"Ihr werdet so lange jung sein, wie euer Herz die Botschaft
der Schönheit, der Kühnheit und des Mutes aufnehmen wird,
die Botschaft der Größe und der Stärke,
die euch von der Welt, von einem Menschen
oder von der Unendlichkeit geschenkt werden."
Mit dieser Grabinschrift beginnt Jürgen Hargens sein Bändchen mit drei Erzählungen. Mich hat das Bändchen fasziniert und in seinen Bann gezogen. Die lösungsorientierte Sichtweise des Autors, der als psychologischer Therapeut arbeitet, findet sich in seinem Büchlein wieder: Das Leben enthält unendlich viele Optionen: wir müssen sie nur ergreifen und leben.
Dies spiegelt sich in der ersten Erzählung über eine Kindheit in der Nachkriegszeit, in der erfahrene Armut, gewagte Risiken sowie miterlebter Tod gleichzeitig Entwicklungsmöglichkeiten und Orientierung bieten und sich rückblickend in eine optimistische Weltsicht einordnen lassen.
In den beiden anderen Erzählungen wird Eigenbrötelei und skurriles Auftreten von "Sonderlingen" nicht als Defizit sondern vielmehr als Mut dargestellt, etwas Besonderes zu sein, als Möglichkeit, verschrobene aber liebenswerte Individualität auch im Alter zu leben. Die Grenzen zwischen verrücktem Auftreten und Einzigartigkeit verschwimmen. Die eigenen Ideen zu verfolgen, auch wenn die Umwelt den Kopf darüber schüttelt und sie belächelt, wird als bereichernde Selbstverwirklichung geschildert.
Dies alles zeichnet Jürgen Hargens liebevoll und detailreich in einer einfachen klaren Sprache. Die manchmal altmodisch anmutende Wortwahl passt zu den Figuren und der Zeit, die dargestellt wird.