Dem muss ich mich (leider) anschließen - Ich hab die Demo von Warband gespielt und hatte dementsprechend große Erwartungen an Fire and Sword (ja, ich wollte auch unbedingt Schusswaffen ;-) ), auch das historische Setting klang vielversprechend: Der Übergang vom Schwert- zum Pulverzeitalter; Schusswaffen als besondere Raritäten, unzuverlässig, umständlich zu handhaben, aber dennoch auf dem Vormarsch.
Tja, und jetzt bin ich stolzer Besitzer der Collector's Edition von Fire and Sword, um 40¤ ärmer und ziemlich enttäuscht. Die meisten Kritikpunkte wurden bereits von Vorpostern erwähnt; ich zähle die für mich relevantesten auf:
Das Spiel ist weniger umfangreich als der Vorgänger;
selbst an Schlachten teilzunehmen kommt in 70% der Fälle einem Selbstmord gleich und
das neue Rekrutierungssystem mag vielleicht historisch korrekt sein, dämpft aber den Spielspaß drastisch.
Stichwort Truppen: Wegen der hohen Verschleißrate in den eigenen Reihen ist es sehr schwierig, aus unerfahrenen Rekruten Stück für Stück eine hochgerüstete Truppe auszuheben. Schade drum, denn das machte für mich bei Warband ein gutes Stück des Spielcharmes aus.
Das Gefühl, Anführer zu sein, geht in FaS weitestgehend verloren, unter anderem da man - wie bereits erwähnt - das heroische Anstürmen mit angelegter Lanze bleiben lassen sollte, sofern man vorhat, die Schlacht zu gewinnen. Auch die Möglichkeit, das Schlachtenglück durch die eigenen Handlungen auf dem Schlachtfeld zu beeinflussen, geht weitestgehend verloren, da eine verirrte Kugel auch den größten Krieger zu Fall bringt. Das ist zwar realistisch, dem Spielspass ist es allerdings eher abträglich.
Bögen und Wurfwaffen (abgesehen von den vollig überteuerten Granaten) sind damit weitestgehend sinnlos geworden, da vergleichsweise ineffektiv; die höhere Schussrate wird meist durch die Anzahl an feindlichen Musketen und die höhere Wirkung des Einzelschusses ad absurdum geführt.
Somit ist die größte Neuerung - die Schusswaffen - gleichzeitig der größte Streitpunkt des Spiels. Die einen werden mi dem Risiko "der Kugel aus dem Nirgenwo" und dem Truppenverschleiß wie zu Napoleons Zeiten leben können, ich empfinde es eher als störend: Wären es wirklich, wie ich ursprünglich erwartet hätte, die Anfänge des Pulverzeitalters gewesen, in der primitive Schusswaffen der noch kaum verbreitete Emporkömmlinge auf dem vom Schwert und Bogen beherrschten Schlachtfeldern waren, wäre ich wahrscheinlich hellauf begeistert.
Leider scheint hier die historische Autentizität etwas einzubrechen, denn bei FaS nennt nahezu jeder umherziehender Wegelagerer mindesten eine Muskete sein Eigen. Nur bei den Waffenhändlern herrscht historische Korrektheit; für den Spieler sind Schusswaffen selten und teuer. Diese Balancing-Kluft versetzt dem Spielspass - meiner Meinung nach - einen gehörigen Dämpfer.
Dennoch soll damit allerdings nicht gesagt sein, das Fire and Sword ein schlechtes Spiel ist; es hat durchaus seine Qualitäten, allen voran der Realismusgrad. Nur irgenwie hab ich mich im Mittelalter wohler gefühlt.
Ich möchte allen, die sich überlegen, Fire and Sword zu kaufen , sich vorab Warband anzusehen; eine Demo ist vom Hersteller oder über Steam verfügbar. Stichwort Steam: Das Spiel muss aktiviert werden und kann auch für 15¤ direkt über Steam bezogen werden.
Zum Thema Collector's Edition:
Die Verpackung ist - wie bereits beschrieben - nicht ganz so edel; Karte und "Artbook" wirken recht anständig, sind aber nicht ganz das, was ich mir erwartet hätte. (Punkto Artbook stimme ich meinem Vorposter vollkommen zu; die Screens der Ladebildschirme zusammenzuheften, machen noch kein Artbook.)
Für den Film habe ich noch keine Zeit gefunden, daher kann ich dazu noch nichts sagen.
Der Soundtrack ist - wie nicht anders zu erwarten - die Hintergrundmusik des Spiels; sowohl kurze Stücke, wie die Untermalungen zu Sieg und Niederlage, als auch die längeren Melodien sind enthalten.
Dass der CE der Urvater "Mount & Blade" beiliegt, stimmt mich wieder etwas versöhnlicher.