Drama um eine jugendliche Ausreisserin, die sich in ein Hilfsprojekt für drogenabhängige Obdachlose flüchtet. Die schöne, neue Welt entpuppt sich als sektenähnliche Strafkolonie unter dem Psycho-Terror eines Egomanen, die schliesslich ein Todesopfer fordert. Während die Mehrheit in der neuen Abhängigkeit verharrt, wagen nur die Protagonistin und zwei weitere Mitstreiter den Ausstieg in die Selbstbestimmung.
Die Hauptrolle wird von Ellen Page souverän ausgefüllt, sie ist allerdings nicht besonders dialoglastig und nimmt stellenweise die Position eines Beobachters ein. Neben ihrem und Maxwell McCabe-Lokos' Charakter bleiben jedoch nahezu alle anderen Figuren in der Darstellung leider etwas zu sehr im Hintergrund. Motivationen und Hintergründe muss man daher mehr erahnen, als sie erfahren zu können. Tempo, Schnitt und Photographie sind durchaus gut; lediglich Licht und Schatten kommen stellenweise ins Ungleichgewicht. Auch die vielgescholtenen Choreographien mögen zwar ungewöhnlich sein, stellen aber keinesfalls irgendwie anorganische Elemente dar. Der Soundtrack ist nicht nur in diesem Zusammenhang als gelungen zu bezeichnen. Die bedrückende Thematik findet zu einem hoffnungsvollen, aber dennoch kitschfreien Ende.
Da ich mir die kleine Kanadierin in noch so winzigen oder absurden Rollen ansehe, war ich von "Mouth to Mouth" ehrlich überrascht. Angesichts teils vernichtender Kritiken erwartete ich einen Beinahe-Totalausfall. Stattdessen wird ein anspruchsvolles Thema glaubwürdig und zugänglich behandelt. Im Debüt der Regisseurin muss man kein Meisterwerk sehen, es liegt aber weit über dem Niveau der meisten Studio- oder Independent-Produktionen.
Die DVD enthält als Bonus ein paar Minuten "Behind the Scenes", sie zeigen die Schauspieler beim Proben der Choreographien sowie die private Reaktion der Hauptdarstellerin in einer Schlüsselszene.