1960 war der Pianist Steve Kuhn kurzzeitig Mitglied des John Coltrane Quartetts. Coltrane musste in dieser Übergangsphase das Ende der Verpflichtung McCoy Tyners im Farmer-Golson Jazztett abwarten, um den Klavierstuhl dann endgültig mit ihm, Tyner, zu besetzen. Kuhn erinnert sich ohne Gram an seine "Lückenbüsser"-Rolle und setzt Coltrane fast 50 Jahre danach mit dieser Scheibe ein Denkmal. Auf den ersten Blick mag erstaunen, dass dies ausgerechnet bei ECM geschieht. Da der subtile Steve Kuhn in der Zwischenzeit ein Alter erreicht hat, wo Sturm und Drang sich in aller Regel gelegt haben, tut er dies in einer Weise, die dem Label nur gerecht wird. Will heissen, dass die zuweilen fast unerträgliche Intensität der Musik des Coltrane Quartetts einer eher introvertierten Interpretation gewichen ist. Die Intensität wird gewissermassen eingehegt, ohne Substanzverlust. Da ist Saxophonist Joe Lovano schon fast der logische Partner. Zusammen mit einem der facettenreichsten Schlagzeuger der Gegenwart, Joey Baron, und dem souverän tragenden David Finck am Bass ergibt sich ein Personal, welches dieses Material aus allen Perioden des Coltraneschen Schaffens ideal verarbeitet ohne irgendwann der Routine zu verfallen. Da streckenweise die Musik, ohne fixes rhythmisches Gerüst, in luftig fliessender Bewegung dargeboten werden, wächst die Bedeutung der Spannung im Interplay dieser brillanten Musiker. Die Stücke werden mehrheitlich im Quartett, aber auch im Trio (ohne Lovano), Duo (Kuhn/Lovano) und Solo (Kuhn) vorgetragen. Eines wird im Kollektiv gänzlich frei gestaltet (Configuation) .
Mit drei Ausnahmen sind es allesamt Kompositionen Coltranes. Auch ohne dies waltet der Geist des Meisters, letztlich titelgerecht.