Ein Wort vorweg: Ich habe mir das Gerät vor kurzem als Ersatz für mein in die Tage gekommenes HTC Desire gekauft und wollte unbedingt die aktuellste Android-Version haben. Mein Razr Maxx wurde von amazon.de ohne Branding, ohne SIM-Lock und mit bereits vorinstalliertem Android 4.0.4 ausgeliefert. Ein Update nach Inbetriebnahme war also nicht erforderlich. Und ja, es ist die "Bild-App" installiert, die man zwar beenden, aber nicht deinstallieren kann.
Äußerer Eindruck: Das Razr Maxx macht einen hochwertigen Geamteindruck und strahlt mit seiner Farbgebung in silber-anthrazit eine technische Eleganz aus, die durch das gehärtete Glas und die Kevlaar-Beschichtung der Rückseite noch verstärkt wird. Es ist trotz des neuen dickeren Akkus ein sehr flaches Gerät, das großflächig in der Hand liegt. Das Handy enthält wenig Hohlräume, klingt beim Draufklopfen solide und hat keinen Rückdeckel, der abfallen können. Es klappert nichts. Die SIM-Karte und ggf. eine microSD-Karte werden durch eine kleine Klappe an der linken Seite eingelegt, was etwas Fummelarbeit ist, weil die Teile nur fingernagelgroß sind. Klappt aber problemlos. Die Anschlüsse am oberen Rand (HDMI, USB und Klinkenstecker) liegen frei, so dass Staub eindringen kann.
Betriebssystem: Mein altes HTC Desire lief noch mit Android 2.2.2, so dass der Sprung auf Ice Cream Sandwich 4.0 deutlich spürbar ist. Motorola greift weniger stark in die Oberfläche des Android ein als etwa HTC mit seinem Sense-Aufsatz. ICS wirkt sehr durchdacht und hat z.B. gleich ein brauchbares Management der Apps, des Speichers und des Akkuverbrauchs eingebaut. Man sieht, welche App die meisten Ressourcen verbraucht, und kann sie ggf. beenden. Es gibt auch einen Menüpunkt Datennutzung, wo man den aktuellen Datenverbrauch sieht oder ein Limit einstellen kann ' nützlich, da auch viele Datenflatrates irgendwann die Geschwindigkeit drosseln.
Bildschirm: Die Angabe von 10,9 cm Diagonale ist zutreffend und wird voll ausgenutzt. Der AMOLED-Screen ist sehr scharf und hat eine tolle Farbsättigung. Pixelfehler konnte ich nicht entdecken. Die Schaltflächen am unteren Bildschirmrand (Funktionen, Home, Zurück und Suche) sind unter dem Glas versteckt, so dass auf der sichtbaren Frontseite keine Knöpfe sind. Ich benutze die Helligkeitsautomatik des Bildschirms, um Strom zu sparen. Man kann es aber auch manuell einstellen. Beim Ausschalten hat das Display Retro-Charme und macht einen Schlussstrich in der Mitte wie ein alter Röhrenfernseher (ist ein Gimmick, kein Defekt!).
Internet: Mit dem mitgelieferten Browser und der vorinstallierten Google-Suche läuft das Surfen flüssig, dankt Dualcore-Prozessor ist der Seitenaufbau schnell und das Scrollen praktisch ruckelfrei. Das gilt auch für Apps wie z.B. Tagesschau oder web.de.
Kamera: Mit der Qualität der Kameras bin ich insgesamt zufrieden. An der Rückseite 8 Megapixel, an der Front (für Videotelefonie) 1,3 MP. Die 8 MP-Kamera macht auch bei schlechtem Licht Fotos mit kurzer Auslöseverzögerung und erlaubt Schnappschüsse. Es gibt Verfremdungsfunktionen (z.B. Sepia, Solarisation, Farbstiche), die mit der Konkurrenz etwa des iPhone nicht mithalten. Die Fotos sehen auf dem Handydisplay sehr gut aus, verlieren aber am Monitor und wirken teils weich mit Unschärfe im Detail. Meine Nikon D300 muss noch nicht eifersüchtig werden. Deutlich besser ist die Qualität der HD-Videos, die sehr hübsch anzusehen sind.
Akku: Wie ein VW Käfer. Er läuft und läuft und läuft. Einfach geil. Allerdings nicht wechselbar.
Sound: Die Sprachqualität beim Telefonieren empfinde ich als durchschnittlich. Ein Manko für den Gesprächspartner ist die exzentrisch angeordnete Mikrofonöffnung, die offenbar für "rechtsohrige" Telefonierer gestaltet wurde. Am linken Ohr muss man das Handy dann etwas höher (fast waagerecht) halten, damit der Partner etwas versteht.
Was Musikfunktionen angeht, ist interessanterweise Google Play Music bereits vorinstalliert, obwohl Google den Service in Deutschland noch gar nicht freigeschaltet hat. Alternativ hat Motorola einen eigenen Webstream namens MotoCast vorinstalliert, der Streamingdienste und Internetradio ermöglicht. Auch ohne Cloud kann man es aber als komfortablen Musikplayer benutzen und hat dank SD-Karte viele Gigabytes Platz für MP3s. Der eingebaute Lautsprecher an der Rückseite liefert leider einen sehr verrauschten Sound, so dass Kopfhörer zu empfehlen sind. Die kann man ganz einfach per 3,5 mm Klinkenstecker einstecken. Ein Paar Ohrenstöpsel wird mitgeliefert und klingt noch leicht blechern, aber bereits recht gut.
Klingeltöne: Die Auswahl an Klingeltönen ist werksmäßig schon ordentlich. Man kann auch eigene MP3s benutzen, wobei die entsprechende Einrichtung etwas umständlich ist, bis die Datei im Klingeltonmenü erscheint (Tipp: mit Motorola-Player "Eigene Musik" abspielen, dann Menü drücken-> "als Klingelton festlegen" - Klappt leider nicht mit Google Play Music!). Die Zuweisung unterschiedlicher Klingeltöne für verschiedene Personen ist dann aber einfach.
Fazit: Ein cooler Begleiter im Dschungel der Großstadt und des Internets, konkurrenzlos mit überragender Akkuleistung und damit ohne schlechtes Gewissen als Navi einsetzbar. Design, Display und Handling mit Android 4.0 sind ebenfalls super. Kamera, Sound und Gesprächsqualität sind solider Durchschnitt. Wer ein Android-Gerät mit mehr Prozessorleistung oder einem etwas größeren Display möchte, wird bei der Konkurrenz fündig. Das Razr Maxx hat einige der neuesten Funktionen (z.B. NFC-Chip, Direct Call, S-Voice) der Mitbewerber nicht an Bord, ist dafür aber auch deutlich günstiger als z.B. das Samsung Galaxy S3 oder HTC One X. Wer auf diese Sonderfunktionen, Quadcore oder Wechselakku besteht, wird sich mit dem Razr Maxx eher nicht anfreunden. Für alle anderen hat es vielleicht wie bei mir das Zeug zum Lieblingshandy!