An Samuel Shem's Erstling "House of God" habe ich mich aus purer Neugierde rangetraut, da es ja seinerzeit immer als Kultroman angepriesen wurde, denn mit Medizin habe ich so gar nichts am Hut. Die Neugier hat sich ausgezahlt, "House of God" ist eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe. Trotzdem mir die Hauptfigur des Romans, Dr. Roy Basch, menschlich überhaupt nicht genehm ist, bin ich so gefesselt gewesen, daß ich mir "Mount Misery" zugelegt habe und wieder bin ich nicht enttäuscht worden. In diesem Fortsetzungsroman von "House of God" geht es darum, daß ein junger Arzt (Dr. Basch), der sich für die Psychatrielaufbahn entschieden hat, sein erstes von drei Lehrjahren an der renommierten psychatrischen Klinik "Mount Misery" verbringt und die verschiedenen Abteilungen der Klinik durchläuft für jeweils ein Vierteljahr, wie z. B. Psychopharmakologie, Suchtstation, etc. Auch hier bin ich immer noch nicht sehr angetan von der Hauptfigur Basch-die Art und Weise wie er Familie, Freunde und vor allem Freundin behandelt, machen ihn mir eher unsympathisch, doch die ganze Story macht das Buch zu einem Meisterwerk. Auch dieser Roman lässt sich für Nichtmediziner sehr gut lesen. Er ist sehr beklemmend, düster und es geschehen ungeheuerliche Dinge in "Mount Misery". Ärzte und Doktoren, karrieregeil, denen Geld wichtiger ist, als Menschen zu helfen. Verbotene pharmazeutische Tests an Mensch und Tier bei lebendigem Leibe. Statt Therapiegespräche zu führen stopfen die Ärzte ihre Patienten mit Medikamenten voll und setzen sie unter Drogen. Vergewaltigen und Gewalt zwischen Ärzten und Patienten und auch im Kollegenkreis. Mobbing, etc. Das alles wird so anschaulich verdeutlicht, daß es einem beim Lesen kalt den Rücken runterläuft und wenn man als Nichtmediziner so gar keine Vorstellung von den Abläufen in Kliniken und Anstalten hat, ist man doch einigermaßen schockiert, ob der Dinge, die dort geschen. Ich war so ans Buch gefesselt, als ob ich die ganze Zeit neben Dr. Basch stehe und mit ihm leide und verzweifle und mich in einigen wenigen Situationen sogar freuen kann. Trotz aller Abartigkeiten konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen. Genial. Ein Meisterwerk.