf eine, lauter Verrisse). Die Injurien und die Halb- und Unwahrheiten in seinen umfangreichen Tiraden sind wohl durch die Meinungsfreiheit gedeckt.

Nach dem ersten Drittel seiner Ausführungen kommt Dr. Lorenz auf etwas zu sprechen, was er „Plagiat“ nennt. Nur hierzu einige Klarstellungen.

Der Begriff des „Plagiats“ hat im Gefolge der Guttenberg-Affäre einige Popularität erreicht. Dabei wird gern übersehen, dass „Plagiat“ kein Rechtsbegriff ist, sondern ein Begriff aus der Wissenschaft, der insbesondere bei der Beurteilung von wissenschaftlichen Qualifikationsschriften (Dissertationen, Habilitationsschriften) von Bedeutung ist und auch in Promotionsordnungen von Universitäten vorkommt.

Eva Gesine Baurs Mozart-Biographie ist keine akademische Qualifikationsschrift, sondern eine Veröffentlichung aus einem Publikumsverlag für ein allgemeines Lesepublikum. Hier gilt keine Promotionsordnung, sondern das Gesetz über das Urheberrecht, in dem geregelt ist, was urheberrechtlich geschützt ist und was nicht.

Geschützt sind „persönliche geistige Schöpfungen“ eines Urhebers. Nicht schutzfähig sind Fakten, Ereignisse und Daten. Geschützt sind Formulierungen aus Werken von Dr. Lorenz. Die Autorin verwendet keine Formulierung von Dr. Lorenz, und Dr. Lorenz behauptet das auch nicht.

Wenn man die Liste der von Dr. Lorenz so bezeichneten „Plagiate“ durchgeht, stellt man fest, dass es sich durchweg um nicht schutzfähige Sachverhalte handelt.

Für die Größe des Konzertsaals im Trattnerhof, die Signatur des Steuerbuchs und den Umbau der Kapelle im Trattnerhof kann Dr. Lorenz keinen urheberrechtlichen Schutz für sich beanspruchen. Der unterschiedliche Wert des Guldens in Salzburg und Wien ist nicht schützbar. Die fünf Vornamen Ignaz von Seyfrieds stehen in ADB und NDB und sind nicht schützbar, Aloys Fuchs‘ Angaben über die 100 Dukaten stammen nach den Arbeitsnotizen der Autorin aus der Allgemeinen Wiener Musik-Zeitung vom 3. Februar 1842, nicht aber von Dr. Lorenz, Giuseppe Bonno heißt in allen relevanten Nachschlagewerken „Giuseppe“, dass 99 Prozent der Wiener Bevölkerung ein Begräbnis dritter Klasse erhielten, weiß jeder, der sich mit den Reformen Josephs II. befasst hat.

In der Literaturauswahl am Ende des Buches hat Eva Gesine Baur die verwendete Forschungsliteratur aufgeführt. Es finden sich dort nicht, wie behauptet, 5, sondern 14 Arbeiten von Michael Lorenz.

Viele Biographien, die aus dem angloamerikanischen Sprachraum übersetzt sind, verzichten ganz auf einen Anmerkungsapparat. Bei akademischen Studien sind hingegen genaue Nachweise Pflicht. Die Autorin folgt mit ihrer leicht und flüssig zu lesenden Biographie der angloamerikanischen Tradition, diskutiert aber, wo es ihr interessant erscheint, im Anmerkungsteil die Forschung.

Dr. Raimund Bezold
Verlag C.H.Beck
Lektorat
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18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 23. Juni 2014
Könnte man sich vorstellen, dass ein „ganz normaler“ Mensch, vielleicht einer geregelten Arbeit nachgehend, in sich ruhend und ausgeglichen auf der anderen Seite in seiner „Freizeit“ Werke von jahrhundertelanger Bedeutung schafft?

Eigentlich ist offenkundig ist, dass ein gewisses Getrieben-Sein, eine gewisse Selbstdarstellung , Egomanie, oder, wie Baur es ausdrücken würde, eine „Dissonanz“ in der Person fast schon vorhanden sein muss, um einen Wunsch nach künstlerischem Ausdruck in sich Raum zu verschaffen. Ein innerer Druck, eine beständige innere Reibung, ein grundlegendes inneres „Ungleichgewicht“, dass danach drängt, sich nach außen Ausdruck zu verschaffen.
Es ist fast logisch und natürlich (auch wenn Ausnahmen die Regel bestätigen mögen), dass „Jahrhundertgenies“ sich kaum „normalen“ Maßstäben unterwerfen lassen.

Und Mozart bildet darin nicht nur keine Ausnahme, sondern bietet eine solch schillernde Persönlichkeit zwischen unsterblicher Musik und intriganter Haltung, zwischen konzentriertem, manischem Hineinstürzen in das Komponieren und dem Ausufern und Weggleiten in privaten Emotionen und Leidenschaften (natürlich auch, was den Eros im engeren Sinne angeht), dass es im Lauf der Lektüre als fast ein Leichtes anmutet, die knapp 400 biographischen Seiten des Buches (mit dann zusätzlich reichlich Anmerkungen und Verweisen) mit dieser speziellen Sichtweise zu füllen.

