Unter den neueren Aufnahmen der Zauberflöte gibt es keine, die dem Werk auf Schallplatte so viel Atmosphäre verleiht. Das liegt in erster Linie an Arnold Oestmans kammermusikalischer Sicht des Orchesterspiels, aber auch an der exzellenten Tontechnik dieser Aufnahme. Im Vergleich zu Oestmans unmittelbaren Konkurrenten, Mackerras, Christie, Norrington und Gardiner, ist es die Wärme des Orchesterklangs, die sofort bei der Ouverture zu spüren ist und die den heroischen Aspekt des Werkes in den Hintergrund drängt. Dies ist durchaus legitim, denn es handelt sich ja eigentlich um ein Singspiel; und Oestman akzeptiert als einer der wenigen diesen Interpretationsansatz.
Die Sängerbesetzung ist eher unspektakulär, aber werkgerecht. Barbara Bonney als stilvoll singende und einfühlsame Pamina ist allerdings herausragend. Enttäuscht bin ich einzig von Gilles Cachmailles Papageno, der schon recht abgesungen wird (Zudem wurde die dritte Strophe seiner Auftrittsarie nicht berücksichtigt). Während ein guter Papageno so manch eine schlechte Aufführung oder Aufnahme noch retten kann, so ist das hier ganz und garnicht notwendig, denn das Ensemble ist insgesamt sehr homogen.
Obwohl man Furtwänglers Salzburger Aufführungen, Karajans erste Aufnahme, oder gar einen der Livemitschnitte mit Wunderlich (Golden Melodram von 1960 Salzburg und 1964 München) kennen sollte, so ist das alles in allem, die beste Aufnahme seit Solti's erster Wiener Einspielung.