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Moscoviada: Roman
 
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Moscoviada: Roman [Gebundene Ausgabe]

Juri Andruchowytsch , Sabine Stöhr
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Dantes Inferno lässt grüßen! Was der 46-jährige ukrainische Lyrikdebütant Juri Andruchowytsch hier veranstaltet, ist nichts weniger als der ungeheuer poesievolle und delirierend LSD-mäßige Versuch eines Schwanengesangs auf das dahinsiechende Sowjetreich. Inmitten von Moskau, diesem „fauligen Herzen des halbtoten Imperiums“, liegt das Studentenwohnheim des renommierten Gorki-Literaturinstituts, eisgraues Herzstück und trübe Heimstatt in Andruchowytschs furioser Groteske der toten Seelen.

Im Jahre des Herrn 1991 beherbergt diese sperma-, blut- und wodkatriefende Plattenbauwohnhölle eine regelrechte Armada an aufstrebenden jungen Dichtern aus sämtlichen russischen Provinzen. Dichterwracks wäre der angemessenere Ausdruck, werden die meisten doch lediglich von Suff und Sex mit Kommilitoninnen in den Duschräumen halbwegs am Leben gehalten, wie der Vorortbericht des ukrainischen Literaturstipendiaten Otto von F. drastisch bezeugt! WARNUNG: Wer nach dieser Einleitung lediglich eine traurig triefende Sowjet-Untergangselegie erwartet, verpasst ein kleines Meisterwerk, wie Stanislaw Lem schon anmerkte. Otto von F’s nächtlicher Abstieg ins stinkende Gedärm der Stadt kommt als orgiastisch grelle Burleske daher. Poe, Gogol & Co., Russenpop und Fantasy sind in Andruchowytschs literarischem Reisegepäck stets präsent.

Das Otto’sche Schleudertrauma in die Katakomben des ehemaligen kommunistischen Gespensterreichs aus Geheimdiensten, Verschwörung und Konspiration, erschien erstmalig im Jahr 1993 und ist von beinahe erschreckender Aktualität. Auf seiner schlingernden Identitätssuche im bröckelnden Sowjetreich durchwatet der Literaturstudent eine desillusionierte Moskauer Unterwelt im Dauerdelirium, gesäumt von Dichterbirnen, deren von gepanschtem Wodka oder Arzneispiritus vernebelte Hirnwindungen nur noch Gaga-Lyrik produzieren.

Ein postkommunistisches Absurdistan als Hort der Selbstverlorenheit, in dem sich auch die Sorge des Autors herauslesen lässt, in Zeiten moralischer Verwilderung und Desorientierung könne der Ruf nach dem einst so starken, alles einenden Moskau wieder übermächtig werden. Ein wilder und wortmächtiger Nach- und Weckruf! -- und ein dickes Extralob der kongenialen Übersetzung aus dem Ukrainischen von Sabine Stöhr. --Ravi Unger

kulturnews.de

Moskau, Ende der Achtziger: Der junge ukrainische Schriftsteller von F. vegetiert in einem heruntergekommenen Studentenwohnheim, hat eine Mischung aus Sex und Nahkampf, trinkt Unmengen Wodka, gerät in einen Folterkeller und am Ende in einen grotesken Maskenball, in dessen Verlauf Iwan der Schreckliche, Katharina die Große und Lenin den Zerfall der Sowjetunion aufhalten wollen. Wow. Juri Andruchowytsch erfindet mit der "Moskowiade" nicht nur ein eigenes Genre, er traut sich auch an die ganz großen Themen. Und als sei das nicht genug, werden die Handlungen seines Helden in der zweiten Person geschildert, was dem Roman eine zunächst ungewohnte, dann aber zutiefst unmittelbare Form verleiht. Schade nur, dass Andruchowytsch dabei nicht auf Klischees verzichtet: Moskau ist immer nur die längst Allgemeingut gewordene Ruinenlandschaft im Wodkanebel. Da sagt uns der Autor nie mehr als das, was wir ohnehin zu wissen glauben. Schön aber, wie Andruchowytsch den 1992 geschrieben Text in einem Nachwort aktualisiert und den großmannssüchtigen Maskenball durch eine Putin-Figur in die Gegenwart verlängert. (fis)

Pressestimmen

»Moscoviada bietet eine ebenso vergnügliche wie lehrreiche Lektüre. ... Andruchowytsch hat sich in den letzten fünfzehn Jahren als führender intellektueller Botschafter der Ukraine profiliert und dem Westen klar gemacht, daß die europäische Kultur nicht am Wiener Südbahnhof endet.«

(Neue Zürcher Zeitung )

