Selten trifft die Beschreibung der Plattenfirma den Nagel so sehr auf den Kopf wie hier: "Wiener Schmäh und Schweizer Lust am Spleen verwandeln Landler und Jodler in Hit-verdächtigen Power-Jazz." - Dem ist an dieser Stelle kaum etwas hinzuzufügen, außer einer nachdrücklichen Kaufempfehlung für diese CD, die nur zwei Jahre nach "Reloaded" den Jazz erneut herab holt vom Berg, von den Almwiesen, hinunter in die Täler und Städte, wo diese Musik möglichst viele Zuhörer finden sollte, weil sie zwar einerseits in einer grandiosen Tradition steht - ich denke hier vor allem an die US-amerikanische Formation Air mit Henry Threadgill, Fred Hopkins und Steve McCall -, diese aber gleichzeitig mit einem unverkennbar eigenen Idiom versieht, das von Harry Sokals Wundertütengebläse ebenso gespeist wird wie von Heiri Känzigs unaufhörlich pulsierendem Bass und Jojo Mayers filigranem Power-Drumming. Aus dieser Schatzkiste einzelne Juwelen hervorzuheben, kann den anderen Schätzen gegenüber nur ungerecht sein; trotzdem seien hier zwei persönliche Highlights genannt: Neben dem süchtig machenden "Nightbreeze" (nur mit der Repeattaste zu ertragen) ist das in meinem Fall "Wenn min Schatz go fuetere goht" - ein Appenzeller Jodler, von Känzig und Sokol auf eine unglaublich intime, geradezu ergreifende Weise in (die Jazz-)Szene gesetzt. Noch ein Fall für die Repeattaste, also - wie die ganze CD.