Wer eine einzigartige Dokumentation zeitgenössischer Operninterpretation sucht, wird mit dieser Sammlung gut bedient. Die Salzburger Festspiele haben den gewaltigen Versuch unternommen, Mozats gesammtes Opernschaffen auf die Bühne zu bringen und dieses Vorhaben, bestens dokumentiert in dieser Sammlung, bestens bewältigt. Ausstattung und technische features bis hin zu den, in mehreren Sprachen verfügbaeen Untertiteln der Werke, erfüllen alle Wünsche.
Dass die Qualität der einzelnen Inszenierungen höchst unterschiedlich bewertet werdeen muss, liegt bei der großen Vielfalt an Künstlern, Interpreten und Regisseuren, in der Natur der Dinge. Dass die radikale Neuinterpretation eines vertrauten Werkes mitunter irritierend ja abstoßend wirken kann, ist eine Binsenweisheit; ein neuer Blickwinkel ist aber, auch wenn man den Blick letztenendes abstoßend findet, jedenfalls eine Bereicherunng.
Die Antwort auf die Frage, ob die völlige Entkernung eines Stückes, wie in der "Entführung", mit neuem Text und in vollkommener Verkennung von Inhalt und Aussage, noch Interpretation ist, oder ob sich hier nicht eher um Etikettenschwindel handelt, indem man einem völlig neuen Stück Mozarts Musik unterlegt hat, sei dem Berufenen überlassen. Ich bleibe nach Genuss dieses Werkes ratlos, und, auch wenn Mozarts Musik trotzdem alles überstrahlt, nicht verstört, nicht aufgewühlt, sondern nur enttäuscht zurück. Fazit: Obwohk ein Jahrhundertwerk, mehr als vier Sterne sind nicht drinnen.