Das Motorola DEFY hat beim derzeitigen Stand (Mitte Feb. 2011) für mich eigentlich nur fünf Nachteile:
[-] der microUSB Anschluss zum Aufladen und Synchronisieren mit einem Computer befindet sich an der linken Gehäuseseite und ist mit einem flexiblen Kunststoffstöpsel versehen, den man zum Anstecken des Kabels immer wegschieben muss. Daraus resultiert, dass es nicht wie andere vergleichbare Geräte (HTC Desire, Apple iPhone) senkrecht aufgeladen werden kann (es sei denn man stöpselt es zusätzlich noch an) und in einer Dockingstation immer auch der entsprechende Platz für dieses Kunststoffcover vorhanden sein muss.
[-] trotz der in letzer Zeit hohen Verkaufszahlen (das Gerät ist auf Platz 2 bei Geizhals.at, bei Amazon öfter ausverkauft, etc.) gibt es noch fast gar kein Zubehör außer den Standard-Accessoires wie KfZ-Aufladekabel, passiver Autohalterung oder Displayschutzfolien. Eine Dockingstation sucht man derzeit vergeblich, lieferbar wohl erst ab März 2011 (Verkaufstermine hier und anderswo wurden schon mehrfach nach hinten verschoben).
Ich habe mir daher eine eigene Dockingstation aus einer Motorola Milestone Dockingstation umgebaut - siehe Bilder. Über einen Magneten in der Dockingstation, der mit einem Sensor im Gerät korrespondiert, kann je nach Polung des Magneten zwischen der Media Dock und der Car Mount Ansicht umgeschaltet werden. Für die Car Mount (Autohalterung) Ansicht gibt es sogar einen Link im Menü. Dieses Autofahrermenü ist super & sehr brauchbar.
[-] der bei einigen Geräten aufgetretene Hörmuscheldefekt ist ärgerlich und liegt an der Qualität der verbauten Lautsprecher. Bei einem Defekt muss das Gerät eingeschickt werden, Infos dazu gibt es im Internet. Mein Gerät stammt vom November 2010, ich habe es als "Aussstellungsstück" ersteigert und es funktioniert wunderbar. Ob es bereits repariert wurde, kann ich daher nicht beurteilen. Andere Geräte haben aber auch Seriendefekte, dies lässt sich heutzutage wohl nicht immer vermeiden bei den kurzen Produktzyklen.
Für Selberschrauber gibt auch keine Ersatzteile, man kann aber wohl bei Sony K770 nach Ersatzlautsprechern schauen'
[-] Das Kameramodul ist hardwareseitig zu mehr Leistung fähig und wohl erst ab Android Version 2.2 besser zu bedienen. Die Bildqualität reicht natürlich nicht an die eines immer noch ungeschlagenen Nokia N95 oder N82 heran, ist aber durchaus brauchbar, auch unter schlechten Lichtverhältnissen. Durch Zusatzapps (z.B. PicSay Pro) lassen sich die Bilder bequem veredeln.
[-] Motorola liefert seine Android Geräte mit signierten Bootloadern aus, so dass "eigentlich" keine eigenen Android Versionen aufgespielt werden können. Dies widerspricht im Grunde dem offenen Ansatz von Android und ist bedauernswert. Das Gerät kommt mit Android 2.1, ein offizielles Update auf 2.2 wurde für das 2. Quartal 2011 versprochen. Wer will, kann hier auch etwas nachhelfen und sich im Internet schlau machen.
Die derzeit aktuelle Version 2.5.1 (Android 2.1), die über einen PC Anschluss aktualisiert werden kann, hat leider auch noch einige kleinere Bugs. So deaktiviert sich bei meinem Gerät manchmal der Lockscreen (man drückt den Ein/Aus-Schalter und landet direkt im Menü, ohne erst vorher den Bildschirm zu entsperren). Eine andere ärgerliche Kleinigkeit sind eigene Ordnernamen auf dem HomeScreen, die bei einem Neustart des Gerätes verloren gehen. Hier muss Motorola sicherlich noch die Software korrigieren.
Zu Motoblur kann ich keine Aussage treffen, ich habe es direkt bei der Installation übersprungen. Es laufen jedoch weiterhin einige Motoblur Anwendungen im Hintegrund - wenn man einen neuen Kontakt anlegt, wird dieser automatisch auch mit Motoblur verknüpft (auch wenn kein solches Konto vorhanden ist).
Dies ist mein erstes Android Gerät und ich bin angenehm über die vielen Möglichkeiten überrascht. Ich habe vorher ein iPhone Classic (2G) verwendet, freue mich über den enormen Geschwindigkeitszuwachs und die gute Verarbeitung und Belastbarkeit des Gerätes. Leistungstechnisch hat das DEFY sehr viel zu bieten, es hat einen attraktiven Verkaufspreis und schlägt sich auch in den selbst durchführbaren Benchmarks (Apps gibt es im Appstore, mein Tipp: gleich auf Appbrain umsteigen) sehr gut.
Ich vermute, dass sich das DEFY alleine schon wegen seines IP67-Schutzes länger am Markt halten wird als manch anderes Android Gerät. Für die meisten Benutzer wird es auch das ideale Android / Smartphone sein, da es eine unglaubliche Vielfalt bietet. Ich wickele z.B. einen Großteil meiner Kommunikation über Gmail ab und kann mir dann über kleine Zusatzprogramme wie GTask eine Aufgabenliste direkt auf einen der fünf Homescreens legen. So etwas geht bei einem iPhone nur mit viel Liebe und Frickelei.
Für die Zukunft wünsche ich mir von Motorola die Einsicht, den Verkaufszahlen des DEFY Rechnung zu tragen und den Support auszubauen. Dies beinhaltet ein baldmögliches Upgrade auf Android 2.2, die Korrektur kleinerer Fehler und im Idealfall auch eine Abschwächung der OEM Vorgaben, so dass zwischen dem Anwender und Motorola keine Motoblur Hindernisse stehen, die eine Aktualisierung der Software unnötig verzögern.
Ich kann das DEFY ohne weiteres empfehlen (so wie es mir empfohlen wurde von Android Experten), die Verarbeitung ist Motorola-typisch TOP und ich glaube, dass das Gerät den meisten Käufern durchaus zusagen wird. Bis auf die o.g. Nachteile ist das Gerät mein absolutes Traumhandy. Alleine schon der GPS fix (Zeitdauer bis zum Verbindungsaufbau mit Satelliten) ist super. Durch die speziellen Menüs für eine Autohalterung und einer Docking Station eignet sich das Gerät auch für andere Zwecke, bei denen andere Handys im Alltag eher unpraktisch sind.
Trotz Gorillaglas (Glas mit hohem Kunststoffanteil, dadurch bruchsicherer aber nicht unbedingt kratzfester) verwende ich auf meinem DEFY eine Schutzfolie mit rauer Oberfläche. So sieht man keine Fingerabdrücke und hat noch einen weiteren Schutz. Wer es wirklich bombensicher machen möchte, schaut sich noch nach einer Otterbox Handyschutzhülle um, die ideal vor Schlägen und Stößen schützt.