Aus der Amazon.de-Redaktion
Blue Note wird 70: mit Live-Konzerten, Reissues, Buchveröffentlichungen und Festivals plant das traditionsreiche Jazzlabel das Jahr 2009 zum internationalen Feierjahr zu erklären. Dazu gehört natürlich eine Blue Note – Allstar-Band, „The Blue Note 7“. Sieben Musiker, darunter Bill Charlap (Klavier), Nicholas Payton (Trompete), Ravi Coltrane (Saxofon) und Lewis Nash (Schlagzeug) interpretieren acht Klassiker aus dem gewaltigen Blue-Note-Repertoire.
The Blue Note 7, Mosaic: A Celebration Of Blue Note badet unbeirrt im stilistischen Heimatland: erdiger Straight Ahead Jazz, Kompositionen von Cedar Walton, Joe Henderson, Bobby Hutcherson oder Thelonious Monk wurden dezent arrangiert, Themen werden im 3-stimmigen Bläsersatz vorgetragen, viele Soli schmücken die performance, nicht zu lang und nie zu wild, es riecht relaxed, nach Jazzclub, nach 50er Jahren, nach laid-back-attitude. Obwohl die Songauswahl bewusst unterschiedliche Stimmungen aufgreifen soll, klingt alles wie aus einem Guss: Die Band macht Farbe, schafft Charakter, die Arrangements sind aufeinander abgestimmt. Gute Arbeit!
Die Blue Note 7 – Aufnahme ist der Auftakt: es wird die erste Blue-Note-Veröffentlichung im Jubiläumsjahr, und die Band wird auf Tournee gehen, gleich im Januar. Auch wenn das Album keine Sensation ist, wird es viel Wind geben, denn Blue Note ist immerhin das renommierteste Jazzlabel der Welt. Seit 1939 hat es Jazzikonen wie Miles Davis, John Coltrane, Herbie Hancock, Freddie Hubbard und Ornette Coleman produziert. Blue Note setzt damals wie heute auf Qualität, auf Originalität, auf Musik, die den Bezug zur Tradition, zur Basis des Jazz als Quelle nutzt für einen künstlerischen Ausdruck, der aus tiefem Wissen und astreinem Handwerk erblüht. Ausnahmen bestätigen die Regel. Fantastische Musiker wie Gonzalo Rubalcaba, Joe Lovano, Robert Glasper, Dianne Reeves, Lionel Loueke und Wynton Marsalis zieren den aktuellen Blue-Note-Katalog: man weiß, was man an ihnen hat. 2009 wird mit Sicherheit ein kraftvolles Jahr für den Blue Note-Jazz; mit einem Konzertmarathon in New York, mit Tribute-Konzerten bei Festivals und vielem mehr. - Katharina Lohmann
Ein Denkmal wird mit allen zur Verfügung stehenden Instrumenten neu vermarktet: Tour, Merchandising mit Basecaps und T-Shirts, Album, TV-Shows - das ganze Programm. Blue Note ist die Hall of Fame der US-Jazzhistorie, ist das von den deutschen Emigranten Alfred Lion und Francis Wolff geschriebene Kulturkapitel des amerikanischen Traums. Immer im Kampf gegen den wirtschaftlichen Untergang, immer aber auch mit dem Credo uneingeschränkter künstlerischer Selbstverwirklichung am Scheitelpunkt zwischen Avantgarde und Unterhaltung: Das mehrfach zu Grabe getragene und ebenso oft wiederauferstandene Label prägte nachhaltig die zurückliegenden sieben Dekaden. Sieben von diesem Geist beseelte Musiker um den Pianisten Bill Charlap haben den großen Momenten von Thelonious Monk, Herbie Hancock, Horace Silver und McCoy Tyner die Altersfalten weggespritzt, und jetzt gehen sie mit diesem Programm auf Tour, um Blue Note als Lifestylemarke zu etablieren. Nicht gerade avantgardistisch, aber - heute wie einst - genau so weit den Marktgesetzen folgend, wie es nötig ist, um nicht mit 70 den Löffel abzugeben. Wer Blue Note jetzt als Marke kennenlernt, hört ein Album, dem die ganz großen, unverwechselbaren Momente fehlen mögen, das jedoch durchaus den Drang auslösen kann, in der Backlist des Labels zu forschen. Zweck erfüllt. (ron)