In der vielfältigen Jazz-Club-Reihe aus dem Hause Universal gibt's mit dieser CD nun nach
Disco Jazz (Jazz Club) eine weitere Compilation zum Thema "Crossover von Jazz und Discomusik der späten 70er" - hier liegt der Schwerpunkt auf Adaptionen bekannter Filmmusikthemen im Discosound. Manche der hier versammelten Namen mögen in diesem Kontext durchaus überraschen (Peter Herbolzheimer, Lalo Schifrin), andere wiederum sind unverzichtbare Dauerlieferanten im Genre (Meco, Giorgio Moroder). Da die Discomusik stärker als andere Stile einem bestimmten rythmischen Korsett unterliegt, mag man eventuell von einem Ermüdungseffekt bei längerem "Discomuckedauerbeschuss" ausgehen - man vergesse jedoch nicht, dass die hier aufspielenden Akteure Könner der Arrangeurszunft sind und somit für Qualität bürgen. Die 13 versammelten Aufnahmen stammen aus den Jahren 1974 bis 1980.
Mit gleich 5 Tracks ist auf dieser Scheibe der amerikanische Produzent MECO (eine einprägsame Kurzform seines Namens Domenico Monardo), dessen größter Hit - ein fetziges Arrangement des John-Williams-Kulthits "Star Wars Theme" - gleich den Anfang macht. Folgerichtig legte er mit "The Empire Strikes Back", hier in Form des Medleys "The Imperial March / Yoda's Theme", nach und nahm sich auch des bekannten "Theme From The Black Hole" an, das ursprünglich John Barry komponiert hatte. Auch an dem für den ersten Kinofilm des Franchise von Jerry Goldsmith komponierten "Love Theme From Star Trek" kam Meco nicht vorbei und verpasste ihm ein tanzenswertes Abendkleid. Zum Abschluss dieser CD kredenzt Meco dann das wiederum von Williams geschriebene "Theme From Close Encounters". Alle Meco-Tracks zeichnen sich durch ihren hohen Tanzbarkeits-Faktor aus, ebenso charakteristisch ist die Verwendung irrer und dem jeweiligen Film entliehener Soundeffekte (die noch dazu in brachialem Stereo quer durchs Wohnzimmer 'flanken'). Mal knallhart, mal californisch easy - immer im richtigen Ton. Arrangiert wird hier natürlich von Meco sowie seinem kongenialen Partner Harold Wheeler.
Mit zwei Titeln sind der schwergewichtige Bandleader BARRY WHITE und sein LOVE UNLIMITED ORCHESTRA dabei, die sowohl das John-Barry-Stück "Theme From King Kong" (bisher nur auf einer raren 12-inch erhältlich) als auch John Williams' weltberühmtes "Theme From Superman" auf die Tanzfläche beamen und gefällig gute Laune verbreiten.
Ebenfalls zwei Tracks gibt's von der Formation RHYTHM HERITAGE, die mit dem passecht arrangierten "Three Days Of The Condor" (eine Dave-Grusin-Komposition) Zeit zum Verschnaufen einräumen und einen ruhigen, doch trotzdem stilisiert-druckvollen Slowbeat offerieren. Das "Theme From Lipstick" (Michel Polnareffs größter Hit überhaupt) wird unter ihren Instrumenten ebenfalls zu einem reinen Vergnügen, versetzt mit vielen Streichern und melodieführender Synthiekaskade. In der Studio-Line-Up sitzen Größen wie Lee Ritenour, Tom Scott, Ernie Watts und Chuck Findley.
Ruhig angehend lässt es auch die PHILHARMONIC 2000 mit ihrer als "Moonshine" benannten Version der von Claude Debussy komponierten "Clair de lune", ein Track, der in einem guten Dutzend Filme des 20. Jahrhunderts wirksam verbraten wurde.
Auf dem Filmterrain bestens bewandert ist natürlich Großmeister LALO SCHIFRIN, der hier durch eine, facettenreich arrangierte und mit großem Orchester vorgetragene Version von Maurice Ravels großem Hit "Bolero" begeistert. Gespielt wird dieser Track, der einst nur auf einer seltenen Single erschien, von Top-Playern der Westküste wie Dick Nash, Ray Parker, Wilton Felder und Paul Humphrey - toll auch, dass die ausgeflippten Keyboard-Passagen von Schifrin selbst georgelt werden.
Seltenheitswert hat auch die hier kompilierte Aufnahme (sie erschien nur einst auf Polydor als Single) von Richard Strauss' "Also sprach Zarathustra", bekannt geworden durch die exponierte Verwendung im Kubrick-Klassiker "2001 - A Space Odyssey". Hier wird dieses Stück vom GALACTIC LIGHT ORCHESTRA interpretiert, einer Band unter der Leitung des leider erst kürzlich verstorbenen Peter Herbolzheimer, die sich betont dem Jazzrock hingiebt und mächtig Spaß macht: Kein Wunder, ließt sich doch die Liste der Musiker wie Who-is-Who der damaligen Studioszene: neben Herbolzheimer sorgen hier Rick Kiefer, Ack van Rooyen, Art Farmer, Ake Persson, Jiggs Whigham, Herb Geller, Ingfried Hoffmann, Dieter Reith und viele andere für den richtigen Drive. Wer sich für Herbolzheimers beste Jahre als Leiter der Ryhthm Combination & Brass interessiert, lege sich dieses wundervolle Box-Set zu (
Big Band Man - The MPS & Polydor Studio Recordings).
Abgerundet wird die Scheibe von einer über 16 Minuten dauernden Suite von Stu-Philips-Themen aus der Fernsehserie "Battlestar Galactica", exakt sind dies "Theme From Battlestar Galatica / Destruction Of Peace / Transmitter, Pt. 1 / Adama's Theme / It's Love, Love, Love / Transmitter, Pt. 2 / Exploration / Theme From Battlestar Galactica". Hier entfaltet der Erfinder des Disco-Sounds GIORGIO MORODER sein volles Potential, ein herrliches Amalgam aus spätem Philly-Beat, fetten Gitarren, flirrenden Streichern, schrägen Synthies und feurigen Bläsern - untermalt von einem straffen Beat, der noch jede Tanzfläche aufmischt; egal ob in München oder auf dem Jupiter. Kein Wunder, spielen hier doch Spitzenkräfte wie Harold Faltermeyer, Mats Björklund, Keith Forsey oder Giuseppe Solera.
Machen wir's kurz: über 60 Minuten Movie-Disco vom Feinsten, in sattem Stereo - aus einer Zeit, als Stereo noch etwas bedeutete - zu einem unschlagbaren Preis. Man setze sich ins Wohnzimmer, lege die CD auf und hebe ab ... diese Platte reicht als Untermalung mindestens bis zur nächsten Galaxis.