Wobei „Eros“ eine tragende, zentrale, entscheidende Rolle spielt. Im umfassenden Sinne des Wortes, nicht auf reine (modern verstandene) sexuelle Bereiche sich reduziert.

Zum näheren Verständnis der Grundgedanken und Herangehensweise Baurs findet sich als erster Teil des Anhangs auch Der „Dialog über den Eros“ aus Platons „Symposion“. Dieser Gott Eros, der zugleich „ein großer Gott und schön“ ist, als auch die „Schattenseite“ in sich trägt, „weder schön noch gut ist“.

Denn auch die Musik und Person Mozarts schöpft sich aus der Leidenschaft, aus der Fülle der Lust, aus den Polen der höchsten, inneren Bewegung her, in beide Richtungen des Pendels ausschlagend.

Einer, der nicht nur Werke von dauerhafter Bedeutung hinterlassen hat, einer, der so ziemlich allen professionellen Musikern und begeisterten Hören als „das Genie“ der Musik gilt, einer wie er, der innerlich und äußerlich ständig in Bewegung war, der „überfloss“ im positiven wie negativen Sinne hat neben diesen „fertigen Werken“ ebenso eine hohe Zahl von Ansätzen, dahingeworfenen Ideen, Fragmenten hinterlassen.

„Seien sie fleißig, fliehen sie den Müßiggang“ rät Mozart Edmund Weber. Und drückt darin weniger eine „Werteüberzeugung“ aus, sondern viel mehr tatsächlich die Grundbefindlichkeit seiner eigenen Person. Im „Tun“ sich zeigen (müssen).

Eine „Maßlosigkeit“, die in diesem Extrem selten so sichtbar vorliegt. Einer, der sich unendlich inszenierte und zugleich kreativ überfloss, der als private Person beileibe nicht einfach im Umgang und nicht „freundlich“ war, der an sich und seinem Aussehen, vielleicht an sich und seiner eigenen Person wohl litt und dies durchaus nach außen zu werfen verstand. Einer, der andererseits bis zum heutigen Tag Millionen von Menschen durch „Schönheit im Werk“ zu berühren versteht.

Ein Indiz, ein wichtiger Hinweis auch in der Betrachtung Baurs, diesem „Inneren Mozarts“ (der im Übrigen im persönlichen Umgang ebenso zwischen liebenswürdig und dem Verhalten eines echten Ekels zu schwanken vermochte) nahe zu rücken.

Ein Mensch in Widersprüchen, einer, der Reibung in sich trug und Reibung verursachte, einer der „dem Schönen“ gegenüber nicht nur aufgeschlossen gegenüber stand, sondern diesem zwanghaft nachjagte.
Zwischen Armut und Verschwendung, auch das stellt Baur überzeugend dar, wie einer, dem das Leben irgendwie „zwischen den Fingern zerrann“, nicht aber sein Talent.

„Eros ist ein „Mittelding“, etwas zwischen dem Sterblichen und Unsterblichen. Ein Dämon. Immer ein Bote. Bei den Menschen ist er Bote der Götter und bei den Göttern Bote der Menschen“.

Eine Einschätzung aus dem „Symposium“, die Baur überzeugend in ihrem Buch erhärtet und damit den Lesern ein klares und griffiges Bild Mozarts vermittelt.

Flüssig, klar, mit fundiertem Wissen und darüber hinaus noch überaus unterhaltsam zu lesen, bietet Gesine Baur einen ganz eigenen Blick auf die Person Mozart.
Eine Werkkunde hat der Leser in dieser „persönlichen Biographie“ weniger zu erwarten, obwohl natürlich die Musik ihre Rolle im Buch spielt, wohl aber ein tiefes Ausleuchten des „Hellen“ und „Dunklen“ in der Person Mozarts.

Eine Lektüre, die den Menschen Mozart lebendig auf die Seiten bannt, die ihn in vielen seiner Widersprüchlichkeiten darstellt und damit für den Leser überaus greifbar herausarbeitet.

