Von der Grundidee her hätte "Morrisons Versteck" ein interessan- tes und unterhaltsames Buch werden können.Zu Beginn seines Werkes schafft Autor Henisch es auch noch, auf durchaus amüsante Weise dem Leser die Fiktion eines noch lebenden, bärtigen und sich zur Schau stellenden Jim Morrison zu übermitteln. Doch dann widmet er seiner realen Hauptperson, dem Journalisten Paul, zuviel Aufmerk- samkeit. Es wird zum x-ten Male die allseits bekannte Geschichte der 'Doors' erzählt, verbunden mit den Erinnerungen von Paul. Diese sind jedoch leider langatmig und langweilig. Zudem wechselt der Autor immer wieder in die englische bzw. in die französische Sprache, was zwar von einigen Kenntnissen zeugt, für den Hand- lungsfluss jedoch tödlich ist. Gut 150 Seiten des Buches kann man getrost vergessen, weil der angeblich noch lebende Morrison nur noch am Rande erwähnt wird. Und wer sich dieses Buch kauft will Morrison haben und sonst nichts! Erst ziemlich zum Ende konzen- triert sich die Geschichte wieder mehr auf Morrison und lässt den Leser erfahren, wie der "Lizard King" seinen eigenen Tod insze- niert hat und seit Jahren unerkannt und zurückgezogen in Paris lebt. Doch da hat der geneigte Leser schon längst die Hoffnung auf Besserung aufgegeben und ist nur noch schwer über die vorhergehenden Längen hinweg zu trösten. Während es Lewis Shiner 1993 in seinem fiktiven Roman "Schattenklänge" gelang, eine spannende und interessante Geschichte rund um den Mythos Morrison zu erschaffen, enttäuscht Henisch über weite Strecken. Er weckt zu Beginn viele Hoffnungen im Leser, kann die eingeschlagene Linie jedoch nicht beibehalten und vergibt die Chance auf ein echtes Highlight. Fazit: 1 Punkt für Morrison. Nur für Leser zu empfehlen, die wirklich a l l e s von und über Morrison haben müssen.