Mir ist diese Rezension so wichtig, dass ich sie neu schreibe. Das Buch ist zu teuer, als dass man sich einen Fehlkauf leisten könnte.
Ich habe mich mehr auf die geschriebenen Inhalte konzentriert und festgestellt, dass eine Bewertung unglaublich schwierig ist.
Die Texte, seien es die Einleitung, die Bildunterschriften oder die Beiträge im "Nachschlageteil", sind zu ungefähr 85 % kaum lesbar.
Es ist wirklich so, dass sich bei mir im Lesen die Haare gesträubt haben.
Die meist kurzen Beschreibungen sind entweder auf Dauer unerträglich subjektiv (- und dabei meistens extrem abwertend !!), sehr oft ("rein technisch" und/oder sprachlich) unklar oder auch unverständlich, teilweise sinnlos weil ohne Informationsgehalt, oft aber auch schlicht falsch.
Viele Begrifflichkeiten oder "Fakten" sind nicht erläutert ("Neimann-Feder") oder nicht nachvollziehbar vergleichbar ("Doppelwiegenrahmen" oder "Doppelrohrrahmen" sind noch die einfachen Beispiele).
Manchmal auch alles gleichzeitig. Je länger man liest, desto mehr hanebüchene Dinge fallen auf.
Die Länge und Gewichtung der Beiträge sind zeitweise unglaublich unausgewogen :
Für einen relativ einfachen Roller ohne große Besonderheiten wird oft sehr detailgenau (...genau ??) und ausführlich erläutert, während eine Marke oder ein Fahrzeug, welche anscheinend wenig bekannt sind, mit einem lapidaren ("natürlich" oft abwertenden...) Satz "abgetan" werden.
Manches Bild lässt sich nur sehr schwer dem entsprechenden Textbeitrag zuordnen.
Vieles liegt sicher an der - anhand von Satzbau und Zusammenhang (-slosigkeit) nachweislich katastrophalen - Übersetzung.
Oft möchten auch, meiner Meinung nach, die Autoren den ironisch-bissigen Ton der Dregni-"Scooter-Bible" imitieren. Schon dieser wirkt auf mich streckenweise überzogen und dem Leseerlebnis wenig förderlich.
Meistens aber handelt es sich, wie ich glaube, um einem unglaublich nachlässigen Umgang mit den Fakten, Zusammenhängen und Bewertungen der Fahrzeuge, der Zeit und der Ideen die angeführt werden.
Dass das Buch von Franzosen (Belgiern ?) "zusammengetragen" wurde, wird sehr schnell klar.
("Geschrieben" ist hier, wie ich denke, nicht der richtige Ausdruck. Es handelt sich in meinen Augen noch nicht einmal um eine sogenannte "Fleißarbeit", da die Fakten, wenn ausreichend vorhanden, nicht angemessen ausgewertet wurden).
Die Fahrzeuge französischer oder belgischer Herkunft bekommen relativ viel Raum und anscheinend auch zum Teil positivere Prädikate als die Roller anderer Nationen.
Zusammen mit der oben genannten "Bibel" hätte man allerdings schon eine sehr komplett wirkende Auswahl an Marken und Modellen, dann vor allem aus Frankreich und den USA.
Es fehlt dann noch "Deutsche Motorroller seit 1894" von F. Rönicke - eine unglaubliche Fleissarbeit, gerade im direkten Vergleich, dabei fundiert, nüchtern und Übersichtlich, ein erstaunlicher Kontrast zu den meisten anderen Büchern - und vielleicht ein Werk aus/für Italien, und man hätte eine weitestgehend vollständige Übersicht über die (Schalt- bzw. Blech-) Roller der Welt, da Produkte aus z.B. Japan, den Niederlanden oder Schweden erwähnt werden, insgesamt aber so selten waren und sind, dass die Menge an Informationen sowieso gering ist... .
Die Auswahl an Rollern insgesamt gesehen ist vielleicht ausgewogen, die Bilder sind anscheinend exklusiv (- zum Teil sogar für das Buch gezeichnet, wie es scheint), und es gibt zu fast jedem Fabrikat eine Abbildung.
Das "layout" ist insgesamt SEHR schön, locker und bunt, sogar wertig, und das Buch regt beim Blättern dazu an, sich selbst weitere Informationen zu verschaffen.
Es muss also jeder selbst entscheiden, wie er das Preis-Leistungs-Verhältnis sieht, ob man ein Buch zu diesem Preis kaufen möchte, dessen Informationsgehalt in Zeiten des Internet gegen Null geht... .