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Produktinformation
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Diese heilige Ordnung nun nicht mit einem Sturzbach von Worten zu übergießen, war feste Absicht des Autors. Und doch, zu seriös sein Gegenstand. Nicht immer macht es der renommierte Musikwissenschaftler leicht, seiner fundierten tiefenpsychologischen Werkanalyse zu folgen. Speziell die schwierigen Schlusskapitel über die Haydn-Quartette und die späten Sinfonien verlangen dem unbedarften Musikfreund und Notenunkundigen einiges an Fachwissen ab. Als hätte Geck geahnt, wie schwer das Vermitteln von Leichtigkeit sein kann, bat er den befreundeten Zeichner F. W. Bernstein, seine ironisch-gebrochenen Karikaturen den Kapiteln voranzustellen.
Die Reise ins Mozart-Land bietet mehr als nur Musik. Geck durchstreift Zeit- und Kulturgeschicht-liches, pflegt den philososophischen Diskurs, und stößt so nebenbei liebgewonnene Bösewichter wie etwa Vater Leopold von ihrem Sockel. Auch das immer wieder zu düsterem Raunen Anlass gebende Requiem wird entschlüsselt. Am Ende werden wir Mozart besser kennen, diesen freiheitsliebenden und freimaurerischen Geist, der die Kunst vervollkommnete, schwerste Stoffe in hellstem Lichte erstrahlen zu lassen.
Service-Leistungen gibts obendrein. Nicht nur hält Geck eine Discografie der schönsten Mozart-Aufnahmen bereit, nein, man staune, auf den Leser wartet auch ein komplettes Köchelverzeichnis! Zusammen mit der poetischen Lebensbetrachtung Wolfgang Amadeus Mozart von Piero Melograni ist man also bestens gerüstet für das Mozartjahr 2006. --Ravi Unger -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Nun gut, eine gewisse Unschärfe im Titel, aber was soll man sich lange dabei aufhalten, wenn die launige Aufmachung des Buches (Illustrationen von F.W.Bernstein) und gefällige Kapitelüberschriften ("Genie auf dem Sprung", "Harlequin komponiert", "Ein Kapitel für Liebhaber: Die Klavierkonzerte") angenehme, sogar unterhaltsame Lektüre verheißen - und da der Autor im Vorwort vermerkt, man könne überall einsteigen, warum nicht z.B. mit dem Kapitel "Wer spricht da von Wiener 'Klassik'?" aus dem Ästhetik-Teil. Interessante Fragestellung - wie berechtigt ist dieser Begriff eigentlich, den man so leichtfertig benutzt? Ja, das will ich wissen, schlage das Kapitel auf uns lese dann z. B. auf S.236: "Während man die Gemeinsamkeit in klassizistischer Sicht gern als eine zentripedale Kraft sieht, die zur Reinheit, Eindeutigkeit und Geschlossenheit des Systems tendiert, dominieren in Wahrheit die zentrifugalen Kräfte, die von einem idealen Zentrum wegdrängen und eine Vielfalt von Mutationen hervorbringen" ... Nach mehreren solcher Passagen überlege ich, ob mir jemand das Buch wieder so verschweißen kann, dass ich es in die Buchhandlung zurückbringen kann; aber: vielleicht entsprechen andere Kapitel eher meinen Vorstellungen, und so wende ich mich dem biographischen Teil zu.