Eine sehr empfehlenswerte Lektüre.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 10. Juli 2015
Mitreißend und aufwühlend. Ende der 1970er Jahre war Hildesheimers Mozart eine Sensation, weil er ein neues Mozart-Bild präsentierte. Leider aber auf Kosten von Verleumdungen und Verdrehungen extremer Art. Constanze wurde zum dummen, unmusikalischen Luder, Leopold zum Kinderschinder, Mozart zum Hungerleider, der nichts verdiente und im Armengrab verscharrt wurde. Längst wissen wir, dass all das total falsch ist. Viele Biographien wurden geschrieben. Doch kein Biograph eröffnete einen neuen Blick auf Mozart. Eva Gesine Baur hat es getan. Und mit welcher Eleganz und Bravour! Sie kommt ganz ohne solche Verleumdungen aus, würdigt die Verdienste von Constanze, Salieri und Leopold Mozart und zeigt auf, dass Mozart das fehlte, was wir heute soziale Kompetenz nennen. Die Idee, Mozart mit Platons Eros zu vergleichen, ist bestrickend, völlig überzeugend und wird mitreißend erzählt. Hildesheimer beginnt schon mit einer Plattitüde („Der Name Mozart ist, gleich den Namen Beethoven und Haydn, an eine einzige Gestalt gebunden und ihr entsprechend, in anderer Verkörperung unvorstellbar.“); er versagt ständig bei Metaphern („um ein Kondensat enthusiastischen Vokabulars anzuschlagen“ – wie schlägt man bitte ein Kondensat an?) und kann einfach nicht erzählen (man lese nur einmal die Kapitel- respektive Absatzanfänge nacheinander! „Verachten wir die Schwärmer nicht!“ / „Gewiss, wir haben keinen Absolutismus mehr.“/ „Der zusammenfassende Vorgriff auf späte Lebenssituationen des Helden war nicht Ausdruck antibiographischer Affekt…“). Baurs Stil wird zurecht überall gerühmt, er ist prägnant, plastisch und humorvoll. Szene um Szene erstehen mit ungeahnter Lebendigkeit Mozarts Welt und Charakter vor uns. Dieses Buch ist der neue Mozart-Klassiker, hochspannend, klug und originell. Was ich vermisst habe, sind Abbildungen - mit den Porträts in Schwarzweiß zum Kapitelanfang bin ich gar nicht zufrieden.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 10. Juli 2015
Obwohl ich zögerte, noch eine weitere Mozart-Biographie zu lesen, zumal die letzten an Trockenheit nichts zu wünschen übrig ließen, habe ich mir diese gewünscht, letztlich auch, weil überall die gute Lesbarkeit, der elegante, sinnliche und atmosphärisch dichte Stil des Buches gelobt wurde (siehe Pressestimmen auf der Verlagswebsite). Ich habe Geschenk in jeder Hinsicht bekommen. Anders als Hildesheimer oder Leonhardt, die wider alle Fakten, ohne jede sachliche Grundlage Leopold Mozart verteufeln oder Constanze Mozart, geborene Weber, macht Baur erkennbar, dass Mozart einfach fehlte, was man heute soziale Kompetenz nennt, gute Umgangsformen, Diplomatie. Das schmälert in keiner Weise sein Genie, doch es macht verständlich, warum Mozart aneckte und zu Lebzeiten nie die öffentliche Anerkennung fand, die er verdiente. Ein Buch, das sich liest, wie ein Roman. Vor allem hat mich die Parallele von Mozart und Eros überzeugt. Wirklich alles, was bei Platon über Eros gesagt wird, trifft auf Mozart zu. In Kurzform: göttlich und doch zutiefst menschlich.
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16 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
In der Biographie von Eva Gesine Baur wird einem die Person Mozarts auf ganz neue Art nahe gebracht – fern aller romantischen Klischees. Packend geschrieben, psychologisch tiefgründig ausgeleuchtet und akribisch recherchiert. Ich ertappte mich dabei, wie ich der Faszination dieses Menschen und seines Lebens verfalle, gerade wie hier nicht das Genie gefeiert wird. Es bringt nichts, wenn ein Hildesheimer schwärmerisch schreibt, Mozart sei „vielleicht das größte Genie der bekannten Menschheitsgeschichte.“ Baur schildert unsentimental Mozarts Neigungen zu Lüge und Intrige ohne je Zweifel an ihrer Bewunderung aufkommen zu lassen. Vor allem aber zeigt sie das Abgründige in Mozarts Wesen und Werken. Das Provokante, Dissonante, Riskante. Eben nicht den Mozart, dessen Musik auch heute noch zum Ideal von Harmonie und Leichtigkeit verkitscht wird.  Durch dieses Buch erst habe ich verstanden, warum die Musik Mozarts so magisch wirkt und mit welchen Mitteln er es schafft, seine Zuhörer zu betören. Beim Lesen überfiel mich ständig unbändige Lust, sämtliche Kompositionen mit neuen Ohren zu hören.
Sicherlich eines der besten Bücher, die je über Mozart geschrieben wurden. Und bestimmt das modernste, denn Mozart rückt uns nah als ein Charakter voller Brüche.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 25. Januar 2015
Anfänglich hatte ich Angst, diese Mozart-Biografie zu lesen. Mozarts Schattenseiten sollten erläutert werden? Er würde mit einem Dämon verglichen und einem Intriganten?
