In diesem gewichtigen Buch sind mit großer Wahrscheinlichkeit die wichtigsten und interessantesten Filme besprochen, die von 2001 bis 2011 produziert wurden. Und dass ich zu dieser Einschätzung komme, liegt nicht nur am Umfang des Werks, sondern auch am Herausgeber Jürgen Müller, der einen Lehrstuhl für mittlere und neuere Kunstgeschichte an der Technischen Universität Dresden besetzt. Denn weil Jürgen Müller sein Herz zu einem großen Teil dem Film verschrieben hat, geht er beim Analysieren kinematographischer Geschichten mit so viel Leidenschaft ans Werk, dass er die Qualitäten eines Kunstwerks auch spürt. Dennoch, und das beweist die ausführliche Einleitung, betrachtet er jeden Film auch durch rational eingefärbte Brillengläser. Daher sind seine Ausführungen über die Zukunft des Kinos etwas vom Interessantesten, das ich in dieser kompakten Form über das Medium Film und seine Aufführungsorte gelesen habe. Seiner Diagnose, dass die erste Dekade des 21. Jahrhunderts wahrscheinlich das letzte Jahrzehnt sein wird, in dem das Massenmedium in seiner altbekannten Form Bestand hatte, kann ich leider nur zustimmen.
Nach der spannenden Einleitung beginnt die Vorstellung der zahlreichen Werke, die in den Köpfen der Filmliebhaber Spuren hinterlassen haben. Und weil dafür 800 Seiten zur Verfügung stehen, bleibt auch viel Platz für Bildmaterial, Zitate und Ausschnitte aus Kritiken. Zudem sind selbstverständlich sämtliche Angaben aufgeführt, die Filmliebhaber von einem solchen Werk erwarten. Die wissen allerdings auch, dass großformatige Aufnahmen von Standfotos nicht immer die Qualität haben, wie sie ein Kunstband bietet. Aber daran lässt sich nun mal wenig ändern. Einfluss hat ein Herausgeber dafür bei der Auswahl. Und die ist in den meisten Fällen gut bis sehr gut.
Die Inhaltsangaben sind von einer Länge, die genügend Raum lässt, um die Zusammenfassungen auf den Rückseiten von DVDs vergessen zu lassen. Und da Jürgen Müller nicht einfach die Pressetexte der Filmgesellschaften übernommen hat, erfährt der Leser auch vieles, was ihm den Entscheid zum Kauf eines Films erleichtert. Zudem sind die Texte eine gekonnte Mischung aus Inhaltsangabe, Interpretation und Kritik.
Nach dem letzten vorgestellten Film "True Grit" folgt ab Seite 832 ein ausführlicher und informativer Anhang. Die Aufzählung der Academy Awards, besser bekannt unter dem Begriff "Oscars", beginnt mit dem Jahr 2002, da ja immer die Filme des Vorjahres ausgezeichnet werden. Also betreffen die letzten Eintragungen dieses Kapitels das Jahr 2011. Der folgende Filmindex ist nach den deutschen Verleihtiteln geordnet. Und wer nach Personen sucht, die an der Produktion eines Films beteiligt waren, wird im vierzehnseitigen Register fündig. Ganz zum Schluss führt Jürgen Müller noch alle Autoren auf, die ihn bei der schriftlichen Vorstellung der 139 Filme unterstützten.
Mein Fazit: Für Filmliebhaber schon beinahe ein Muss, um sich im Produktionswirrwarr zurechtzufinden und bei der Wahl sehenswerter Filme beraten zu lassen. Profitieren von Lektüre können aber auch Filmkritiker, von denen es auf dieser Plattform ja einige gute gibt. Und um ein Handwerk noch besser zu beherrschen, können Musterbeispiele nie schaden. Mir gibt das Buch wertvolle Hinweise, welche Geschichten sich eventuell im kollektiven Gedächtnis verankern konnten. Geschrieben wurde dieses 864 Seiten umfassende Werk mit viel Sachverstand und Leidenschaft.