Aus der Amazon.de-Redaktion
New Conception of Jazz hieß das Album, mit dem der norwegische Pianist, Komponist und Produzent 1999 weltweit Aufsehen erregte -- und das zu Recht, denn in der Tat entsprach die Musik darauf dem Titel der Platte. Als "Future Jazz" bezeichnet man seine äußerst gegenwärtige Mischung aus Deep House, Ambient, traditionellem und experimentellem Jazz seither paradoxerweise, die man ebenso als semielektronische Tanzmusik verstehen kann wie als modernen Jazz.
Auf Moving verschwimmt dieser Unterschied einmal mehr zu Gunsten einer noch höheren Homogenität. Dass das Album nicht ganz so brillant zu sein scheint wie sein Vorgänger, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als Fehleinschätzung. Denn Wesseltofts Auffassung von zeitgemäßer (Instrumental-) Musik in der Tradition des Jazz und vor allem ihr Erfolg öffnete ganzen Heerscharen ähnlich gelagerter Musiker und noch mehr Trittbrettfahrern Tür und Tor zum musikalischen Alltag. Der Trick an dieser Musik ist keiner und auch eine Revolution findet nicht statt. Wesseltoft ist einfach ein offener Geist, der die vielfältigen Erfahrungen, die er als Sideman von Leuten wie Jan Garbarek, Marlui Miranda, Terje Rypdal, Billy Cobham oder Eivind Aarset machte, wohlverstanden und gut mit den eigenen Vorstellungen verarbeitet hat. Sechs Stücke, kühler Groove von Siebziger-Fusion bis Drum & Bass, ausgiebigen ambienten Einleitungen, lyrischem Piano zwischen Corea, Evans und Satie und ein besonders feines E-Piano. Und wieder überzeugend. --Rolf Jäger
INTRO
Als ich vor zwei Jahren mit dem Soundbastler und Labeleigner aus Protest (Jazzland) Bugge Wesseltoft sprach, erzählte er leicht verschmitzt, dass der ironisch-großspurige Projektname New Conception Of Jazz Kritikern zumeist als Pawlowschen Reflex Miles Davis - genauer Bitches Brew - in ihre Texte spüle. Er selbst, Sohn eines Musikers, verehre Kind Of Blue ungleich mehr und empfahl mir, versuchsweise mal alte Herbie-Hancock-Platten wie Sextant aus dem Regal zu ziehen. Die hätten seine Soundvorstellungen mindestens so sehr inspiriert wie Detroit Techno. Heute, zwei Alben später, taucht der ominöse Terminus nicht mehr auf, jedenfalls nicht mehr auf der Vorab-CD für Kritiker. Das Soundkonzept macht aber genau dort weiter, wo Sharing aufhörte und geht genau den Schritt weiter, der das Herz schneller schlagen läßt. Moving beginnt wie eine der frühen Return-To-Forever-Alben der frühsiebziger Fusionphase mit Flora Purim (nebenbei: auch die aktuellen Blaze kennen sich in diesem Sektor sehr gut aus) und entwickelt sich dann federleicht, treibend, verspielt, atemberaubend zu einer eine sehr (jahres-)zeitgemäßen polyrhythmischen Deep-House-Variante. Höhepunkt ist dabei sicher der Zehnminüter Lone, der mit einer hymnischen Piano-Akkordfolge beginnt, um dann verschiedene Möglichkeiten zwischen House und Ethno-Ambient auszuprobieren, die letztendlich wieder zum Ausgangsthema zurückführen: vom Sessel in den Club und zurück. Und wenn tatsächlich mal ein Track etwas selbstgenügsam vor sich hin groovt, ist es beispielsweise der junge, begnadete Saxophonist Hakon Kornstad, der produktive Impulse zu setzen versteht. Ob Jazz oder nicht, ob neu oder nicht: Follow the Sound! (Don Ayler)
Ulrich Kriest / Intro - Musik & so
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