Eine gewisse Erleichterung: Das ist wenigstens über weite Strecken ein flüssig geschriebener und gut lesbarer Lebensabriss; freilich, gelegentlich wird auch hier das schwere Geschütz der Kulturtheorie aufgefahren ("die Differenz ... die nicht erst seit Derrida das Eigentliche in der Kunst bedingt" S.35) und überhaupt eignet den Ausführungen eine schillernde stilistische Vielfalt: Da wird einmal tiefsinnig-spekulativ räsonniert, wenn die Komponisten eingeteilt werden in "Philosophen" ("jedes Opus ... ist individuelle Ausformung eines übergeordneten Gedankens") und "Sänger" ( "... sind auf Kommunikation angewiesen, können sich nicht allein über Struktur vermitteln", S.48); dann begegnet die betuliche Poesie volkstümlicher Konzertführer (zum Schlusssatz des Violinkonzerts KV 216: "Mit spitzen Schritten betritt eine kleine Primadonna die Bühne; doch schon bald verläuft sich ihre Empörung", S.67); wieder Anderes ist nachlässig hingeschrieben, als habe man es mit einem schwach redigierten Vorlesungsmanuskript zu tun: "Dieser Dr. Ludwig Alois Ferdinand von Köchel ist ein durchaus interessanter Mann gewesen." (S.133)
Über die Werkkommentare des Autors kann ich nur wenig sagen. Ich habe einen Blick in das Kapitel über die Klavierkonzerte geworfen, verspürte allerdings wenig Lust, in diesem Zusammenhang "auf den komplexen Dialog-Begriff von Michail Bachtin zurück[zu]greifen, den er innerhalb seiner Untersuchung karnevalesker Romanstrukturen entwickelt hat" (S.346). Auch den Phrasen des laut Autor "als Mozart-Essayist höchst originelle[n] erste[n] Außenminister[s] der Sowjetrepublik", Georgi W. Tschitscherin, konnte ich wenig abgewinnen ("jedes [der Klavierkonzerte] für sich eine besondere Welt mit unermeßlichem Inhalt", S.357), und als für den simplen Sachverhalt, dass Mozart in einem Konzert Jagdmotive verwendet, das Modewort 'Intertextualität' herhalten musste (S.355), dachte ich, so, jetzt reicht's.
Fragt sich nur noch, an welches Zielpublikum Autor und Verlag eigentlich dachten. Dieses 'Biographie' enthält sicher Material in Fülle, um sowohl Liebhaber als auch Fachpublikum zu verstimmen.
Senta Berger liest Martin Gecks Buch „Mozart – Eine Biographie“
Von Wolfgang Haan
Kulinarisches Gedudel
„Kennen Sie Mozart?“ – Wie würde wohl die Antwort eines in einer beliebigen Stadt Befragten ausfallen: z. B. eines nichts Böses ahnenden Passanten, unterwegs im Einkaufszentrum, Schall bedudelt und Lärm besudelt aus jeder möglichen und unmöglichen Richtung und Quelle, von Geschäft zu Geschäft hetzend wie ein Schnäppchenjäger im Schlussverkauf: „Das ist doch der mit den Locken und den Kugeln, oder?“ wäre eine der möglichen Antworten – damit läge die Trefferquote immerhin schon bei 50 %. Und auf die Frage „Aber Sie kennen doch bestimmt „Die kleine Nachtmusik?“ wäre vielleicht die Reaktion ein freudestrahlendes: „Ja genau – dida dida dida dumm“.
Aber - kennen wir Mozart? Und ich meine damit nicht die Kaufhausbeschallungs-, Werbe-, Kinofilm- oder Fahrstuhlversion vieler seiner berühmten Kompositionen. Auch nicht den debil schrill lachenden, ständig betrunkenen oder Obszönitäten und Peinlichkeiten verbreitenden Clown aus Milos Formans Oscar gekröntem Film „Amadeus“ aus dem Jahre 1984.
Einen Ausweg für alle Interessierten bietet das exzellente, jetzt bei der Deutschen Grammophon Literatur erschienene Hörbuch mit dem unprätentiösen Titel „Mozart - eine Biographie“. Dieses Hörbuch basiert auf der im Rowohlt Verlag erschienenen gleichnamigen Printausgabe des Gleim-Literaturpreisträgers Martin Geck, seines Zeichens Professor an der Universität Dortmund und Autor zahlreicher, mittlerweile in 12 Sprachen übersetzter, Bücher.
What difference does it make?
