Arnold Östmans Mozart-Zyklus gehört zum spannendsten, was die Originalklangwelle hervorgebracht hat, und die Zauberflöte ist neben dem spannenden Figaro ein absoluter Höhepunkt der Reihe.
Hier fällt zunächst die extrem transparente Orchesterbesetzung auf. Man muss sich an den fast kammermusikalischen Ton und die flotten Tempi erst gewöhnen. Dann jedoch stellt man fest, das schnell in diesem Falle nicht hektisch oder ausdrucksarm, kammermusikalisch nicht undramatisch (wie bei Norrington) heißen muss. Im Gegenteil: Man sieht hier vor dem geistigen Auge geradezu das ausverkaufte Theater an der Wien, in dem Emanuel Schikaneder den Papageno sang und Mozart das Glockenspiel bediente.
Herausragend auch die Besetzung: Insbesondere Kurt Streit ist der beste Tamino auf Platte seit Wunderlich, hat nicht nur eine schöne Stimme und gute Technik, sondern kann auch aus der Rolle wirklich etwas machen: Sein Tamino ist sowohl jugendlich als auch heldisch, dabei stilistisch makellos.
Großartig auch der Sarastro Sigmundsson: Eine wirklich "schwarze" Baßstimme, heute eine echte Rarität!
Barbara Bonney singt eine sehr süße, nicht zu naive Pamina, wirkt allerdings nicht ganz so souverän wie etwa Gundula Janowitz unter Klemperer.
Gilles Cachemaille singt einen guten, komischen, wenn auch nicht akzentfreien Papageno, wenn ihm auch das typisch wienerische eines Erich Kunz oder Walter Berry naturgemäß fehlt.
Sumi Jo ist nicht unbedingt von Haus aus eine dramatische Königin der Nacht (wie etwa Wilma Lipp oder Cheryl Studer), dafür technisch großartig und noch sogar besser, sprich ausdrucksvoller als in ihrer anderen Einspielung unter Solti. Erst in den mörderischen Koloraturenkaskaden der zweiten Arie vermisst man etwas das Drama, bewundert aber die Technik und schiere Stimmschönheit.
Hervorragend auch die Nebenrollen: Man könnte aus Priestern und Damen noch eine sehr gute komplette Zweitbesetzung basteln: Ruth Ziesak (1. Dame) war Soltis Pamina, Hakan Hagegard (Sprecher) der wunderbare Papageno im Bergman-Film, Petteri Salomaa unter Östman ein großartiger Figaro, Herbert Lippert (1. Priester) schon Tamino an der Wiener Staatsoper, Lilian Watson (Papagena) unter Harnoncourt die Konstanze. In dieser Beziehung kommt Östman hier also fast an den Luxus der alten Klemperer-Einspielung heran.
Man sollte diese Aufnahme auf jeden Fall kaufen - entweder als einzige oder zumindest als Zweitaufnahme.