Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Es ist schon erstaunlich! Die Industrie gibt sich alle Mühe, individuelle Motorräder zu produzieren, die noch mehr Leistung als das Vorgängermodell haben, die noch interessanter aussehen und dem Fahrer noch stärker das Gefühl vermitteln, der "King of the Road" zu sein. Und dann kommt da so ein komischer Kauz auf dem Motorrad seines Vaters. Der Klang erinnert an den eines Treckers, der Sattel an Omas gemütliche Couch und die Sitzposition an die eines Herrenreiters. Die Blicke wenden sich vom "modernen Schrott" zum "Alteisen". Doch der genießende Oldtimer-Fahrer schweigt und düst weiter.
Oldtimer-Motorräder erfreuen sich vor allem aus drei Gründen einer hohen Achtung und Aufmerksamkeit:
- Heute als Klassiker geltende Motorräder haben vor langer Zeit das Volk mobil gemacht, einen wichtigen Beitrag zur Wirtschaftsentwicklung und zur individuellen Entfaltung geleistet.
- Motorrad-Oldtimer sind rollende Denkmäler der Technikgeschichte.
- Ein klassisches Motorrad kann man nicht auf die Schnelle um die Ecke kaufen. Wer einen Klassiker bewegen will, muß seinen Denkkasten anstrengen. Selbermachen ist angesagt. Und wer mit so einer alten Kiste durch die Lande nagelt, zeigt, daß er eine ganze Menge Gehirnschmalz investiert hat.
Daß dieser Ausdruck eines individuellen Lebensstils schon bei der Restaurierung eines Oldies Spaß macht, wissen die wenigsten. Wie man einsteigt, soll dieses Buch zeigen.
Mein gesammeltes Wissen entstand aus dem Hörensagen (Lehre, Studium und Benzingespräche), den systematischen Auswertungen der Zeitschriften 'Gummikuh', 'Markt', 'Motorrad Classic' und 'Oldtimer-Praxis', dem Studium vieler Fachbücher und den Erfahrungen aus vielen praktischen Versuchen. Sollte etwas fehlen (auf Anhieb kann ich schon mehrere Themen nennen: Testfahrten, Reifen, Werkstoffe, TÜV und Gesetze), bitte ich um Hinweise und Vorschläge. Vielleicht entsteht eines Tages ein Ergänzungsband.
Wie einfach der Einstieg in die Oldie-Szene gelegentlich auch zu sein scheint, das 11. Murphysche Gesetz sollte man nie vergessen: "Die Restaurierung eines Motorrades dauert immer länger als geplant und kostet mehr, als man sich vorgenommen hat."
In diesem Sinne
Peter Kurze