Renaud Capucon profitiert sicher von Aussehen und Marketing, aber er hat auch geigerisch einiges zu bieten. Ich kenne gar nicht so viele Aufnahmen mit ihm. Die Klaviertrios und die Klavierquartette von Brahms zusammen mit Bruder Gautier und Nicholas Angelich, fabelhaft gespielt, mit vollem, warmem Ton, durchaus nicht ohne eigenes Timbre.
Auch Mozart kann der Mann spielen. Erfreulich, dass er dem Charakter dieser Stücke auch seinen Stil anpasst. Er spielt um einiges luftiger, transparenter, schlanker, dabei trotzdem rund und gefällig. Ein wenig erinnert er mich an
Frank Peter Zimmermann in dessen Interpretation des G-Dur-Konzerts mit den Berliner Philharmonikern unter Wolfgang Sawallisch, durchaus eine erstklassige Referenz.
Der Solistenpartner in der Sinfonia concertante ist der Bratschist Antoine Tamestit, dem ebenfalls ein sehr schlanker, edler Ton eigen ist und den ich als hervorragenden Kammermusiker in Streichtrio-Aufnahmen mit Frank Peter Zimmermann und Christian Poltera schätzen gelernt habe. Capucon und Tamestit spielen das Mozart-"Doppelkonzert" ebenfalls wunderbar transparent, fein aufeinander abgestimmt, ohne erkennbare Allüren und Rivalität.
Die Begleitung übernimmt das hervorragende Scottish Chamber Orchestra, eines meiner Lieblingsensembles nicht zuletzt wegen vieler hochklassiger Aufnahmen unter Charles Mackerras. So ein bisschen ähnlich ist auch der Interpretationsansatz von Louis Langrée, dem neuen Leiter der Camerata Salzburg. Für mich war der Franzose bislang ein unbeschriebenes Blatt. Das Ergebnis seines Dirigats ist ein sehr prägnanter, akzentuierter und transparenter Stil, der damit gut zum Interpretationsansatz der Solisten passt. Die Tempi sind in den Ecksätzen flott, den Binnensätzen wird genügend Zeit zum Atmen gelassen. Das Gesamtergebnis fällt dabei weniger ruppig aus als bei
Carmignola und Abbado, hat für meine Begriffe etwas weniger Innenspannung als die Version
Kremers und Harnoncourts und ist fast zwangsläufig auch weit von der volltönigen, sonoren Kantabilität eines
David Oistrakh enfernt, dessen Interpretation mit den Berliner Philharmonikern (
Gesamtaufnahme in dieser Box) und zumal der Sinfonia concertante zusammen mit seinem Sohn Igor mein älterer Favorit bei diesen Stücken ist.
In jedem Fall kann man diese auch technisch bei guter Auflösung, sehr guter Balance und trotz der Kammerbesetzung vollem Klang sehr gut umgesetzte Aufnahme gut anhören, durchaus auch zum Einstieg.