Diese Aufnahme der "Zauberflöte" aus dem Jahr 1954 zählt trotz kleiner Einschränkungen für mich zu den schönsten.
Karl Böhm leitet die Wiener Philharmoniker mit eher langsamen, getragenen Tempi, unaufdringlich und elegant durch die Partitur. Leider ist das Klangbild durch die damalige Tontechnik ein wenig dumpf und trocken, so dass der wunderbare Farbenreichtum des Orchesters nicht ganz optimal zur Geltung kommt. Da auch die Dialoge fehlen, wirkt die ganze Aufnahme etwas konzertant. Für mich persönlich ist das allerdings nicht schlimm, da die Dialoge auf Platten oft furchtbar gesprochen werden, und dann sind mir keine auf jeden Fall lieber als schlechte.
Bei der vorliegenden Einspielung wären sie allerdings sicher vorzüglich gelungen, da es sich doch fast ausschließlich um Größen des Wiener Mozart-Ensembles handelt, die in ihren Rollen viel Bühnerfahrung mitbrachten.
Leopold Simoneau besaß eine wunderbare lyrische Tenorstimme, und er singt den Tamino sensibel und mit viel Eleganz.
Hilde Güden gestaltet die für mich schönste Pamina aller Aufnahmen, warm und rein im Ton, nobel phrasiert, voller menschlicher Größe.
Walter Berrys Papageno, sein erster auf Platte, verzichtet auf alberne Outrage, sein Vogelfänger ist fröhlich, gefühlvoll und einfach schön gesungen.
Kurt Böhmes sonorer Bass erfüllt die Rolle des Sarastros mit Wärme und Würde, ein reifer Oberpriester, der durch Stimmgewalt Respekt gebietet.
Vor allem die drei Damen sind auch positiv zu erwähnen: Judith Hellwig führt mit heller jugendlich-dramatischer Stimme das Terzett an, zu dem auch die blutjunge Christa Ludwig und Hilde Rössl-Majdan gehören. Eine ausgesprochen stimmige Mischung.
Nicht ganz ideal empfinde ich Wilma Lipps Königin der Nacht, die gut gesungen ist, aber für meinen Geschmack eine etwas zu leichte Stimme hat. Diese Königin ist mir zu soubrettig und nicht dramatisch genug, was aber Geschmackssache ist.
Auch die drei Knaben sind mit jungen Damen besetzt, was damals Tradition hatte und auf jeden Fall die bessere Variante ist, als wenn man dafür drei Kinder verwendet, die stimmlich zu schwach sind.
Eine Aufnahme aus einer vergangenen Epoche, schön und gediegen, immer wieder ein Genuss.