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Wie schon in Strictly Ballroom und in William Shakespeare's Romeo & Julia, seinen beiden anderen vom Theater und seinem Pomp inspirierten filmischen Extravaganzen, ist auch diesmal alles und jeder angehalten, die Grenzen von Zeit und Struktur zu sprengen. Alles und jeder schaukelt in diesem schnell geschnittenen Strudel der Verzückung wild hin und her, um schließlich zu kollidieren. Dabei spielt es einfach keine Rolle, dass Elton Johns "Your Song" aus den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts stammt, obwohl die Handlung doch im Jahr 1899 angesiedelt ist.
Nichts in dieser kaleidoskopartig angelegten, von Absinth-Träumen inspirierten Liebestragödie ist neu -- die Worte, die Musik, alles hat man schon einmal gehört. Aber hat Luhrmann sie erst einmal durch den Filter seiner Liebe zu Popsongs und zu einem zeitlosen darstellerischen Bombast geschickt, verliert ein Begriff wie Originalität jede Bedeutung. Man wird vielmehr an die Macht des Kinos erinnert, das sich erneuern kann, indem es ausgiebig seiner Vergangenheit huldigt.
Ob Baz Luhrmanns Konzept nun im Großen und Ganzen aufgeht, darüber kann man sich äußerst heftig streiten. Außerdem kann man sich fragen, wie man die Choreografie des Films würdigen soll, da sie doch durch ein die menschliche Aufnahmefähigkeit sprengendes Schnitt-Tempo in winzige Bröckchen und Stücke zerhackt worden ist. Aber trotz allem besteht da ein ganz besonderes, aufrichtiges Band zwischen seinen beiden Stars Ewan McGregor und Nicole Kidman, die einen armen Poeten und das unerreichbare Objekt seiner Begierde verkörpern. Außerdem beeindrucken die beiden gerade durch ihre Gesangsnummern. Sie können stimmlich sogar mit Luhrmanns rasantem Stil mithalten und gehen nicht unter in dieser Orgie außergewöhnlicher Sets, strahlender Kostüme und digitaler Zauberei.
Was neu und aufregend an Moulin Rouge ist, mag im Verlauf des Films etwas verblassen, seine Hingabe an einen perfekt vermarktbaren Soundtrack mag etwas sehr oberflächlich erscheinen, aber Luhrmanns Einfallsreichtum bringt an Ekstase grenzende Momente hervor, in denen die Bilder wie die Töne einem dahinsiechenden Genre den Weg zu einem neuen, höchst willkommenen Leben weisen. --Jeff Shannon
Die Geschichte allerdings von einer unsterblichen, aber tragischen Liebe ist sicherlich nicht neu, sie ist schon hundert mal dagewesen und wäre in jeder anderen bekannten Form sicherlich platt. Wenn man aber eine so außergewöhnliche Umsetzung wie diese zustande bringt, kann die alte Geschichte zu einem Meisterwerk und Pionierarbeit leisten, und letztendlich ist die alte Geschichte auch deswegen so oft erzählt, weil sie den Menschen so schön zu Herzen geht. Moulin Rouge erzählt die Liebesgeschichte vor einer knallbunten, pompösen Kulisse, die Charaktere und ihre Motive sind idealisiert und überzeichnet, und die ergreifendsten -und komischsten- Momente werden nicht vorgesprochen- sie werden gesungen. Diese Merkmale erinnern am ehesten an Zeichentrickfilme, und tatsächlich hat Moulin Rouge den Touch eines Disneymärchens.
Die erste halbe Stunde ist besonders schrill ausgefallen- der Zuschauer wird mit Bildern und Text regelrecht zugeballert, wovon er sich aber nicht abschrecken lassen muß, wenn man den Film zum zweiten Mal sieht, kommt einem der Anfang schon viel genießbarer vor, und außerdem lohnt sich das Warten auf den folgenden, besinnlichen Teil, der eine Liebesgeschichte erzählt, die einfach zum Heulen schön ist.(Ich heule fast nie bei Filmen, ich weiß, wovon ich rede).
Dazu trägt auch die geniale Besetzung bei- Kidman und McGregor sind die Rollen der Liebenden auf den Leib geschnitten (Baz Lurman hatte die Liebenden bereits in den Schauspielern gesehen, bevor er mit dem Drehbuch angefangen hatte), und ihre Liebe zueinander ist so überzeugend, dass 90% aller, mit denen ich Moulin Rouge gesehen hatte, überzeugt waren, dass es zwischen den beiden tatsächlich "gefunkt" habe (was aber tatsächlich nicht der Fall war). Und die beiden erweisen sich als wahre Stimmwunder. Ob sie nun über Sinn und Unsinn der Liebe (singend!) duellieren oder sich (singend!) ewige Liebe schwören- ihre Stimmen sind ein Ohrenschmaus, und die überaus überraschenden Interpretationen sämtlicher Popsongs wirklich originell, aber immer genau auf den Film abgestimmt.
Die restliche Besetzung ist sehr originell- Zwerge, Transvestitenautoren, sexy Absynthfeen (dargestellt von Kylie Minogue) und ein einem Zirkusdirektor gleichender Bordellvater gehören zur erstaunlichen Besetzung.
Insgesamt ein wahres Feuerwerk und Meisterwerk von einem Film. Übrigens im Original (englisch) noch besser.
Zum Inhalt braucht man nichts mehr zu sagen. Einfach wundervoll und die Lieder erst, ich summe sie ständig vor mich hin.
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