Merkwürdig. Habe das Buch schon länger. Habe es "irgendwie übersehen".
Das ist wohl die Crux des Werkes: es ist (zu) bescheiden und unauffällig.
Die "negativen" Seiten zuerst: Die Fotos sind teilweise etwas dunkel. Das "layout" (-gibt es dafür kein deutsches Wort ?) ist sehr schlicht und schmucklos, das heisst z.B. dass die Texte keinen gut sichtbaren Anfang haben (z.B. durch Initialen oder (farbige) Überschriften). Bildunterschriften und Fließtext unterscheiden sich nicht ausreichend. Auch ist die Aufteilung der Seiten zwar den Bildern zuträglich, nicht aber der Lesbarkeit.
Was die Auswahl der Fahrzeuge angeht, so kann man sich auf den Standpunkt stellen, dass diese eher wahllos und ohne "Roten Faden" ist.
Ich möchte aber lieber die Seite vertreten die da behauptet, dass man kaum besser hätte Wählen können.
Wäre der Untertitel in irgendeiner Weise lexikalisch ("...alle...", "...der Länder...", "...von A bis Z..."), so würde sicher vieles fehlen.
Ginge es um bestimmte Konzepte oder die Entwicklung des Rollers an sich - tja, vielleicht noch schwieriger, denke ich.
Die Auswahl, die unter dem Untertitel "80 Scooter-Modelle von 1945 bis 1977" (- bei mir steht tatsächlich 1977 !) getroffen wurde, ist großartig.
Einige "verkleidete Mopeds", einige Exoten, die man in wenigen anderen Büchern sieht, und alle (?) alten Bekannten mit den - mehr oder weniger - kleinen Rädern.
Ohne die "Exoten" (Achilles, HMW, Servos, Piatti) wäre die Bandbreite eher "langweilig".
Ohne die "Bekannten" wäre es kein Rollerbuch... .
Die Fotos sind, wie der Autor schreibt, fast alle selbst geschossen - und sehr gut !!! Sie zeigen Blickwinkel auch von bekannten Fahrzeugen, die man sonst nicht sieht (setzen also z.B. auch das Maicomobil und "das" Bastert (-Einspurauto) sehr gut in Szene !), sie sind scharf und kontrastreich, zeigen schön Licht und Farben.
Verschiedene Perspektiven, geöffnete Hauben, patinierte Aluteile - besser geht es kaum !
Dass manchmal die Besitzer der Roller zu sehen sind, vor allem aber dass es nicht nur (über-) restaurierte, sondern teilweise "alltagsgezeichnete" Roller zu sehen gibt, macht den Reiz der Darstellungen aus.
Der Text ist, so wie ich es sehe, von Anfang an sehr offen, nüchtern aber nicht lieblos, trotzdem neutral und kompetent.
Die Einleitung mit dem Versuch der Definition und der Geschichte der "scooter" ist eine der besten, die ich je gelesen habe, vor allem in ihrer sicheren Kürze, der Offenheit und Sachlichkeit.
Vielleicht hätte ich gerne, zur besseren Vergleichbarkeit, je eine Tabelle mit den - durchaus weitreichenden - Daten des einzelnen Rollers. Und möglicherweise wäre es gut gewesen, für einige Fahrzeuge nicht damit zufrieden zu sein, einen Prospekt zu reproduzieren.
Andererseit hält sich dieses Buch genau damit fast in der Waage zwischen den Schrader-Werken, Rönickes "Deutsche Motorroller" und den - im direkten vergleich stark abfallenden - "Nachschlagewerken" der Dregni-Brüder und dem "Motorroller von A bis Z"-"Lexikon" vom Heel-Verlag, die wohl eher der Quantität der Fabrikate wegen interessant sind.
Ich selbst habe den vollen Preis für das Buch bezahlt. Ich würde ihn wieder bezahlen.
Aber für weniger Geld ist das Buch wirklich ein "Muss", egal ob als fundiertes Einsteigerwerk oder als Ergänzung anderer Bücher - vor allem wegen der tollen Fotos und der kompetenten Stellungnahmen des Autors.
Das Buch hat es verdient, (besser) beachtet zu werden.
Eine zweite Auflage (...) mit etwas mehr "layout" wäre grandios !
(Es spricht natürlich nicht für den Autor/den Verlag dass der "Bernardette"-Roller zum "Bernadette"-Roller wurde, trotz vielfach sichtbarer Schriftzüge...)