Glücklicherweise waren meine Ängste unbegründet. Mozarts Jugendjahre wurden klar beschrieben. Im Gegensatz zu anderen Biografien, in denen entweder Erfolg an Erfolg gereiht wird, sodass der kleine Wolfgang und sein Charakter ganz dahinter verschwindet, oder in denen Leopold Mozart allerlei vorgeworfen wird von Kindesmissbrauch bis Geldgier, geht es in dieser Biografie um Wolfgangs Kompositionen, was sie ihm bedeuteten, was Leopold an ihnen verstand oder nicht verstand und wie ein Wunderkind es schaffte sich selbst zu behaupten in einer Welt, in der er eine Marionette des Adels und der Erwachsenen allgemein war.
Diesen Eigensinn behielt er bis zu Ende. In Eva Gesine Baurs Buch geht es nicht darum, alle Mozarts Missetaten zu entlarven, sondern darum ihn als Menschen zu porträtieren. Als sentimentalen Menschen, als Liebenden, Stolzen und Enttäuschten. Trotz dem ominösen Schatten auf dem Titelbild sind Mozarts Schatten wie die eines jeden Menschen, und der ehrliche Leser erkennt sich in ihnen wieder und versteht endlich den dunklen Unterton in allen Mozarts Kompositionen.
Sehr geschmackvoll sind vor allem die einzelnen Interpretationen von Mozarts Werken, Vokal- wie Instrumentalmusik. Die Arien, die von Text und Musik so gedeutet werden, dass wir Mozarts Gefühlslage verstehen. Die instrumentalen Stücke werden mit passendsten Ausdrücken beschrieben und eingefühlt, man versteht sie glücklicherweise auch wenn man kein gutes musikalisches Vokabülär hat.
Diese Biografie ist sicher ein Meilenstein in der Entdeckung von Mozarts Charakter, dank dem Vergleich mit dem griechischen Eros, bei dem man sich fragt, ob die Autorin vielleicht den platonischen Text etwas umgeschrieben hat, damit er so perfekt mit Mozart übereinstimmt.
Ein Lob gebührt auch den ausführlichen Anmerkungen am Ende, wo einerseits unglaubwürdige Zitate genau angemerkt und andererseits interessante Punkte noch besser erklärt wurden.
Das einzige, was mir nicht gefiel, sind die letzten zwei Kapitel, die ich sehr genoss, die aber nicht ausführlich waren. Die Geschichte konzentrierte sich auf Einzelheiten wie "Papageno in der Zauberflöte" oder "Mozart bei den Freimaurern" ohne dann wieder aufs grosse Bild zu kommen und Mozarts Leben global zu beschreiben. Das ist schade, denn es ereignete sich sicher noch mehr in den Jahren 1790 und 1791, was von einer einleuchtenden Interpretation hätte profitieren können.
Allgemein eine sehr schöne und ehrliche Biografie, für alle die Mozarts Leben kennen aber noch nicht ganz verstehen. Eine Biografie, bei der ich die Kapitel wie Süssigkeiten aufsparte, um sie an besonderen Momenten zu geniessen.
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11 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 4. Juli 2015
Es gibt Bücher, die sich erfolgreich einer Rezension entziehen, weil sie so schlecht sind, dass sie den Rezensenten in einen negativen Embarras des richesses versetzen, der sich kaum bewältigen lässt. Man denkt im vorliegenden Fall unwillkürlich an den Beginn einer Rezension in der Zeitschrift Recensionen und Mittheilungen über Theater und Musik vom 29. September 1860: "Diese Novität steht bereits an der Scheidelinie, wo die Kritik aufhört und die Entrüstung beginnt." Man könnte natürlich das ganze Buffet von Fehlern und Missverständnissen, das Baur dem Leser in ihrem Mozart-Buch auftischt, in allen Einzelheiten abhandeln, aber so eine Aufzählung würde aufgrund der schieren Menge den Rahmen jeder Rezension sprengen. Als symptomatisches Beispiel eines verfehlten "Forschungsexkurses" sei nur beschrieben, wie Baur anhand von Kopien der Verlassenschaftsabhandlung von Franz Hofdemel, die sie sich vom Wiener Stadt- und Landesarchiv schicken ließ (und dann aber nicht lesen konnte), grandios nachzuweisen glaubt, dass Magdalena Hofdemel nicht Mozarts Klavierschülerin gewesen sein kann, weil sie kein Klavier besaß. Dass Baur irrt, weil das ominöse Klavier im Gegensatz zu ihrer Behauptung tatsächlich in Hofdemels Sperrs-Relation genannt wird, wäre noch ein harmloser Fehler. Aber die Art und Weise, wie die Autorin sich mit einem Wust verfehlter Argumente als Ausbund der Klugheit zu inszenieren versucht - eine Attitüde, die aufs Peinlichste das ganze Buch durchzieht - und alle ihre Vorgänger als naiv abtut, ist definitiv schwer erträglich: "Generationen werden in die Falle tappen und sich einreden, Hofdemel habe seine Frau ermorden wollen, weil sie Mozarts Geliebte war und das Kind in ihrem Leib seines. Sie werden darin, dass Magdalenas Sohn, der im Mai des darauffolgenden Jahres zur Welt kommt, in Brünn auf den Namen Johann getauft wird, den Hinweis auf Joannes Chrysostomus Wolfgangus Theophilus Mozart sehen. [...] Und weil sie in die Falle gehen, werden sie aus Magdalena Hofdemel Mozarts Klavierschülerin machen, obwohl sich im Nachlass ihres Mannes gar kein Klavier befand." (S. 384). Tatsache ist, dass Baur selbst in die Falle geht, weil sie auf die 1956 von Gustav Gugitz veröffentlichten Irrtümer vertraut.

