Die fünf Violinkonzerte des Wiener Klassikers Wolfgang Amadeus Mozart zählen zu den unumstrittenen Repertoireklassikern der Violinliteratur. Dabei handelt es sich bei diesen wundervollen Stücken durchweg um Jugendwerke Mozarts. In seinen späteren Jahren distanzierte er sich von dieser Gattung, weil er die Violine wohl nicht sonderlich mochte, auch wenn noch zwei weitere Konzerte existieren, deren Urheberschaft allerdings zweifelhaft ist. Das hielt ihn jedoch nicht davon ab, einige herausragende Konzerte zu komponieren.
Das erste Violinkonzert B-Dur KV 207 nimmt gewissermaßen eine Sonderstellung sowohl technisch als auch entstehungsgeschichtlich ein. Es ist aller Wahrscheinlichkeit nach nicht in einer Gruppe mit den anderen vier Konzerten entstanden. Der jugendliche Charme des Stückes lässt darauf schließen, dass es wesentlich früher als seine Schwesterwerke niedergeschrieben wurde. Von besonderer Eleganz und den galanten, mozartschen Stil bereits vorweg nehmend gebart sich das Adagio.
Das D-Dur-Konzert KV 211 entspricht ganz der Mode der Zeit. Mozart bedient hier vor allem die hohen Register der Geige und steigert sich bisweilen in hochvirtuose Passagen hinein. Das espritvolle Rondo macht den eigentlichen Reiz dieser Perle aus.
Alfred Einstein nannte das dritte Konzert in G-Dur KV 216 geradezu ein Wunder, und in der Tat weist diese Komposition nicht nur weit über ihre Zeit hinaus, sondern verleitet auch zu Trugschlüssen, was das Alter des Komponisten zur Zeit der Komposition anbelangt. Die Fülle an thematischen Motiven im einleitenden Satz versetzt den Hörer in wahres Staunen. Die Lyrik des langsamen Satzes ist von fesselnder Wirkung.
Das vierte Violinkonzert D-Dur KV 218 gerät da schnell ins Hintertreffen, obschon auch diese Komposition einen unwiderstehlichen, galanten Reiz auf den Hörer auszuüben vermag. Wiederum ist es vor allem der langsame Satz, dessen Singbarkeit sich durchaus mit der eines Beethoven vergleichen lässt.
Nicht ohne Grund gilt das fünfte und letzte Konzert A-Dur KV 219 als das beste der Gruppe. Diese Vorrangstellung liegt insbesondere im Finalmenuett begründet: Dieser Satz scheint vor Kraft, Vitalität und Dynamik beinahe überzusprühen. Selten wird man Mozart einfallsreicher gehört haben. Freilich hat das mit einem Menuett nicht mehr viel zu tun; Mozart beschreitet damit einen weiteren Schritt hin zur kunstvollen Stilisierung dieser Tanzart. Nicht zu vernachlässigen ist aber ebenso die pittoreske Lyrik des Adagios.
Eines der beliebtesten Stücke des Wiener und Salzburger Meisters ist seine Sinfonia concertante in Es-Dur KV 364 für Violine, Bratsche und Orchester. Der erste Satz ist ein kerniges Allegro maestoso, das den Kopfsätzen der späten Klavierkonzerte weder an Umfang noch an Qualität irgend nachsteht. Im dunkleren Andante webt Mozart einen zarten Klangteppich, über dem die beiden Solisten, die übrigens völlig gleichberechtigt sind, zu schweben scheinen. Das Rondo ist wegen seines Geistes, Witzes und Charmes nicht zu Unrecht berühmt geworden.
Die vorliegende Einspielung durch den Geiger Thomas Zehetmair, die Bratschistin Ruth Killius sowie das Orchestra of the Eighteenth Century unter der Leitung von Frans Brüggen (KV 211, 218 & 364) entstand im Rahmen eines Konzertmitschnittes in Brasilien in den Jahren 2000, 2002 und 2005. Man wird nicht umhin kommen, die geniale Aufnahmequalität zu loben. Die Atmosphäre dieser Einspielung erfüllt unverfälscht das Wohnzimmer, was sehr positiv ins Gewicht fallen muss.
Aber auch interpretatorisch betrachtet liefert Zehetmair hier ein Recital allerersten Ranges, das den Titel "Referenz" ohne Frage verdient hat. Er übertrifft Kremer/ Harnoncourt um Längen. Sein von tiefem Verständnis geprägtes Spiel, seine Hingabe und seine ästhetische Durchdringung suchen ihresgleichen. Die Kadenzen hat er selbst komponiert. Genau wie alle anderen Akteure musiziert er auf historischen Instrumenten, was einen lauteren, reinen und unverfälschten Klang produziert. Das Orchester erzeugt eine einzigartige, farbenprächtige und pointenreiche Atmosphäre, die authentischerweise jedwede Nuance dieser Werke voll Geist und Esprit wiedergibt. Akzente werden zuhauf gesetzt, was einen spannenden Vortrag gewährleistet. Dennoch bleibt die Interpretation stets vollkommen transparent und differenziert. Besonderes Lob verdient auch Ruth Killius, die sich in der Sinfonia concertante Zehetmair ebenbürtig erweist und unterstreicht, dass hier eine Messlatte vorgelegt wurde, die so schnell wohl nicht wieder übertroffen werden wird...