"Lebenslust und Sterbekunst", diesen barock ausladenden Untertitel der neuen Hengelbrock-CD empfand ich zunächst etwas abschreckend: Bachs Kantaten, die die Schönheit des Todes besingen, oder Purcells morbide Grabmusiken mochten früher nie so recht an mich gehen. Doch Dirigent Thomas Hengelbrock lässt zwar der weltabgewandten Seite dieser Musik durchaus ihren Raum, betont aber gleichzeitig auch die "Lebenslust". Nicht, dass Henry Purcells Funeral music auf den Tod von Queen Mary damit zur heiteren Angelegenheit wird, nein. Aber sie verharrt auch nicht im pauschalen Leidenston. Die Musik hat ihre hellen, strahlenden Momente, und das macht sie ungemein wirkungsvoll. Wie immer herausragend ist Hengelbrocks Chor: Hier agieren ausschließlich Sänger mit Solistenpotenzial, was einen ganz feinen, und dennoch tragenden Chorklang ergibt, in Präzision und Sauberkeit einzigartig (jedenfalls in Deutschland). Besonders erwähnenswert: Altus Jürgen Banholzer, Tenor Mirko Heimerl und Bass Hans Wijers im Solistentrio der Bach-Kantate BWV150!