Immer wieder zeigt sich auf symptomatische Weise, wie das galoppando angelesene Mozart-Wissen nicht ausreicht. Salieri wird Anfang 1788 nicht "von sieben Töchtern und einem Sohn umsorgt", denn zu dieser Zeit waren zwei von Salieris Kindern noch gar nicht geboren. Salieris acht Kinder waren nie zu gleicher Zeit am Leben. Ein "Ober-Kämmeramt" gab es nicht, der Brief an Padre Martini war keine "Fälschung Leopolds" (S. 122) und auch die Bewerbung um die Salzburger Hoforganistenstelle wurde nicht "von Leopold gefälscht" (S. 439). Eine Vermögenssperre wurde nicht "vom Magistrat der der Stadt" verhängt (S. 523), sondern vom Gericht der zuständigen Herrschaft. Johann Thorwart besaß nicht "drei Stadthäuser", sondern nur eines, das auch nicht "teuer" war (S. 446), sondern nur einen Wert von 2.400 Gulden hatte. Das Lamento im Rondo KV 514 stammt nicht von Mozart, sondern von Süßmayr (S. 211). Dass Joseph Langes Mozart-Portrait nicht unfertig, sondern unfertig vergrößert ist, wurde nicht "von Robert Münster und Michael Lorenz" entdeckt (S. 215), sondern allein von mir im März 2009. Franz Hofer war nicht "ein mittelloser Geiger" (S. 271) und Gottfried von Jacquin kein "hinkender Damenverführer" (S. 276). Die Ernennung Mozarts zum "k.k. Kammermusikus" im Dezember 1787 war nicht "unerwartet" (S. 291) und Mozart war auch nicht der Nachfolger Joseph Starzers (Rüdiger Wolf irrt in diesem Punkt). Ignaz Jahn besaß kein Haus in der Himmelpfortgasse (S. 309) und die Vermutung, "Mozart habe 1783 Freystädtler ermuntert, nach Wien umzuziehen" (S. 455) ist irrig. Mozart besuchte die Sixtinische Kapelle nicht am Gründonnerstag des Jahres 1770, sondern am Tag zuvor (S. 77), ein Haus "Kohlmarkt 44" (S. 348) gab es in Wien nicht, Johann Tost heiratete nicht am 14. Dezember 1790 (S. 355) und 1788 gab es in Wien keine "Klatschpresse" (S. 368). Leopold Mozart war nicht "Laienmusiker" (S. 429), das Bassetthorn wurde nicht "in Wien erst im Jahr 1782 eingesetzt" (S. 450) und über Mozarts Mietkosten liegen nicht in jedem Fall "genaue Zahlen" vor (S. 451). "Am Weißgerber" (S. 467) ist eine unsinnige Ortsangabe, der Glücksspielprozess Raimund Wetzlar von Plankensterns wurde nicht von Walther Brauneis (S. 474), sondern von Manfred Zollinger erforscht und veröffentlicht, Da Ponte übersiedelte nicht 1788 in das Heilig-Geist-Haus (S. 479) und eine Person namens "Maria Anna von Natorp, verehelichte Freifrau von Sassi" (S. 474) hat nie gelebt. Magdalena von Kurzbeck war nicht Mozarts Schülerin (S. 489) und die Quelle für Mozarts Mietkosten im Jahr 1789 am Judenplatz ist nicht ein Aufsatz von Brauneis (S. 493), sondern mein Aufsatz "Mozart's Apartment on the Alsergrund" aus dem Jahr 2009, den Brauneis vier Jahre später kopierte. Baurs Transkription der Eintragung im Protokoll der Hofkammer vom 14. November 1791 ist offenbar ihre eigene und sie ist daher noch fehlerhafter als jene von Brauneis. Baurs Behauptung, Lichnowskys Klage sei "am 9. November angemahnt worden", basiert auf Unkenntnis der Quellenlage und ist irrig. Das sind nur jene Fehler, die sich auf den ersten Blick aufdrängen. Die schiere Menge der Irrtümer und Stilblüten, die in diesem Buch sprießen, entzieht es einer kurz gefassten Rezension.

