Wollte man für die erste Dekade des Jahrhunderts einen Belcanto-Spitzenjahrgang ausloben, so wäre das ohne Zweifel der Jahrgang 2006. In diesem Jahr erscheinen Elina Garancas "Aria Cantilena", Juan Diego Flórez' "Sentimento Latino", Anna Netrebkos russisches Album und Magdalena Ko¸enás Mozart-Arien. Eines ihrer besten Alben - neben den wunderschönen Bach-Einspielungen.
(Die neueren Händel- und Vivaldi sind bei aller beauftragten Lobhudelei nicht wirklich überzeugend: Hier wird mit modernistischer Geste gegen den barocken Geist angekreischt.)
Die Qualität dieser und vieler weiterer Aufnahmen aus dem Jahre 2006 erklärt sich nicht allein aus dem Auftritt junger, eigenwilliger und sehr versierter Sänger und Sängerinnen, sondern auch daraus, dass ausnahmslos erstklassige Orchester und Dirigenten mitwirken.
Im vorliegenden Fall sekundiert Ko¸enás unverschämt sympathischer Lebenspartner Simon Rattle mit dem Orchestra of the Age of Enlightenment. Rattle, der es ja gern ein wenig krachen lässt, geht hier allerdings behutsam, feinfühlig und sehr nuanciert zu Werke. Dazu passt Magdalena Ko¸enás schöner, warmer, umgemein gewinnender Mezzosopran. Eine Kombination, die aus jeder Arie ein musikalisches Kleinod macht. Mozart neu entdeckt. Besonders gelungen: 'Voi che sapete (...) - ein Belcanto-Schlager und hier doch mit viel Gespür für die kleine musikalische Geste, für das Unaufdringliche in jeder Emotion zu Gehör gebracht. Auch die Textverständlichkeit gibt hier keinen Anlass zur Klage. Das hat in jüngster Zeit ja nicht immer so ganz geklappt.
Unterm Strich: eine wunderbare Bereicherung für den Mozart-Kenner und zugleich ein guter Einstieg für den "Mozart-Neuling". Klanglich übrigens ohne Fehl und Tadel.