Über den Film Moulin Rouge scheiden sich die Geister- die einen finden ihn zu schrill, zu kitschig, zu platt, die anderen lieben ihn. Ich gehöre zu letzteren- Moulin Rouge gehört zu meinen absoluten Lieblingsfilmen.
Dennoch kann ich auch solche verstehen, denen der Film nicht zusagt. Viele gehen mit falschen Vorstellungen in diesen Film, was naheliegend ist- denn einen Film wie diesen hat es noch nicht gegeben.
Moulin Rouge ist in kein Genre einzuteilen, und so wurde Baz Lurman zugesprochen, mit seinem Film ein neues Genre geschaffen zu haben. Und dieses hat er mit absoluter Perfektion geschaffen.
Die Geschichte allerdings von einer unsterblichen, aber tragischen Liebe ist sicherlich nicht neu, sie ist schon hundert mal dagewesen und wäre in jeder anderen bekannten Form sicherlich platt. Wenn man aber eine so außergewöhnliche Umsetzung wie diese zustande bringt, kann die alte Geschichte zu einem Meisterwerk und Pionierarbeit leisten, und letztendlich ist die alte Geschichte auch deswegen so oft erzählt, weil sie den Menschen so schön zu Herzen geht. Moulin Rouge erzählt die Liebesgeschichte vor einer knallbunten, pompösen Kulisse, die Charaktere und ihre Motive sind idealisiert und überzeichnet, und die ergreifendsten -und komischsten- Momente werden nicht vorgesprochen- sie werden gesungen. Diese Merkmale erinnern am ehesten an Zeichentrickfilme, und tatsächlich hat Moulin Rouge den Touch eines Disneymärchens.
Die erste halbe Stunde ist besonders schrill ausgefallen- der Zuschauer wird mit Bildern und Text regelrecht zugeballert, wovon er sich aber nicht abschrecken lassen muß, wenn man den Film zum zweiten Mal sieht, kommt einem der Anfang schon viel genießbarer vor, und außerdem lohnt sich das Warten auf den folgenden, besinnlichen Teil, der eine Liebesgeschichte erzählt, die einfach zum Heulen schön ist.(Ich heule fast nie bei Filmen, ich weiß, wovon ich rede).
Dazu trägt auch die geniale Besetzung bei- Kidman und McGregor sind die Rollen der Liebenden auf den Leib geschnitten (Baz Lurman hatte die Liebenden bereits in den Schauspielern gesehen, bevor er mit dem Drehbuch angefangen hatte), und ihre Liebe zueinander ist so überzeugend, dass 90% aller, mit denen ich Moulin Rouge gesehen hatte, überzeugt waren, dass es zwischen den beiden tatsächlich "gefunkt" habe (was aber tatsächlich nicht der Fall war). Und die beiden erweisen sich als wahre Stimmwunder. Ob sie nun über Sinn und Unsinn der Liebe (singend!) duellieren oder sich (singend!) ewige Liebe schwören- ihre Stimmen sind ein Ohrenschmaus, und die überaus überraschenden Interpretationen sämtlicher Popsongs wirklich originell, aber immer genau auf den Film abgestimmt.
Die restliche Besetzung ist sehr originell- Zwerge, Transvestitenautoren, sexy Absynthfeen (dargestellt von Kylie Minogue) und ein einem Zirkusdirektor gleichender Bordellvater gehören zur erstaunlichen Besetzung.
Insgesamt ein wahres Feuerwerk und Meisterwerk von einem Film. Übrigens im Original (englisch) noch besser.