Mozarts Kleine Nachtmusik aufzuführen oder einzuspielen ist sicherlich alles andere als einfach. Kaum ein Werk, dass so viele, die auch nur ein klein wenig für klassische Musik interessieren so gut kennen. Kaum ein Werk, dessen Aufführung/Einspielung einem bei Kritikern so leicht den Ruf des Populismus einbringt. Das bei professionellen Rezensenten häufig diskutierte Kriterium "Repertoirewert", also inwieweit füllt die Aufnahme des Stücks oder wenigstens die Interpretation eine Lücke auf dem Tonträgermarkt ist wohl selten so deutlich nahe bei Null wie im Falle dieses Stücks. Dennoch bleibt es natürlich dabei: es ist nicht zufällig so populär, sondern es ist ein wunderschönes Stück und eine gute Aufnahme dieses Stücks gehört einfach in jede gute Klassik-Sammlung.
Und es gibt nicht nur gute Aufnahmen - gerade ältere Aufnahmen konventionell spielender Orchester, also im Gegensatz zur historischen Aufführungspraxis - neigen dazu, das Stück süßlich zu interpretieren und damit endgültig im Mozartkugelkitsch zu versenken. Karajan z.B. passiert dieser Fauxpas meines Erachtens nicht, dafür gefällt bietet er sein typisches Mozartklangbild, das mir einfach zu wenig Transparenz bietet und von der Klangfülle her einfach zu dick aufgetragen ist. Die hier vorliegende Aufnahme von James Levine mit den Wiener Philharmonikern hingegen ist für meinen Geschmack ausgesprochen gelungen. Die Durchhörbarkeit ist ordentlich gelungen, es klingt nicht breiig, es wird zwar mit sattem, aber nicht zu übertriebenem Vibrato gespielt, die Tempi sind in keine Richtung extrem, Temperament und Humor dieses herrlichen Stücks kommen gut rüber. Von den mir bekannten ist das mit solidem Abstand die beste unter den konventionell interpretierten Aufnahmen. Kleine Abstriche möchte ich beim Menuett machen, dem meines Erachtens eine Idee mehr Tempo gut täte, das klingt fast ein wenig betulich, aber gut wirklich schlecht ist es auch nicht und spätestens das exquisite Rondo versöhnt mich dann regelmäßig wieder.
Ich habe mich relativ schwer damit getan, Aufnahmen von Vertretern der historischen Aufführungspraxis zu finden, obwohl ich gerade auf die vom Klangbild her schlankere und von der Artikulation her pointierteren Interpretationen dieser "Stilrichtung" gespannt war. Bisher habe ich was die Orchesterversion betrifft, lediglich eine Aufnahme von
Harnoncourt mit dem Concentus Musicus Wien, in die ich noch nicht reingehört habe und eine von
Jordi Savall, die ich besitze, gefunden. Die Version von Streichquartett besitze ich vom
Salomon Quartett. Für Tipps für andere Aufnahmen bin ich sehr dankbar. Savalls Zugriff erschien mir beim ersten Hören sehr gewöhnungsbedürftig - war halt doch sehr an den Zuckerbäckerstil gewöhnt. Gerade nochmal reingehört und war ausgesprochen begeistert. Mag sein, dass da dann doch zu sehr dem gewohnten Zuckerbäckerstil verhaftet bin, aber so ganz kommt bei mir die Fröhlichkeit des Stücks nicht rüber. Die Quartett-Version hingegen ist exzellent, wobei ich insgesamt eine Präferenz für Orchesterversionen hätte.
Die Posthorn-Serenade steht in der Popularität zwar weit hinter der Kleinen Nachtmusik, aber dennoch insgesamt auch relativ weit vorne. Auch hier überzeugen mich Levine und die Wiener Philharmoniker nahezu vollständig. Trotz relativ großem Orchesterapparat bleiben sie beweglich, trotz Wohlklang wird es nicht süßlich (wie es dem gleichen Gespann als Begleitung von Perlman bei den Violinkonzerten Mozart unterlaufen ist) und insgesamt kommt ein putzmunterer Mozart dabei heraus. Der Quervergleich mag nicht unproblematisch sein. Aber wenn ich Norringtons Aufnahme der Symphonie nach der Posthorn-Serenade allerdings mit Levines Posthornserenade vergleich dann merke ich allerdings, dass noch deutlich mehr Temperament drin wäre. Aber gut, mag es sein, dass es noch besser ginge, ich kann auch Levines Aufnahme der Posthorn-Serenade nur wärmstens emfpehlen.
Für die hier eingespielte Symphonie KV 318 ziehe ich eindeutig Norringtons brillante Interpretation vor.
Das ändert aber nichts daran: eine exzellente, empfehlenswerte CD!