Endlich einmal werden Käufer der Printausgabe gegenüber dem Erwerber dieses Hörbuches benachteiligt, denn der Verlag hat den Lebenslauf Mozarts, dem sich die ersten beiden CDs widmen, mit zahlreichen kurzen Musikbeispielen angereichert. Diese Klassik-Clips wurden von so bekannten Persönlichkeiten wie z. B. Claudio Abbado, John Elliot Gardiner oder Karl Böhm eingespielt und sind von ausgezeichneter Klangqualität und dies, obwohl die Laufzeit der einzelnen CDs jeweils fast 80 Minuten beträgt. Das absolute Highlight ist jedoch die dritte CD des Hörbuches, die extra für diese Produktion von Martin Geck zusammengestellt wurde und die in dieser Form einzigartig ist. Auf dieser befinden sich, auch für den musik-wissenschaftlichen Laien leicht verständliche, informative und ausführliche Essays mit musikhistorischen oder – kritischen Anmerkungen zu Mozarts großen Werken wie z. B. der Oper „Don Giovanni“ oder, welche Überraschung, „Eine kleine Nachtmusik“.
Fakten! Fakten! Fakten!
Natürlich kommen auch Freunde knallharter Informationen nicht zu kurz. Auf den ersten beiden CDs befinden sich in geballter Form alle Daten, die das Herz eines jeden Musikbegeisterten höher schlagen lassen werden.
In verkürzter Form gegenüber der Printversion, wobei jeder einzelne Track von einem anderen Musikstück Mozarts eingeleitet wird, erzählt uns der Autor von Mozarts Leben und Leiden, Aufstieg und Fall, Freunden und Feinden, Frauen und Freudenmädchen und vielem mehr. Dabei verzichtet Geck erfreulicherweise auf die wohlbekannten Mozartklischees wie das vom übermächtigen Vater und unterlässt die leider übliche Psycho-Analyse des Verhältnisses von Mozart zu Frauen. Stattdessen erzählt er mit leichter Hand und pointiertem Strich in chronologischer Reihenfolge von Mozarts Leben. Dabei seziert er geradezu genüsslich so manchen überkommenen Mythos, löst vermeintliche Rätsel in heiße Luft auf oder beweist, dass sich angeblich fundierte Fakten aus Zitaten literarischer Werke, z. B. E.T.A. Hoffmanns, abgeleitet haben.
Wienerischer Charme
Senta Berger, gebürtige Wienerin und eine der erfolgreichsten deutschen Schauspielerinnen, trägt mit Ihrer Fähigkeit, dem Text Leben zu verleihen, immens viel zur Atmosphäre des Hörbuches bei. Dabei beschränkt Sie sich nicht nur auf kleine Schwankungen in der Tonhöhe oder Klangfarbe sondern greift dabei auf die volle Klaviatur Ihrer sprachlichen Möglichkeiten zurück. Egal, ob es sich dabei um fremdsprachige Zitate, Zeitungsartikel, Briefe, Passagen aus literarischen Werken oder um Gecks originären Text handelt, stets trifft sie exakt und scheinbar völlig mühelos den richtigen Ton. Das absolute Highlight sind jedoch die Stellen, denen Sie durch einen leichten wienerischen Akzent besonderen Charme verleit oder wenn Sie in breitestem, ordinären wienerischen Dialekt Briefe vorträgt.
Bemerkenswert ist, welche Wärme Sie in Ihre Stimme zu legen vermag. Dadurch bekommt die naturgemäß sachliche Sprache einer Biographie eine zutiefst menschliche, teilnahmsvolle Dimension, die der Figur Mozarts eine bemerkenswerte Fragilität einräumt ohne in Sentimentalität oder Kitsch abzudriften. An den passenden Stellen tritt dadurch das „Genie Mozart“ in den Hintergrund und macht den Blick frei auf die Tragödie des „Wunderkind Mozart“; eines Wunderkindes, dessen Musik sich auch nach über 200 Jahren noch immer ungebrochen größter Popularität erfreut.
Dem Hörbuch liegt ein mehrseitiges Booklet bei, das naturgemäß bei einer Biographie nicht viele Informationen zum Buch enthalten kann. Dafür sind die Daten zum Autor und zur Sprecherin erschöpfend und zu den einzelnen Interpreten hervorragend. Die Trackliste ist, wie von Deutsche Grammophon Literatur gewohnt, präzise und ausführlich und wird noch durch Hinweise auf Neu-Veröffentlichungen anlässlich des 250. Geburtstags Mozarts 2006 ergänzt.
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