Den meisten Deutschen ist der Morgenthau-Plan für das Nachkriegs-Deutschland sicherlich in Erinnerung. Wer aber war der amerikanische Finanzminister, der diesen Plan ausgearbeitet hat? Sein Sohn Henry Morgenthau III gibt in diesem Buch eine Antwort. Es ist allerdings keine kritische Auseinandersetzung mit dem Erbe seiner Väter geworden, sondern eher eine gut lesbare, oberflächliche Familienchronik. Für tiefergehende historische Studien nur bedingt geeignet.
Lazarus Morgenthau 1815-1897
Zunächst durch harte Arbeit sowie durch kaufmännisches Geschick gelangte er zu erheblichem Wohlstand, mit 44 Jahren stand er auf dem Zenit. Eine neue amerikanische Zollpolitik aufgrund des Sezessionskrieges änderte seine wirtschaftliche Situation, da die von ihm produzierten Zigarren hauptsächlich für den amerikanischen Markt bestimmt waren. Lazarus wanderte im Jahre 1866 in die USA aus. Faszinierend an Lazarus Morgenthau ist vor allem seine Fähigkeit seine Innovationskraft. Er entwickelte zum Beispiel nikotinfreie Zigarren. Aber auch sein Wechsel aus der Kravattenherstellung (er war gelernter Schneider) zur Zigarrenproduktion zeigt, dass er Neuem aufgeschlossen war.
Henry Morgenthau 1856 - 1946
Studium an der Columbia Universität (Recht), in späteren Jahren amerikanischer Botschafter am Bosporus. Er war derjenige, der den Genozid an den Armeniern anprangerte.
Henry Morgenthau Jr. 1891-1967
Finanzminister unter Präsident Roosevelt, er entwickelte den sogenannten Morgenthau Plan.
Henry Morgenthau III geboren 1917
Leider widmet sich dieses Buch vor allem den oben genannten Personen. Andere bekannte Persönlichkeiten werden nur am Rande erwähnt. Barbara Tuchman, Cousine von Henry III, Historikerin und Schriftstellerin, durfte zwar am Manuskript mitarbeiten, der Leser erfährt aber kaum etwas von ihr. Immerhin ist ein Stammbaum der Familie abgedruckt sowie zahlreiche Bilder.
Eigentlich hatte ich mir von diesem Buch Informationen erhofft wie der Hass auf Deutschland - anders kann ich es nicht nennen, Sorry - entstanden ist, der sowohl das Verhalten von Henry Morgenthau als auch von seinem Sohn, dem amerikanischen Finanzminister, geprägt hat. Viel habe ich aber nicht gefunden. Sicher, es gibt einen Bericht über eine Deutschlandreise von Henry im Juni 1874, welche ihm die Augen geöffnet haben soll. Angeblich war er von den Folgen des Französisch-Deutschen Krieges (1870-1871) beeindruckt. Er nahm an Feierlichkeiten für Feldmarschall Helmuth von Moltke teil, besuchte aber keinen einzigen seiner Verwandten. Gründe warum Henry ab 1874 den Kontakt abbrach und auch später nicht wieder aufnahm werden nicht genannt. Selbst während des Dritten Reiches werden keine Bemühungen erwähnt, Verwandte zu retten.
Ebenso hatte ich mir mehr Hintergrundinformationen erhofft über politische Angelegenheiten. Zwar wird die Bretton Woods Konferenz ebenso wie der Morgenthau Plan erwähnt, ohne allerdings in die Tiefe zu gehen. Auch die Rolle von Harry Dexter White (später als Sowjetspion angeklagt) sowie die Freundschaft zum Präsidentenpaar wird genannt. Die Informationen bleiben aber oberflächlich und unkritisch. Deswegen auch die zwei Punkte Abzug. Mehr ist hingegen zum gesellschaftlichen Leben zu erfahren, zum Leben als Jude im damaligen Amerika. Wer sich hierfür interessiert, für den ist dieses Buch sicher besser geeignet.