»Moskowiade, das könnte geradezu eine Gattungsbezeichnung sein: ein auf den Handlungsort Moskau genau abgestimmtes Prosastück, das die Absurditäten, den Extrem- und Surrealismus im Zentrum der zugrunde gehenden Sowjetunion ausmisst – eine apokalyptische Vision, eine zwischen dem Altrussischen und der Moderne gespannte Groteske, ein Untergangsszenario mit allen möglichen tragischen und komischen Begleitumständen. ...Und weil alles möglich ist, ist die Grundfarbe am Ende nicht, wie ständig suggeriert wird, schwarz – nein, sie ist kunterbunt und nicht zu fassen.«  

(Die Zeit, Literaturbeilage zur Frankfurter Buchmesse )

»Moscoviada ist ein glänzend geschriebenes, von Sabine Stöhr glänzend übersetztes Buch«

(Frankfurter Allgemeine Zeitung )

»Andruchowytschs Roman ist ein Epos auf den Zerfall der Sowjetunion, beobachtet in ihrem Herzen, doch mit dem unbarmherzigen Blick eines Zugereisten, des Angehörigen eines vom Imperium schwer in Mitleidenschaft gezogenen »kleinen Volkes«, der Ukrainer. ... Moscoviada handelt von einer »bitteren Zeit, in der alles ringsumher zerfällt und nichts mehr zueinander passt. Eine gute Zeit für die Literatur.«

(Literarische Welt )

Kurzbeschreibung

Otto von F., Literaturstudent aus der Westukraine, lebt in Moskau, dem »fauligen Herzen des halbtoten Imperiums«. Im Wohnheim des Gorki-Instituts hocken die poetischen Hoffnungen aus der sowjetischen Provinz aufeinander, künftige Vertreter der jungen Nationalliteraturen, die Gedichte in mittelalterlichem Jiddisch, ukrainische Verspoeme und usbekische Songstrophen verfassen. Es ist Anfang der neunziger Jahre, die Stimmung gereizt, der Wodka knapp … An einem nassen Maitag zieht er los, um Geschenke in der »Kinderwelt« zu besorgen, dem Kaufhaus direkt neben dem KGB-Gefängnis Lubjanka. Er verirrt sich in Fluren und Treppenhäusern, landet in den Tunneln der Kanalisation und gerät in die Gewalt von Geheimdienstbeamten, die hier unten ein Rattenheer züchten. Was Otto von F. in den Katakomben unter dem Kreml und auf den Gleisen der geheimen Regierungsmetro widerfährt, das erzählt sein Vergil durch die Hölle Moskaus, Juri Andruchowytsch, mit Sarkasmus und groteskem Witz. Moscoviada, Andruchowytschs erfolgreichstes Buch, ist von überraschender Aktualität. Das neoautoritäre Rußland, der eifernde Nationalismus, die Verklärung der kommunistischen Epoche, der chauvinistische Kitsch, der ideologische Druck – all diese Gespenster werden in einem karnevalesken Spektakel unter panischem Gelächter zum Teufel gejagt.

Über den Autor

Juri Andruchowytsch, geboren 1960 in Iwano-Frankiwsk/Westukraine, dem früheren galizischen Stanislau, studierte Journalistik und begann als Lyriker. Exotische Vögel und Pflanzen (1991; mit einem Zusatz "Indien" 1997). Dt. u.d.T. Spurensuche im Juli. Reichelsheim 1995. Übersetzungen aus dem Russischen, Polnischen, Englischen und Deutschen. 1985 Mitbegründer der legendären literarischen Performance-Gruppe Bu-Ba-Bu (Burlesk-Balagan-Buffonada). Mit seinen drei Romanen Rekreacij (1992), Moskoviada (1993), Perverzija (1999), die ins Polnische und Russische übersetzte wurden, ist er unfreiwillig zum Klassiker der ukrainischen Gegenwartsliteratur geworden. 2000 erschien in Polen Mein Europa (mit Andrzej Stasiuk), Ergebnis einer gemeinsamen Reise durch den unbekannten europäischen Osten. Die deutsche Übersetzung erschien im Mai 2004 in der edition suhrkamp.

Andruchowytsch wurde mit dem Sonderpreis des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises 2005 der Stadt Osnabrück ausgezeichnet. Der Schriftsteller vermittle mit seinen brillanten Essays einen wichtigen Beitrag zur Entdeckung einer nahezu unbekannten Region im erweiterten Europa, hieß es in der Begründung.

Der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Völkerverständigung 2006  wurde Juri Andruchowytsch im März 2006 anlässlich der Eröffnung der Leipziger Buchmesse verliehen.

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