Meine Kritik wird dort zur Entrüstung, wo ich erkennen muss, dass Baur glaubt, weil sie fünfmal meine Publikationen als Quelle nennt, habe sie das Recht, fünfzehn mal meine publizierte Forschung ohne Quellenangabe zu verwenden. Folgende Informationen in Baurs Buch stammen aus meinen Publikationen und werden von der Autorin als ihre eigenen Erkenntnisse ausgegeben: Die Informationen über die Größe des Konzertsaals im Trattnerhof auf S. 218 wurde ohne Quellenangabe aus meinem 2013 im Internet publizierten Aufsatz "Mozart in the Trattnerhof" kopiert. Die Informationen über den Trattnerhof auf S. 395 wurden aus dem selben Aufsatz übernommen, der weder im Literaturverzeichnis auf S. 394, noch in einer Fußnote als Quelle genannt wird. Die Signatur des Steuerbuchs von 1788 (S. 395), die vorspiegelt, Baur habe diese Quelle persönlich konsultiert, wurde aus meinem Aufsatz "Mozart's Apartment on the Alsergrund" abgekupfert. Die Informationen über den Umbau der Kapelle im Trattnerhof in einen Saal (S. 456) sind ebenfalls ein Plagiat des genannten Aufsatzes aus dem Jahr 2013. Die Erklärung von Barbara Ployers Verwandtschaftsverhältnis zu Gottfried Ignaz von Ployer (S. 460) stammt aus meinem Artikel "Gottfried Ignaz von Ployers Haus in Döbling. Eine vergessene Mozartstätte", in Acta Mozartiana 47 (Juni 2000), der nicht als Quelle angegeben wird. Der neunmalkluge Kommentar über Helmut Kretschmers falsches Geburtsdatum von Catarina Cavalieri mit dem Hinweis auf Pisarowitz (S. 468) wurde aus meiner Rezension von Melanie Unselds Buch Mozarts Frauen. Begegnungen in Musik und Liebe plagiiert, die ich im Mozart-Jahrbuch 2007/08 veröffentlichte. Der erklärende Kommentar zum Thema "Joseph Deiner" (S. 475) mit den Angaben zum "ehemaligen Obsthändler Josef Preisinger" wurde ohne Quellenangabe aus meiner 2012 veröffentlichten Rezension von Günther Bauers Buch "Mozart. Geld. Ruhm und Ehre" gestohlen. Die Information über den unterschiedlichen Wert des Guldens in Salzburg und Wien (S. 481) stammt aus der selben Rezension. Dass mein Name im folgenden Satz in Verbindung mit einem anderen Thema vorkommt, kann die Tatsache nicht verschleiern, dass Baur fremdes Wissen als ihr eigenes ausgibt. Baurs Erläuterungen zu den Brüdern Closset (S. 500) basieren auf Forschung, die ich 2013 in dem Aufsatz "Das Forschungsprojekt "W A Mozart und sein Wiener Umfeld" publizierte. Die fünf Vornamen Ignaz von Seyfrieds (S. 508) wurden ebenfalls aus meiner Rezension von Günther Bauers Buch abgeschrieben. Auch hier ist es Baur nicht peinlich, sich mit dem Ergebnis meiner Recherchen zu brüsten. Baurs Wissen, dass "nicht erwiesen ist", ob Mozart am 4. März 1791 das Konzert KV 595 spielte (S. 508), wurde ohne Quellenangabe aus dem selben Aufsatz abgeschrieben. Die Information über Mozarts Honorar von 100 Dukaten für Die Zauberflöte "in den Notizen von Aloys Fuchs aus dem Jahr 1842" (S. 511) wurde gleichfalls aus meiner Rezension von Günther Bauers Buch plagiiert. Baur könnte nie die Quelle für "die Notizen von Aloys Fuchs" nennen. Die Information, dass Franz Xaver Süßmayr Anfang November 1790 als Substitut am Burgtheater 26 Gulden für "Extra-Dienste" erhielt (S. 513), wurde aus meinem Aufsatz: "Süßmayr und die Lichterputzer: von gefundenen und erfundenen Quellen" im Mozart-Jahrbuch 2006 plagiiert. Baur nennt keine Quelle und präsentiert somit meine Forschung als ihre eigene. Die ohne Quellenangabe präsentierte Information, dass Joseph Bonno (den Baur irrigerweise "Giuseppe" nennt) wie Mozart um acht Gulden und 56 Kreuzer begraben wurde, obwohl er schuldenfrei gestorben war (S. 523), stammt ebenfalls aus einer meiner Publikationen. Die Information, dass im späten 18. Jahrhundert 99 Prozent der Wiener Bevölkerung ein Begräbnis dritter Klasse erhielten, wurde ebenso aus einer meiner Publikationen abgeschrieben. Baur verwendet auch die Forschung anderer Autoren ohne ihre Quellen anzugeben, wie z.B. von Günther Bauer (S. 486).

