Ich habe mir aufgrund der hymnischen Besprechungen diese Aufnahme gekauft und bereue jeden Cent, den ich dafür ausgegeben habe. Das will ich gern begründen.
Geboten wird von der Pariser Nationaloper ein durch und durch konventionelles und stur abgefilmtes Ausstattungstheater, das es ausschließlich auf den berüchtigten Augenschmaus anlegt (die Ohren werden dabei weniger gut bedient). Und da dem Regisseur jegliche konzeptionelle Idee des Ganzen fehlt, lässt er als Ersatz dafür unter Aufbietung aller und in allen erdenklichen Farben wuchernden Kostüm- und Kulissenpracht diesen Schmaus zur exotisch-kitschigen Völlerei ausarten.
Von den sängerischen Leistungen sind zu loben: Dorothea Röschmanns Pamina, Wolfgang Schönes Sprecher sowie Matti Salminens Sarastro (dem man wie den Außerirdischen im letzten Indiana Jones-Film eine überhohe Stirn verpasst hat, um die übermenschliche Weisheit dieses Tugend-Athleten zu veranschaulichen). Der Sänger des Tamino, ausstaffiert als indischer Märchenprinz, schauspielert und singt derart süßlich, als sei er einem Bollywood-Filmstudio entsprungen. Der Sänger des Papageno prangt mit einem kernig-heldischen Bariton, als wolle er sich zur nächsten Spielzeit für die Partie des Conte di Luna im 'Trovatore' empfehlen. Der Rest ist Durchschnitt, und das Orchester spielt das Stück brav herunter. - Eine Personenregie ist nicht zu erkennen, denn die Darsteller agieren ungelenk und hölzern, wodurch den obengenannten guten Sängern schweres Unrecht angetan wird, denn diese wären sicherlich zu mehr fähig gewesen.
Doch ja, gefallen hat mir auch etwas: die sog. wilden Tiere, die derart drollig und putzig dahertapsen, dass jede Kindervorstellung darob außer Rand und Band geraten müsste. Und inmitten dieses Getiers aus Sarastros Streichelzoo stolziert auch ein Prachtstück von einem Weißkopf-Seeadler, was gewiss die amerikanischen Touristen entzückt haben dürfte. Wenn man dann das Ganze durchgestanden hat, bleibt man von diesem opernkulinarischen Overkill völlig erledigt - und zu Tode gelangweilt - zurück. Was wohl Wolfgang Amadé zum Verantwortlichen dieses Spektakels sagen würde? Vielleicht dies: Bona nox, bist a rechter Ochs, bonne nuit, pfui, pfui '!
Hermann Engster
Göttingen