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5.0 von 5 Sternen
Jung stirbt, wen die Götter lieben, 3. Januar 2006
Rezension bezieht sich auf: Mozart. Eine Biographie. 3 CD's (Audio CD)
„Kennen Sie Mozart?“ – Wie würde wohl die Antwort eines in einer beliebigen Stadt Befragten ausfallen: z. B. eines nichts Böses ahnenden Passanten, unterwegs im Einkaufszentrum, Schall bedudelt und Lärm besudelt aus jeder möglichen und unmöglichen Richtung und Quelle, von Geschäft zu Geschäft hetzend wie ein Schnäppchenjäger im Schlussverkauf: „Das ist doch der mit den Locken und den Kugeln, oder?“ wäre eine der möglichen Antworten – damit läge die Trefferquote immerhin schon bei 50 %. Und auf die Frage „Aber Sie kennen doch bestimmt „Die kleine Nachtmusik?“ wäre vielleicht die Reaktion ein freudestrahlendes: „Ja genau – dida dida dida dumm“.
Aber - kennen wir Mozart? Und ich meine damit nicht die Kaufhausbeschallungs-, Werbe-, Kinofilm- oder Fahrstuhlversion vieler seiner berühmten Kompositionen. Auch nicht den debil schrill lachenden, ständig betrunkenen oder Obszönitäten und Peinlichkeiten verbreitenden Clown aus Milos Formans Oscar gekröntem Film „Amadeus“ aus dem Jahre 1984.
Einen Ausweg für alle Interessierten bietet das exzellente, jetzt bei der Deutschen Grammophon Literatur erschienene Hörbuch mit dem unprätentiösen Titel „Mozart - eine Biographie“. Dieses Hörbuch basiert auf der im Rowohlt Verlag erschienenen gleichnamigen Printausgabe des Gleim-Literaturpreisträgers Martin Geck, seines Zeichens Professor an der Universität Dortmund und Autor zahlreicher, mittlerweile in 12 Sprachen übersetzter, Bücher.
What difference does it make?
Endlich einmal werden Käufer der Printausgabe gegenüber dem Erwerber dieses Hörbuches benachteiligt, denn der Verlag hat den Lebenslauf Mozarts, dem sich die ersten beiden CDs widmen, mit zahlreichen kurzen Musikbeispielen angereichert. Diese Klassik-Clips wurden von so bekannten Persönlichkeiten wie z. B. Claudio Abbado, John Elliot Gardiner oder Karl Böhm eingespielt und sind von ausgezeichneter Klangqualität und dies, obwohl die Laufzeit der einzelnen CDs jeweils fast 80 Minuten beträgt. Das absolute Highlight ist jedoch die dritte CD des Hörbuches, die extra für diese Produktion von Martin Geck zusammengestellt wurde und die in dieser Form einzigartig ist. Auf dieser befinden sich, auch für den musik-wissenschaftlichen Laien leicht verständliche, informative und ausführliche Essays mit musikhistorischen oder – kritischen Anmerkungen zu Mozarts großen Werken wie z. B. der Oper „Don Giovanni“ oder, welche Überraschung, „Eine kleine Nachtmusik“.
Fakten! Fakten! Fakten!
Natürlich kommen auch Freunde knallharter Informationen nicht zu kurz. Auf den ersten beiden CDs befinden sich in geballter Form alle Daten, die das Herz eines jeden Musikbegeisterten höher schlagen lassen werden.
In verkürzter Form gegenüber der Printversion, wobei jeder einzelne Track von einem anderen Musikstück Mozarts eingeleitet wird, erzählt uns der Autor von Mozarts Leben und Leiden, Aufstieg und Fall, Freunden und Feinden, Frauen und Freudenmädchen und vielem mehr. Dabei verzichtet Geck erfreulicherweise auf die wohlbekannten Mozartklischees wie das vom übermächtigen Vater und unterlässt die leider übliche Psycho-Analyse des Verhältnisses von Mozart zu Frauen. Stattdessen erzählt er mit leichter Hand und pointiertem Strich in chronologischer Reihenfolge von Mozarts Leben. Dabei seziert er geradezu genüsslich so manchen überkommenen Mythos, löst vermeintliche Rätsel in heiße Luft auf oder beweist, dass sich angeblich fundierte Fakten aus Zitaten literarischer Werke, z. B. E.T.A. Hoffmanns, abgeleitet haben.
Wienerischer Charme
Senta Berger, gebürtige Wienerin und eine der erfolgreichsten deutschen Schauspielerinnen, trägt mit Ihrer Fähigkeit, dem Text Leben zu verleihen, immens viel zur Atmosphäre des Hörbuches bei. Dabei beschränkt Sie sich nicht nur auf kleine Schwankungen in der Tonhöhe oder Klangfarbe sondern greift dabei auf die volle Klaviatur Ihrer sprachlichen Möglichkeiten zurück. Egal, ob es sich dabei um fremdsprachige Zitate, Zeitungsartikel, Briefe, Passagen aus literarischen Werken oder um Gecks originären Text handelt, stets trifft sie exakt und scheinbar völlig mühelos den richtigen Ton. Das absolute Highlight sind jedoch die Stellen, denen Sie durch einen leichten wienerischen Akzent besonderen Charme verleit oder wenn Sie in breitestem, ordinären wienerischen Dialekt Briefe vorträgt.
Bemerkenswert ist, welche Wärme Sie in Ihre Stimme zu legen vermag. Dadurch bekommt die naturgemäß sachliche Sprache einer Biographie eine zutiefst menschliche, teilnahmsvolle Dimension, die der Figur Mozarts eine bemerkenswerte Fragilität einräumt ohne in Sentimentalität oder Kitsch abzudriften. An den passenden Stellen tritt dadurch das „Genie Mozart“ in den Hintergrund und macht den Blick frei auf die Tragödie des „Wunderkind Mozart“; eines Wunderkindes, dessen Musik sich auch nach über 200 Jahren noch immer ungebrochen größter Popularität erfreut.