Baurs Text wurde nie gründlich korrekturgelesen und auch nie einer Rechtschreibprüfung unterzogen, was für einen Verlag vom Kaliber C.H. Beck blamabel ist. Die Fehler ziehen sich bis ins Namensregister. Peinliche Tippfehler, wie "Portät", "Solo-Sopran-Partieen" und "Hauseinsegung" hätten leicht vermieden werden können. Laut Baur wurde Mozarts Schauspieldirektor am "7. Februar 1886" uraufgeführt, der Klarinettist Anton Stadler wurde "1793" geboren und Babette von Natorp lebte "1769-1744". Man stößt auf Grammatikfehler, wie: "um den 25. September 1764 herum", "Mozart schreckt auf" , "Zu der Frau von Mesmers Stiefsohn" und drei Musikwissenschaftler treten mit ganz neuen Namen auf: "Karl Pfannhaus", "Daniel Ende" und "Hermann Albert".

Man kann sich den Gedankengang der Autorin vor Beginn ihrer Arbeit vorstellen: "Noch ein Buch über Mozart? Ich muss den Komponisten in völlig neuem Licht präsentieren. Wie wäre es mit: »Mozart, der Schelm, der Trickster und Lügner«?" Ergo wird Mozart in das Prokrustesbett der mythologischen Figur des Eros in Platons Symposion gezwängt, ein programmatisches Modell, das zwar als bahnbrechende Idee präsentiert wird, aber trotz aller gequälten Analogien dem Komponisten nie gerecht werden kann. Die Marketing-Idee eines Mozart mit "dissonantem Leben" und einer "schwarzen Seite" bringt keinerlei biographischen Gewinn und kulminiert in dümmlichen Aussagen, wie: "Die Wirklichkeit interessiert ihn nicht. Deswegen kollidiert er mit ihr." (S. 353). Baur hat aus den Schwächen ihrer fehlerhaften Schikaneder-Biographie gelernt und sich wacker durch einen Teil der Mozart-Literatur gelesen. Und es reicht doch wieder nicht. Der angesammelte Wissensprunk, den sie in penetranter Arroganz und besserwisserischer Ex-cathedra-Gebärde pausenlos vor dem Leser ausbreitet, erweist sich zu oft als blecherner Tand, weil Baur nicht in der Lage war, die Qualität der Sekundärliteratur zu beurteilen und pausenlos ihr eigenes Wissen überschätzt. Baurs Problem ist das Problem aller Mozart-Biographen der letzten Jahrzehnte: um ein wirklich gutes, halbwegs fehlerloses Buch über Mozart zu schreiben, müsste man sich mindestens zehn Jahre lang der Lektüre widmen und diese dürfte selbstverständlich nicht auf Mozart beschränkt sein und sollte auch Primärquellen einschließen. Weil eine so lange Vorbereitung nicht realisierbar ist, wird so ein Buch nicht geschrieben. Und jene Wissenschaftler, die in den Archiven forschen - weil sie nur an der Entdeckung des Unbekannten interessiert sind - haben kein Interesse, eine ausschließlich kompilative Biographie zu schreiben. Dazu kommt, dass Baur die sprachlichen Mittel fehlen, die es ihr ermöglichen würden, mittels literarischer Qualität über die Runden zu kommen. Baur setzt sich mit verwegener Entschlossenheit zwischen die Stühle Literatur und Wissenschaft. Da ihr Buch 127 Seiten Fußnoten enthält, kann es nicht als "musikhistorischer Roman" bezeichnet werden. Andererseits ist Baurs Prosa, die sich durchgehend des historischen Präsens bedient, derart hölzern, dass jede Ambition auf literarische Qualität ausgeschlossen werden kann. Diese Mozart-Biographie durchweht eine derartig neunmalkluge Eiseskälte, dass der Leser sich fragt, warum sich die Autorin einem Thema widmete, das ihr offenbar gar nicht zusagte. Die wichtigsten Merkmale, die die Lebensbeschreibung einer historischen Person unterhaltsam und lesenswert machen, fehlen vollkommen: Humor, Demut und eine gewisse entspannte Distanz zum Thema. Mit ihrer lieblosen Besserwisserei macht uns Baur nachdrücklich bewusst, welch große Schriftsteller Alfred Einstein und Wolfgang Hildesheimer waren. Dem Klappentext entnehmen wir, dass Baur 'Musikwissenschaften' studiert habe, aber dieses Studium hinterließ in diesem Buch keine Spuren. Angesichts von Aussagen, wie: "Allegris Miserere ist ein belangloses Stück" (S. 77), "Mozart verlangt für Lucio Silla sechzehn erste und sechzehn zweite Geigen" (S. 99), "Mozart beendet Lucio Silla mit einem Trugschluss" (S. 101), "KV 581 verstößt gegen die Regeln der Satztechnik" (S. 334) und "KV 452 schillert von verbotenen Quintparallelen" (S. 458), fragt man sich, wie es um eine Wissenschaft bestellt sein muss, die Mozarts Musik auf derart banale und journalistische Weise abhandelt. Baurs Buch wurde (wenig überraschend) von jenen Journalisten als "akribisch recherchiert" bezeichnet, die glauben, sie wüssten von Berufs wegen, was eine Recherche ist. Das Marketing-Konzept scheint erfolgreich zu sein. Aus der Sicht der Mozart-Forschung kann Baurs Buch nur als entbehrlich bezeichnet werden.
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am 17. August 2014
Ich habe schon sehr viel über Mozart gelesen, dennoch hat dieses Buch mich fasziniert, und das, obwohl es eigentlich nichts Neues bringt und manche Details vernachlässigt. Es ist möglicherweise diese Sicht, die nicht verstellt wird von einer tiefen Verehrung des Komponisten. Manche allzu menschlichen Seiten werden aufgezeigt, wenn auch vielleicht etwas überzeichnet. Dass Mozart nicht besonders diplomatisch war, dass er offensichtlich seine Alltagsprobleme nicht meistern konnte, ist ja nicht so besonders neu. Aber einige Aspekte sind mir doch deutlicher geworden. Die Rätsel und offenen Fragen bleiben. Ich fühle mich in meiner Intuition bestätigt, dass man Mozart nicht zu leicht nehmen sollte und dass er denen, die im Dunkel leben, Licht bringt - eben, weil er das Dunkle, Schwere, Depressive kannte. Er tanzt am Abgrund, ja er tanzt sogar über den Abgrund wie ein Seiltänzer. Ich fühle mich auch darin bestätigt, dass ich immer schon das Gefühl hatte, man kann Mozart oberflächlich hören - aber man kann auch eintauchen in seine Musik und ihre Tiefe erleben, ausloten sicher nicht.
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Wer sich mit der Absicht trägt, den vielen Mozart-Biographien eine weitere hinzuzufügen, muss einen großen Wissensschatz und eine gute Idee haben. Da dies bei Eva Gesine Bauer der Fall ist, habe ich ihr Opus gelesen. Sie studierte Literaturwissenschaft, Psychologie, Kunstgeschichte und Musikwissenschaft, womit sie die erste Bedingung locker erfüllt. Und um Leben und Werk von Mozart neu einzubetten, hatte sie die Idee, den griechischen Gott Eros ins Spiel zu bringen. Hinzu kommt, dass Eva Gesine Baur unter dem Pseudonym „Lea Singer“ bereits mehrere Romane veröffentlichte und deshalb auch die Kunst des Geschichtenerzählens beherrscht. Beste Voraussetzungen also, um im Ranking der Mozart-Biographen einen der vorderen Plätze einnehmen zu können.

