Das schlimmste, was mich bei Anbeginn von Morrowind beinahe aus dem Sessel gezerrt hätte, war die Tatsache, daß man sich "am Steg" für eine Grafik-Pratze für den Helden entscheiden mußte.
Egal, Aussehen ist ja nicht alles. Also fix weiter und dem Charakter Tiefe einflößen. Und da schon die Qual der Wahl: wie will ich spielen, wer will ich sein, was liegt überhaupt vor mir??? Schon das macht Morrowind aus und verleiht ihm immernoch Symphatie: der Spieler wir in eine Welt geworfen, wo er nicht schnöde von Auftrag zu Auftrag eiert; niemand schickt dich raus und sagt: Lege draußen vor dem Dorf drei Wölfe um und dann komm wieder. Nein. Man steht anfangs wie ein begossener Pudel da und weiß nicht, wohin mit sich selbst. Und nachdem die "kleinen Quests" im Startort beendet sind, wagt man sich raus- und zwar ohne Zwischensequenz oder Ladebildschirm, weil die ganze Welt eine Einheit ist und man sich absolut frei bewegen kann.
Da kann man die Altersfalten des Spiels gerne übersehen: so eine Freiheit hat kein anderes Spiel zu bieten, man steht wirklich in einer fremden Welt und hat keinen Dunst wohin mit sich selbst. Und der Begriff WOHIN ist in diesem Falls seeeehr weitgefächert, da es eine riesige Welt zu erkunden gilt.
Es lauern überall Gefahren, es gibt Höhlen en masse zu erkunden, haufenweise Unholde zu erledigen, das Wetter ist wechselhaft, manchmal sieht man im Sandsturm kaum die Hand vor Augen. Und die Questgeber tragen kein Fragezeichen über dem Kopp und drängen regelrecht darauf, angesprochen zu werden.
Ich hab bei keinem anderen Rollenspiel soviel Tiefgang und Ungezwungenheit erlebt wie hier. Vor allem, weil nicht alles statisch bleibt, Dinge verändern sich, vor allem im weiteren Verlaufe des Spiels merkt man, daß sich irgendetwas tut in der Welt um einen herum.
Ich habe wochenlang daran gesessen, worauf sich mir auch folgende Erkenntnis offenbarte: Man steigt ratz-fatz auf, hat recht fix die maximalen Attributspunkte (und zwar überall) erreicht, und es scheint auch leider keine wirkliche Unterscheidung bei der Wahl des Charakters zu geben. Am Anfang ist man zb besser mit dem Bogen oder im Kampf oder mit Magie...am Ende (wann immer das auch eintreten mag) fällt das aber absolut flach, weil alle Fertigkeiten die Höchststufen erreicht haben und man sich schon aus Langeweile durch ganze Burgen oder Städte metzeln kann ohne ernste Blessuren zu fürchten...
Es ist dabei leider so ähnlich wie Gothic( was ist so realistisch und zugleich absolut sinnfrei wie Gimmicks des Holzsägens oder Bong-Rauchens): eine geraume Weile schlonzt man sich so durch und ist erfreut über jedes bessere Item und jeden weiteren besiegten Gegener- und plötzlich ist man der Obermob, sodaß selbst vermeindliche Endgegner einen Witz darstellen und man einen gottgleichen Status hat-.-
Dennoch ist Morrowind ein richtiges Brett von Spiel ohne jeglichen Leitfaden oder Regeln: mach, was du willst, genieße einen irren Freiraum und vergiß für etliche Stunden den Alltag!!!!