Dem Hörbuch liegt ein mehrseitiges Booklet bei, das naturgemäß bei einer Biographie nicht viele Informationen zum Buch enthalten kann. Dafür sind die Daten zum Autor und zur Sprecherin erschöpfend und zu den einzelnen Interpreten hervorragend. Die Trackliste ist, wie von Deutsche Grammophon Literatur gewohnt, präzise und ausführlich und wird noch durch Hinweise auf Neu-Veröffentlichungen anlässlich des 250. Geburtstags Mozarts 2006 ergänzt.
(C) Wolfgang Haan
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Kleine Kritik: zu wenig Musik bei zu vielen Worten ueber Musik, 4. Juni 2007
Rezension bezieht sich auf: Mozart. Eine Biographie. 3 CD's (Audio CD)
Ja, so ganz uneingeschraenkt moechte ich hier nicht mitjubeln, auch wenn mir die Biographie ebenfalls sehr gut gefaellt.
Man findet hier auf 3 CDs Mozarts Leben von Senta Berger sehr schoen und deutlich erzaehlt, es ist eie Freude, ihr zuzuhoeren, und man begleitet Mozart auf seinen Tourneen und in seine Musik hinein.
Aber leider beginnt gerade dort auch meine Kritik. Denn meines Erachtens waere das vorliegende Werk erst richtig gelungen, wenn man ab und zu auch Musik eingespielt haette, an den passenden Stellen - und zwar nicht nur ca. 15-20 Sekunden (!) zu Beginn eines neuen CD-Programmpunktes!
Sondern als wirkliches Musikbeispiel zu dem, was da gerade ausfuehrlich geschildert wird.
Erst auf CD3 finden wir ausgiebige Stellen aus Mozarts Opern. Die Sinphonien, Sonaten und geistlichen Werke aber finden sich nur in Worten umschrieben, die zwar sicher sehr gewaehlt und treffend sind - aber leider auch ein wenig leer stehen bleiben, ohne Musik.
Sicher, manch einer hat die musikalischen Mozartausgaben zu Hause stehen,... aber gerade an den Stellen, wo sie in seinem Leben auftauchen, haette man die Stuecke doch sehr gerne in laengeren Auszuegen einmal gehoert.
Ich beharre so auf diesem Punkt, weil ich es sehr bedauerte, nur Worte und dann hoechstens einmal 20Sek. Musik zu hoeren auf den beiden ersten CDs.
Trotzdem ist das Leben sehr ausfuehrlich geschildert, man lernt viel ueber Mozart und seine Welt und geniesst die gute Stimme Senta Bergers und den guten Stil des Textes.
Sicherlich hoerenswert.
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13 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
So wird eine Biographie tanzbar ..., 8. Januar 2006
Rezension bezieht sich auf: Mozart. Eine Biographie. 3 CD's (Audio CD)
Senta Berger liest aus der MOZART-Biographie des Musikwissenschaftlers Prof. Martin Geck - und das ganze ist trefflich garniert mit Musikbeispielen. Der legendäre Theologe KARL BARTH formulierte anlässlich eines Festvortrages mit dem Titel "Mozarts Freiheit", wer Mozart höre, der dürfe sich als Mensch fühlen, "als der schlaue Basilio und als der zärtliche Cherubino, als Don Juan, der Held, als der Feigling Leporello, als die sanfte Pamina und als die tobende Königin der Nacht, als die alles verzeihende Gräfin und als die entsetzlich eifersüchtige Elektra, er darf sich als der weise Sarastro und als der närrische Papageno, die in uns alle stecken - er darf sich als dem Tod Verfallene und als der noch und noch Lebende, die wir ja alles sind, verstanden und selber zur Freiheit berufen fühlen." MOZARTscher Stil provoziert den BACH-Sohn Carl Philipp Emanuel allerdings zur Schimpfkanonade: "Alles muss närrisch und komisch sein!" Närrisch? Man soll das "Karnevaleske" in seiner Kreativität nicht bagatellisieren. Martin Geck spricht vom "harlekinesquen" Mozartscher Genialität, die wie eine Atempause auftauche zwischen der strengen und vernünftigen Klassik und der zuweilen erdrückende Emotionen erweckenden Romantik. Was MOZART alles leistet, kann man übrigens im Umkehrschluss auch aus dem Gemecker NIETZSCHES herauslesen, der sich über WAGNER äußerst verächtlich ausließ: "Meine Einwände: ... dass ich nicht mehr leicht atme, wenn diese Musik auf mich wirkt; dass alsbald mein Fuß gegen sie böse wird und revoltiert - er verlangt von der Musik die Entzückungen, welche in gutem Gehen, Schreiten, Springen, Tanzen liegen. Protestiert aber nicht auch mein Magen? mein Herz? mein Blutkreislauf? mein Eingeweide?" - MOZART hingegen macht alles richtig. Martin Geck (wunderbar ins Ohr gebracht durch Senta Berger) formuliert, sich durchaus würdig erweisend dieser vieltönigen Meinungspartitur: "Zwischen BACH und BEETHOVEN das große Aufatmen: keine Predigt, kein Bekenntnis, kein Ethos, kein deutscher Tiefsinn, sondern Freiheit. Freiheit des Agierens, des Fühlens und Denkens." Hört man diese CD in der Küche beim Bügeln, könnte man streckenweise gar zu tanzen anfangen.
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