Da ich Mozarts Musik erst durch ein Schlüsselerlebnis in Rom näher kennenlernte und bisher nur Wolfgang Hildesheimers Mozart-Biographie gelesen hatte, kann ich schlecht beurteilen, ob in Eva Gesine Baurs Buch substanziell Neues über das Leben dieses Ausnahmekünstlers steht. Aber der gut 160 Seiten umfassende Anhang deutet zumindest darauf hin, dass die Autorin die wichtigsten und aktuellsten Quellen verarbeitete.

Beim erwähnten Schlüsselerlebnis kamen ein Schweizer Musikwissenschaftler und ich nach einer durchdiskutierten Nacht zur Überzeugung, dass die englische Punkrock-Band „The Clash“ und Wolfgang Amadeus Mozart überraschend viel gemeinsam haben. Und auch wenn Frau Baur keine Beziehungen dieser Art knüpft, erinnerten mich viele ihrer Ausführungen an Vergleiche, mit denen der Schweizer Jazzmusiker und Sohn eines bekannten Komponisten einen neuen Mozart-Freund gewinnen konnte.

Das Bild, welches Wolfgang Hildesheimer von Mozarts Leben zeichnete, wird durch Eva Gesine Baur nicht völlig übermalt. Aber indem sie Mozart mit dem mythologischen Eros vergleicht, werden die Dissonanzen greifbarer. Das Dämonische des genialen Komponisten, seine Intrigen und seine dunklen Seiten wurden ja erst durch die Veröffentlichung von Mozarts regem Briefverkehr offensichtlich. Und seit sich Neurologen sowie Mediziner mit dem Phänomen ADHS bei Erwachsenen beschäftigen, lassen sich auch viele Verhaltensmuster von Mozart besser einordnen.

Eva Gesine Baur geht bei ihrer Spurensuche chronologisch vor. Doch bevor sie den Leser auf die spannende Entdeckungsreise mitnimmt, gibt sie ihm eine Gebrauchsanweisung für die Lektüre in die Hand. Eine solche Einstimmung erleichtert das Verständnis und schützt vor den gröbsten Irrtümern. Und weil die Autorin Anmerkungen im Anhang unterbringt, ist der Lesefluss nicht gefährdet.

Das Leben Mozarts unterteilt seine Biographin in 22 Zeitabschnitte, wobei sie die Jahreszahlen durch einen Satz ergänzt, der auf die inhaltlichen Schwerpunkte verweist. Das klingt dann zum Beispiel so: 1756: Poros und Penia Oder: Sohn eines Strategen und einer Bedürftigen – 1761-1763: Zwischen Unverstand und Weisheit Oder: Ein Kleinkind tanzt, rebelliert und komponiert – 1782: Ein Ränkeschmied Oder: Verleumdung und Lügen für Erfolg und Entführung - 1791: Bindet so das All zusammen Oder: Zauberflöte, Requiem und das Ende.

Mein Fazit: Inwieweit dieses Buch die Mozart-Forschung erweitert oder korrigiert, kann ich mangels Fachwissen nicht sagen. Aber ich traue mir das Urteil zu, dass es unzählige Fakten so präsentiert, dass diese stimmig wirken und die Lektüre Spaß macht. Mir gefällt auch die Idee, Mozarts Leben mit dem mythologischen Eros zu vergleichen. Denn Zauberer können auch große Intriganten sein. Doch wenn sie ihre unstillbaren Sehnsüchte in die Kunst tragen und dort stillen, vergessen wir das Dämonische in ihren Biographien leichter. „Mozart und Eros: der große Widerspruch. So irdisch wie überirdisch.“ Dieser Einschätzung des Klappentexters stimme ich nach der Lektüre dieses Buches vollumfänglich zu.
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 22. Januar 2015
Für Freunde Mozarts ein tolles Buch. Man erfährt viel über den grossen Musiker. Ich habe das Buch verschenkt und ein grosses Lob erhalten.
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